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NIEDERWIL: Drei Stunden höchste Konzentration

Für den 19-jährigen Joel Schönenberger war es das siebte Mal, dass er an einem Unterhaltungsabend der Musikgesellschaft Niederwil dabei war. Am wichtigsten Anlass seines Vereins hat ihn die «Wiler Zeitung» begleitet.
Zita Meienhofer
Hühnerhaut-Feeling während des Titels «Pie Jesu» mit dem Gesangssolo von Yannis Keller, begleitet durch die Niederwiler Musikantinnen und Musikanten. (Bild: Zita Meienhofer)

Hühnerhaut-Feeling während des Titels «Pie Jesu» mit dem Gesangssolo von Yannis Keller, begleitet durch die Niederwiler Musikantinnen und Musikanten. (Bild: Zita Meienhofer)

Zita Meienhofer

zita.meienhofer@wilerzeitung.ch

Sein Vater Walter spielte in der Musikgesellschaft Niederwil (MGN) und ist heute Fähnrich. Seine Schwester Petra ist im Verein und für die Finanzen zuständig und bei seinem Götti Karl, der bereits seit mehr als Vierjahrzehnten Mitglied ist, hat er einen Teil seiner musikalischen Ausbildung bestritten. Für Joel Schönenberger war es schon früh klar, dass er auch einmal Mitglied der MGN werden möchte. Als Zwölfjähriger, als er bereits von Vereinsmitgliedern als Trompeter ausgebildet wurde, trat er dem Verein bei.

Noch eine halbe Stunde bis zu Konzertbeginn. Joel Schönenberger sitzt in der Garderobe, ist leicht nervös und sagt, dass er das vor jedem Auftritt sei, vor dem Auftritt am Unterhaltungsabend aber noch etwas mehr. Das ist der Anlass, auf den sich die Vereinsmitglieder rund zweieinhalb Monate intensiv vorbereitet haben, eineinhalb Monate zweimal wöchentlich probten. Für den gelernten Elektroinstallateur eine intensive Zeit, da er auch noch in einer Guggenmusik ist und im Fussballclub spielt. Intensiv aber nicht nur deshalb, intensiv auch, weil beim neuen Dirigent ein anderer Wind weht. «Christian Sutter fordert uns mit der Anzahl Stücke wie auch mit der Stückwahl», erklärt Joel Schönenberger, «er hat uns aber auch entsprechend vorbereitet». Für Schönenberger, als einer der jüngsten des Vereins, sind die Titel meist unbekannt. Er müsse sich deshalb viel mehr konzentrieren. Eine Passage, einen Takt, der nicht sitzt, vor dem er Respekt hat, gebe es jedoch nicht, sagt er. Nur etwas gibt es, das für die ihn und seine Vereinskollegen unbekannt ist, die Moderation. Diese übernimmt das Comedy-Duo Twin-Likes aus Galgenen. Geprobt haben Komiker und Musikanten noch nie gemeinsam. «Es ist auch für uns spannend, wie sie auf der Bühne agieren werden», sagt der 19-Jährige.

Wortspiele der Komiker und Sologesang

Der Saal in der Rössliwis-Halle in Niederwil ist am Freitagabend fast voll, der Vorhang noch nicht offen, im Hintergrund ist «The Rose» zu hören. Mit diesem Titel spielen sich die Musikantinnen und Musikanten ein. Dann geht es los. Ein strahlender Christian Sutter in schwarzem Anzug begibt sich zu seinem Korps, hebt den Dirigentenstab, «The Spirit of Youth» ein Titel von Goff Richards – einer der bevorzugten Komponisten des Dirigenten –, ertönt. Fulminant, mit nicht ganz einfachen Passagen, die schön interpretiert sind. Nun sind Twin-Likes an der Reihe, stehen erstmals auf der Bühne, noch etwas verhalten. Bald schmilzt das Eis zwischen Publikum und Komiker. Mit ihren Wortspielen und ihrem Witz gewinnen sie die Gunst der Zuhörerschaft.

Die Stückwahl ist vielfältig, darunter ist «Like a Child», jenen Titel, der die MGN an ihrem nächsten wichtigen Auftritt – am Kreismusiktag – spielen wird. Darunter ist auch «Pie Jesu» von Andrew Lloyd Webber. Mit diesem Vortrag hat der Verein Neuland betreten. Christian Sutter hat Yannis Keller, den Sohn eines Vereinsmitglieds, diesen Titel singen hören und beschlossen, das Stück so zu arrangieren, dass Sologesang und Blasmusik gut harmonieren. Das tat es auch, was der lang anhaltende Applaus des Publikums bestätigte.

Froh um die Pause, Erleichterung am Schluss

Der Vorhang fällt für das erste Mal. Joel Schönenberger ist während der Pause als Lösliverkäufer unterwegs. Seine Löslikiste ist schnell leer. Zum Konzert sagt er: «Es ist gut gelaufen, die heiklen hohen Stellen – ja, es gibt sie doch – die haben wir gut gemeistert.» Er sei dann aber froh gewesen um die Pause, da das Programm die Musikantinnen und Musikanten fordere. Mit einem Marsch, «Kaiserin Sissi», endete der erste Programmteil, mit einem Marsch, «St.Louis Blues-Marsch» beginnt der zweite Teil. Wieder erscheint der Dirigent charmant lächelnd – diesmal im weissen Anzug. Wieder ist Konzentration gefragt. Das gilt für das Flügelhorn-Register vor allem in «Buglers Holiday». Patrizia Romer, Stefan Manser, Simon und Felix Bernhardsgrütter sowie Stefan Wick begeistern, eine Zugabe wird verlangt.

Für Vereine besonders wichtig sind die langjährigen Mitglieder und die hat die Musikgesellschaft Niederwil. Für 35 Jahre aktives Musizieren ehrt Präsident Bernhard Wick Brigitte Eilinger – notabene als erste Frau des Vereins – und Ronald Keller. Beschwingt geht es weiter mit dem Hair-Musical-Hit «Good Morning Starshine» sowie «Tom Jones in Concert» und endet mit dem italienischen Bossanova «Quando, Quando, Quando». Nach knapp drei Stunden naht das Programmende. Das Publikum geizt nicht mit Applaus, das Konzert scheint zu begeistern. Das sagt auch Joel Schönenberger: «Das Programm ist gut angekommen, der Dirigent ist zufrieden und die Komiker haben auch gefallen. Die erste Hürde haben wir geschafft. Jetzt muss es nur am Samstagabend auch noch so gut laufen».

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