NIEDERWIL: Buhlen um Deponiestandort

Die Landbesitzer im Osten Niederwils bekamen in den vergangenen Monaten mehrmals Post. Absender waren Unternehmen, die Deponien errichten wollen. Vor Ostern lag ein weiteres Schreiben in den Briefkästen.

Zita Meienhofer
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Ein weiteres Unternehmen trifft Abklärungen, um in der Nähe des Weilers Weidhöchi in Niederwil – diesmal westlich – eine Deponie für sauberen Aushub zu realisieren. Es ist der fünfte Standort rund um diesen Weiler, der geprüft wird. (Bild: Dorthe Keller)

Ein weiteres Unternehmen trifft Abklärungen, um in der Nähe des Weilers Weidhöchi in Niederwil – diesmal westlich – eine Deponie für sauberen Aushub zu realisieren. Es ist der fünfte Standort rund um diesen Weiler, der geprüft wird. (Bild: Dorthe Keller)

Zita Meienhofer

zita.meienhofer@wilerzeitung.ch

Im Osten die Deponien Degenau West und Radmoos, im Norden die Deponie Nutzenbuech und im Westen die Deponie Zimmerwis. So würde sich die Situation der Bewohner des Weilers Weidhöchi in Niederwil präsentieren, falls alle diese Projekte in nächster Zeit realisiert werden würden. Im Herbst 2016 nahm die Resdag AG, St. Gallen, mit den Eigentümern von Degenau West erstmals Kontakt auf. Von den sechs Parzellen liegen vier auf dem Gemeindegebiet von Oberbüren. Im Sommer des vergangenen Jahres war es die Koch AG, Appenzell, die den Eigentümern der mehrheitlich bewaldeten Flächen im Nutzenbuech ihr Vorhaben präsentierte.

Kurz vor Ostern erhielten die Grundeigentümer des Gebiets Zimmerwis Post. Die Kibag Management AG, Zürich, will abklären, ob allenfalls auf diesen Parzellen sauberen Aushub deponiert werden kann. Der Standort Radmoos, der sich zwar auf Gossauer Gemeindegebiet befindet, wurde nun, trotz Protest des Gemeinderats Oberbüren, durch den Kanton im kantonalen Richtplan aufgenommen.

Gemeinderat und Regio Wil intervenierten beim Kanton

Diese vier sind jedoch nicht die einzigen Deponie- und Kiesabbauprojekte in und um Niederwil. Während beim grössten Vorhaben, dem Kiesabbau im Sonnenberg der Firma Holcim AG, noch nicht alle Unterlagen für eine öffentliche Auflage eingereicht wurden, ist das Projekt Ruetwis bewilligt. Mit den Vorarbeiten wurde kürzlich begonnen. Ende dieses Monats soll dann die Deponie der Arbeitsgemeinschaft Brunner Umweltservice AG, Flawil und Heinz Kaiser AG, Oberbüren, in Betrieb genommen werden.

Bereits im vergangenen Herbst tat der Oberbürer Gemeinderat seinen Unmut über die geplanten Vorhaben innerhalb kurzer Distanz bei den verantwortlichen kantonalen Stellen kund. Anfang Jahr forderte auch die Regio Wil vom Kanton St. Gallen, sowie vom Kanton Thurgau, eine integrative Planung der Deponien. Demnach soll die Deponieplanung als Teil der Siedlungs- und Landschaftsplanung verstanden werden ( www.regio-wil.ch , Rubrik News). Die Verantwortlichen des Kantons St. Gallen nahmen das Schreiben zur Kenntnis und wiesen darauf hin, dass im dicht besiedelten und durch intensive Bautätigkeit geprägten nördlichen Kantonsteil nur einige wenige Gebiete überhaupt für die Errichtung von Deponien in Frage kommen. «Diese konzentrieren sich auf die gut erschliessbaren Standorte zwischen Gossau und Wil».

Gemeinderat rechnet mit weiteren Anträgen

Alle Vorhaben sind Projekte von privater Seite. Bislang liefen bei Degenau West, Nutzenbuech und Zimmerwis nur Abklärungen zwischen den Firmen und den Grundeigentümern. Die Standorte sind nicht im Richtplan eingetragen. Zudem sind auch noch keine Projekte beim Gemeinderat Oberbüren eingereicht worden, wie es auf Anfrage heisst. Gemäss dem Oberbürer Gemeindepräsident Alexander Bommeli rechnet der Gemeinderat jedoch damit, dass in naher Zukunft Anträge für weitere Richtplaneinträge gestellt werden. «Der Eintrag im Richtplan ist matchentscheidend», sagt Alexander Bommeli. Denn, damit eine Deponie überhaupt bewilligt werden kann, muss seit 2016 der Standort im kantonalen Richtplan festgelegt sein.