NIEDERUZWIL/OBERBÜREN: Ein Dreckhaufen hat sich entwickelt

Der Natur- und Vogelschutzverein Uzwil (NVU) hat im Rahmen des internationalen Festivals der Natur zu einer Besichtigung der Aufwertungsfläche Augarten und nahen Auengebieten entlang der Glatt eingeladen. Auch historisch ist das Gebiet von Bedeutung.

Kathrin Meier-Gross
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Wissenswertes erfahren: Im Augarten ist ein ökologisch wertvoller Lebensraum entstanden. (Bild: Kathrin Meier-Gross)

Wissenswertes erfahren: Im Augarten ist ein ökologisch wertvoller Lebensraum entstanden. (Bild: Kathrin Meier-Gross)

NIEDERUZWIL/OBERBÜREN. Sanft schaukelt der kleine Bläuling auf dem gelben Hornklee. Nach einer kurzen Rast gaukelt das hellblaue Sommervögelchen mit weissem Rand zur nächsten Blüte. Drunten wuseln Ameisen und Käfer geschäftig hin und her. Weiter oben sind die Hügel dichter bewachsen. Rosafarbene Esparsetten und blauer Wiesensalbei sind für den Menschen ein Augen- und für die vielen Wildbienen ein Festschmaus.

Biodiversität fördern

Mit Staunen betrachten die Naturinteressierten, wie sich der aufgeschüttete Mergel-«Dreckhaufen» im Augarten innert weniger Jahre entwickelt hat. Jürg Kolb, Präsident des NVU, weist auf die Bedeutung der Biodiversität hin. Die grossflächige Bodenbearbeitung und der Einsatz chemischer Mittel haben schweizweit zu einer Verarmung der Fauna und Flora geführt. Strassen und andere Bauwerke verhindern die Vernetzung. Kleinstrukturen, seis im eigenen Garten oder die Aufwertungsfläche im Augarten, fördern die Biodiversität. Den Augarten schätzt auch der Biber. Die Frassspuren an der Weidenhecke zeugen davon. Wenn beim grossen Weidenbaum Äste abbrechen, bieten sich neue Nistmöglichkeiten für Höhlenbrüter wie Meisen, Kleiber oder Sperlinge.

Unter der Brücke des Autobahnzubringers hat sich ein Wasseramselpaar ein kugelig-moosiges Nest gebaut. Auf dem Wasserradar. Kleine Vögelchen gucken heraus. Elisabeth Burkhard zeigt auf zerzauste Tannzapfen unter einem Laubbaum: «Das ist eine Spechtschmiede. Spechte bringen die Zapfen und picken die Samen heraus». Als unüberwindbares Hindernis für Fische bezeichnet Kolb das Wehr vor der Buchentalbrücke. Flussaufwärts hat Pro Natura ein Auengebiet geformt. Kleine Vertiefungen füllen sich mit Wasser und bieten Amphibien Gelegenheit zum Laichen. Gehofft wird, dass sich Gelbbauchunke, Kreuzkröte und andere gefährdete Amphibien ansiedeln. Altholz- und Steinhaufen bieten weitere Strukturen für Insekten und Tiere. «Die Glatt ist ein Juwel, dem man Sorge tragen muss», sagt Jürg Kolb.

Heilende Wasser

Spannend ist das Gebiet auch aus historischer Sicht, sind doch am Rande des Auenwaldes alte Mauern zu sehen. Sie waren Teil der «Wasserheilanstalt Sanatorium Buchenthal». 1842 von Conrad Stierling gegründet, lockte die Anstalt Persönlichkeiten aus ganz Europa an. 1880 kaufte der Textilunternehmer Matthias Naef das Bad. Nach dem Vollbrand von 1911 wurde es nicht mehr aufgebaut.