NIEDERUZWIL: Wie in einer grossen Familie

Das Jugendhaus Kobelhöhe ist vor 60 Jahren erbaut worden. Es ist immer gut belegt. Seit 20 Jahren sind Theres und Bruno Buchschacher für den Betrieb verantwortlich.

Philipp Stutz
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Das Jugendhaus steht direkt am Waldrand auf der Kobelhöhe. (Bilder: Philipp Stutz)

Das Jugendhaus steht direkt am Waldrand auf der Kobelhöhe. (Bilder: Philipp Stutz)

Philipp Stutz

philipp.stutz@wilerzeitung.ch

«Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es.» Diese Worte prangen an der Westfassade des Jugendhauses. Sie stammen vom deutschen Schriftsteller Erich Kästner und sind Ausdruck seiner Moralphilosophie: Nur in unseren Handlungen zeige sich, ob wir gut seien oder nicht. Ein klares Plädoyer für Zivilcourage. Und ein Zitat, das unzähligen Jugendlichen, die in der Kobelhöhe logiert haben, in Erinnerung geblieben ist. Diese zeigen sich begeistert. Erst kürzlich haben 18 Jugendliche aus dem schwyzerischen Altendorf mit vier Leitpersonen und zwei Köchinnen in Niederuzwil ihr Lager verbracht. «Es ist super hier», zog Oberstufenschülerin Sabrina ein Fazit. Das Haus mit grosser Spielwiese sei «total lässig». Badi und Einkaufsmöglichkeiten befänden sich in der Nähe (Wiler Zeitung vom 24. Juli).

Viele der Gäste kommen gerne wieder

«Das Haus ist in Fronarbeit erstellt worden», erzählt Bruno Buchschacher, der mit Gattin Theres seit 20 Jahren für den Betrieb verantwortlich ist. Es eigne sich für Ferien-, Sport- und Musiklager, Schulverlegungswochen, aber auch für Seminare und Geburtstagsfeiern. Viele Besucher sind «Wiederholungstäter». Wie etwa ein Club aus Steinhausen oder die Junioren des EHC Uzwil, die regelmässig wiederkommen und guten Kontakt zum Verwalterehepaar pflegen. «Wir sind wie eine grosse Familie», sagt Theres Buchschacher. Sie und ihr Mann sind trotz grossen Engagements noch immer begeistert von ihrer Aufgabe. Und so verwundert es auch nicht, dass das Haus bereits für 2018 gut gebucht ist.

Anlage ist ständig modernisiert worden

«Wir schreiben schwarze Zahlen», sagt Bruno Buchschacher. Allfällige Gewinne würden ins Gebäude investiert. So ist die Küche mit Elektrokochherd, grossem Backofen, Wärmeschrank, Geschirrwasch- und Kaffeemaschine modern eingerichtet. Auch die sanitären Anlagen sind im Laufe der Jahre stetig erneuert worden und befinden sich in blitzblankem Zustand. Einiges aber ist in seinen Grundzügen erhalten geblieben, wie etwa die Durchreiche in der Küche. Das Jugendhaus bietet Platz für 50 Personen und umfasst ein Speise- und Aufenthaltszimmer sowie acht Schlafräume. Im Dachgeschoss, über eine steile Treppe erreichbar, befindet sich ein Massenlager mit 17 Schlafplätzen. Dort hat sich schon manche Kissenschlacht zugetragen.

Das Verwalterehepaar darf auf treue Helfer zählen. Doch die Mitgliederzahl des Jugendhaus-Trägervereins ist rückläufig. Die Ansprüche der Besucher sind grösser geworden. Doch bezüglich Wireless-Lan gibt man sich bewusst nicht «up to date». Das scheint angesichts des von Wald umgebenen Gebäudes auch nicht nötig. Die Natur bietet Abwechslung genug. Gleich neben dem Haus steht eine mächtige Eiche, die unter Schutz steht.

«Wir versuchen, auf alle Wünsche einzugehen, doch ein Hotel sind wir nicht», sagt Bruno Buchschacher. «Wir leben von Mund-zu-Mund-Propaganda», ergänzt Theres Buchschacher.Besucher aus der ganzen Schweiz kommen her, welche die Ostschweiz zuvor gar nicht gekannt hätten. «Einmal haben wir gar Gäste aus Neuseeland bei uns begrüssen dürfen.»