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NIEDERUZWIL: Unverkennbarer Trend zum Mittelmeerklima

Es wird zur Realität: Das Mittelmeerwetter dehnt sich mehr und mehr nach Norden aus, überquert die Alpen und sorgt auch in der Ostschweiz seit Jahrzehnten für zu warme Jahrestemperaturen. 2017 war es abermals zu warm.
Morgenfröste mit bis zu minus vier Grad setzten im April den Weinreben in der Region zu. (Archivbild: Reto Martin)

Morgenfröste mit bis zu minus vier Grad setzten im April den Weinreben in der Region zu. (Archivbild: Reto Martin)

Von 1988 bis heute liegen sämtliche Jahrestemperaturmittel zu hoch. Dies zeigen die Messdaten der Wetterstation Fürstenland von Meteotop in Niederuzwil. Die grösste Abweichung brachte das Jahr 1994 mit 2,1 Grad über dem langjährigen Mittel. Weniger spektakulär fiel der diesjährige Temperaturüberschuss aus. Mit einem Jahresmittel von 9,9 Grad macht er 0,9 Grad aus (Vergleich mit dem Mittelwert 1981-2010). Im Fürstenland war es im Sommer an 15 Tagen wärmer als 30 Grad. Diese Zahl wurde seit Messbeginn nur noch zweimal überschritten. Der Temperaturumfang reichte 2017 an der Wetterstation Fürstenland von -13 Grad im Januar bis 33 im Juni. Die Heizgradziffer ergab 3338 Grad.

Ende einer langen Trockenheit

Parallel zum immer wärmeren Klima gehen die Niederschläge zurück. Von August 2016 bis Oktober 2017 fielen die Niederschläge zu gering aus. In diesem Zeitraum fehlten rund 600 Liter Wasser pro Quadratmeter. Prekär wirkt sich dieses Defizit vor allem in der Vegetationsperiode des Sommerhalbjahres aus, wenn die Verdunstung aus dem Blattwerk besonders gross ist. Mit einem Total von 102 Zentimetern fehlten dem Jahresniederschlag noch 18 Prozent bis zum Normalwert. Seit 2002 sind die Jahressummen defizitär.

Werden die vergangenen drei Jahre, die ein paar Prozentchen zu wenig Sonnenschein brachten, einmal ausser Betracht gelassen, so zeigt sich auch hier ein Trend zum Mittelmeerklima. Denn von 1984 bis 2014 leistete die Sonne beachtliche Überstunden. Sie liess ihre Strahlen alljährlich deutlich länger als üblich auf uns herab scheinen. Auf den kältesten Januar seit 30 Jahren folgte der zweitwärmste März seit 250 Jahren. Dieser Umstand bewirkte ein deutlich zu frühes Austreiben der Vegetation, was ihr gegen Ende April zum Verhängnis wurde. Mehrere Tage stellten sich mässige Morgenfröste mit bis zu minus vier Grad ein. Weinreben, Kirschen und Obstbäume litten stark. Im Wallis wurde gar der Grossteil der Aprikosenernten vernichtet.

Weder Eisheiligen, noch weisse Weihnachten

Es ist zur Gewissheit geworden, dass auf die bekannteste Wetterregel der Eisheiligen kein Verlass mehr ist. Eine kühle Phase trifft um diese Zeit nur noch mit 20-prozentiger Wahrscheinlichkeit ein, und auch dann ohne Frost. In den vergangenen 40 Jahren stellte sich um die Zeit der Eisheiligen auf einer Meereshöhe bis 500 Metern nur einmal Frost ein. Auch die Schafskälte im Juni blieb auf der Strecke. Stattdessen wurde der zweitwärmste Juni seit über 260 Jahren registriert.

Der Altweibersommer im September, der Goldene Oktober und das Martinisömmerchen im November schenkten einen angenehmen Ausklang des warmen Mittelmeersommers. Auch dieses Jahr wurden bei vorfrühlingshaften Temperaturen grüne Weihnachten gefeiert. Schnee an Weihnachten im Unterland ist nur noch durchschnittlich jedes vierte Jahr zu erwarten. Die märchenhaften Sechzigerjahre mit bis zu 50 Zentimetern flauschigem Weiss sind definitiv Klimageschichte.

Christoph Frauenfelder

redaktion@wilerzeitung.ch

Hinweis

Der Autor ist Inhaber der Meteotop-Wetterstation Fürstenland in Niederuzwil.

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