NIEDERUZWIL: Pfarrhaus strahlt in alter Würde

Die Renovation des katholischen Pfarrhauses ist abgeschlossen. Die ursprüngliche Substanz der im Jahr 1875 erbauten Villa ist wieder ins rechte Licht gerückt worden.

Cecilia Hess-Lombriser
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Zügeltag: Die Pfarreisekretärinnen Béatrice Frischknecht und Patricia Osterwalder (von links) übernehmen das neue Büro. (Bilder: Cecilia Hess-Lombriser)

Zügeltag: Die Pfarreisekretärinnen Béatrice Frischknecht und Patricia Osterwalder (von links) übernehmen das neue Büro. (Bilder: Cecilia Hess-Lombriser)

Cecilia Hess-Lombriser

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Der Industrielle Johann Rudolf Moser-Naef würde sich freuen, wenn er heute sein Haus, in dem er von 1875 bis 1893 gewohnt und gearbeitet hatte, sehen würde. Nach rund neunmonatiger Renovationszeit ist der für Uzwil geschichtlich bedeutende Bau ein Bijou geworden. Innen und aussen ist darauf geachtet worden, den ursprünglichen Charakter zu bewahren und vor allem wieder zurückzuholen. Dort, wo Spannteppiche und Novilon-Beläge lagen, gefallen die ursprünglichen, handwerklich eindrücklich gearbeiteten Holzböden.

Klare Trennung der Räume im Parterre

Das Pfarrhaus steht unter Denkmalschutz, und wie Roland Lüthy, Kirchenverwaltungsrat und Mitglied der Baukommission auf einem Rundgang sagt, habe die Denkmalpflege bei der Farbwahl an der Fassade und im Inneren entscheidend mitgewirkt. Die RLC Architekten AG in Rheineck hat die Renovation geplant und die Arbeiten koordiniert. Fensterbänke, Fensterstürze und Friesen unterhalb der Fenster sind aus Sandstein. Spezialisten haben sie ausgebessert oder ersetzt.

Die ursprünglichen Fensterläden sind teilweise repariert und in einem leuchtenden Grün gestrichen worden. «Es brauchte besondere Mittel und mehr Einsatz, um die alte Farbe zu entfernen, was etwas mehr Kosten verursachte», informiert Lüthy. Im Parterre hat vor allem das Sekretariat eine deutliche Veränderung erfahren. Der Publikumsverkehr spielt sich nun im vorderen Teil ab, durch eine Glastüre getrennt von den rückwärtigen Arbeitsräumen der Seelsorgenden, dem Aufenthaltsraum und der Küche, wo auch das Kopiergerät steht. Rechts vom Eingang ist das eigentliche Sekretariat mit Wartezone und einer Theke; links davon, durch eine Glastüre und Glaswand abgeschirmt, ein Sitzungszimmer, wo beispielsweise auch Trauernde empfangen werden können. Sämtliche Fenster wurden ersetzt, wobei auf den ursprünglichen Stil geachtet worden ist, was sich auch in den Griffen zeigt. Im ersten Stock ist eine grosszügige Wohnung mit 210 Quadratmeter Fläche. Hier kamen schöne Holzböden zum Vorschein, die teilweise ersetzt werden mussten. In der Küche und im Badezimmer sind die Terazzoböden wieder zu sehen. Die grossen Wandkästen und das Wandtäfer sind frisch gestrichen worden, die Kücheneinrichtung ersetzt, ein neues Bad samt frei stehender Badewanne auf dem edlen Holzboden ist neu eingerichtet und ein zusätzliches Bad mit Duschkabine ist eingebaut worden. Waschmaschine und Tumbler stehen im ehemaligen WC. Im Treppenhaus zeigt sich die grosszügige Holztreppe ohne Teppich und aufgefrischt.

Entdeckungen während des Baus

Während des Baus sind drei Besonderheiten aufgetaucht. Hinter einer Wand ist ein Stück ehemalige dunkelbraune, strukturierte Textiltapete hervorgekommen, hinter einer Regalrückwand eine Türe mit aufgemalter Maserung, die neu lasiert den Blick auf sich zieht. Und schliesslich waren Zeitungen aus der Zeit um 1900 eine Entdeckung.«Es ist unglaublich, was aus dem Haus herausgeholt worden ist», freut sich die Kirchenverwaltung. «Die Kosten von 1,4 Millionen Franken konnten eingehalten werden», informiert sie. Wie viel die Denkmalpflege an die Renovation bezahlen wird, wird vermutlich erst im Sommer 2018 bekannt sein. Die Vermietung der Wohnung im ersten Stock ist bereits auf dem Weg.