Niederuzwil
«Mobbing war nicht im Spiel» – Pfarrer der Evangelischen Kirchgemeinde Niederuzwil geht nach einem Jahr

Der Weggang von Pfarrer Lars Heynen und die Kirchenmusik standen im Zentrum der Kirchbürgerversammlung von Evangelisch Niederuzwil.

Philipp Stutz
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Zurzeit ist völlig offen, wer dereinst das Pfarrhaus an der Kirchstrasse 5 bewohnen wird.

Zurzeit ist völlig offen, wer dereinst das Pfarrhaus an der Kirchstrasse 5 bewohnen wird.

Bild: Philipp Stutz
Pfarrer Lars Heynen

Pfarrer Lars Heynen

Bild: PD
Kirchenpräsident Valentin Arnold

Kirchenpräsident Valentin Arnold

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«Lars Heynen ist voraussichtlich ab August unser neuer Pfarrer», heisst es auf der Website der Evangelischen Kirchgemeinde Romanshorn-Salmsach. Eine Mitteilung, die bereits am 15. März veröffentlicht worden ist. Die Pfarrwahlkommission wird den 46-Jährigen bereits an der Rechnungsgemeinde vom 14. Juni zur Wahl als Pfarrer vorschlagen. Es ist vorgesehen, dass er das Seelsorgeteam ab dem 1. August vervollständigen und nach Romanshorn ziehen wird.

«Mit Bestürzung haben wir zur Kenntnis genommen, dass uns Pfarrer Lars Heynen Ende Juli verlassen wird», sagte Valentin Arnold, Präsident der Kirchenvorsteherschaft der Evangelischen Kirchgemeinde Niederuzwil, an der Bürgerversammlung vom Mittwoch. Er zeigte sich traurig, dass der Seelsorger nach nur einjähriger Tätigkeit die Kirchgemeinde bereits wieder verlässt. Man habe viele Gespräche geführt und Probleme zur Sprache gebracht. «Einiges konnten wir korrigieren, anderes nicht», betonte Arnold und gestand ein, dass Fehler begangen worden seien. Mit Verschiedenem habe sich der Pfarrer nicht identifizieren können, sagte der Kirchenpräsident, ohne auf Details einzugehen.

Nun soll die Lücke im Seelsorgeteam wieder geschlossen werden. Zu diesem Zweck wird eine Pfarrwahlkommission eingesetzt, die sich auf die Suche nach einem neuen Pfarrer machen wird.

An der Versammlung gab zudem Daniela Biteznik, Mitglied der Kirchenvorsteherschaft, ihren Rücktritt bekannt. Weil auch Hansruedi Knellwolf demissioniert hat, entsteht eine Doppelvakanz. Und weil Pfarrer Heynen für die Wahl in die Synode vorgesehen war, entsteht auch hier eine Vakanz. Die Frage nach möglichen Nachfolgern fand an der Kirchbürgerversammlung kein Echo.

An verschiedenen Stellen entstanden Reibungspunkte

«Die Absicht von mir und meiner Familie bestand ursprünglich darin, länger in Niederuzwil zu bleiben», sagte Lars Heynen. Auch die Kirchbürger hätten Erwartungen in ihn gesetzt. «Es tut mir leid, diese Hoffnungen nicht erfüllen zu können», betonte der Pfarrer und erwähnte strukturelle Probleme. Persönlich und menschlich hätten jedoch keine Meinungsverschiedenheiten bestanden. «Wir konnten miteinander reden, Mobbing war nicht im Spiel. Meine Arbeit machte mir Spass, und ich hatte das Gefühl, sie wurde mit Wohlwollen aufgenommen.»

Trotzdem seien an verschiedenen Stellen Reibungspunkte entstanden. Erschwerend seien vergangenes Jahr gesundheitliche Probleme hinzugekommen. «Es passte nicht mehr alles zusammen», gestand Heynen, «und ich hatte nicht den Eindruck, dass sich die Situation verbessert.» Als sich dann die Möglichkeit ergab, eine neue Stelle anzutreten, habe er schliesslich zugesagt.

Eine Kirchbürgerin sagte, durch die Kündigung des Pfarrers sei grosse Unsicherheit entstanden. Das sei umso bedauerlicher, als dass sich die beiden Pfarrer gut verstanden hätten, was in der Vergangenheit beileibe nicht immer der Fall gewesen sei. Sie plädierte für eine bessere Kommunikation. Unter anderem müssten die vielen Kirchenaustritte begründet werden.

Die meisten Kirchenaustritte erfolgten ohne Begründung, entgegnete Arnold. Er stellte auch den aus der Versammlung erhobenen Vorwurf des Mobbings in Abrede. Die Situation sei zurzeit für alle nicht einfach. «Wir müssen dazulernen.» Arnold entschuldigte sich im Namen der Kirchenvorsteherschaft für die zurzeit bestehende Misere. Denn trotz allem spüre er, dass der Kirchenvorsteherschaft Vertrauen entgegengebracht werde. «Das ermuntert uns, weiterzumachen.»

Populäre oder moderne Kirchenmusik?

Auch das Thema Kirchenmusik, das vor zwei Jahren hohe Wellen geworfen hatte, wurde gemäss einem Antrag wieder aufs Tapet gebracht. «Beide Richtungen haben ihre Berechtigung», betonte Arnold. Es sei nie zur Debatte gestanden, sie gegeneinander auszuspielen.

Heinz Herzog, Präsident des Kirchenchors, steht zur traditionellen Musik, zeigte sich aber auch offen gegenüber modernen Formen. Es habe sich einiges zum Guten gewendet. Trotzdem war Herzog nicht ganz zufrieden. Die Kirchenvorsteherschaft sei dem gestellten Antrag nicht richtig gefolgt. «Es müsste ein Verteilschlüssel gemacht werden», forderte er. Was vorliege, sei lediglich eine Absichtserklärung, die alles beinhalte. Herzog stellte weiter fest, dass die populäre Musik zurzeit überwiege.

Ein weiterer Votant regte an, als Ausgangsspiel auch mal ein Orgelstück erklingen zu lassen. Etwas deutlicher drückte sich eine Kirchbürgerin aus: «Ich höre lieber die Orgel als dieses Geklimper am E-Piano.»

Schliesslich stimmten die Kirchbürger dem Antrag der Kirchenvorsteherschaft zu. Demzufolge sollen die Musikrichtungen der traditionellen und populären Musik in den Gottesdiensten in einem ausreichenden Ausmass berücksichtigt werden.

Rechnung und Budget genehmigt

Ein Gewinn von 186'000 Franken

Kirchbürgerinnen und Kirchbürger genehmigten Jahresrechnung 2020 und Budget 2021 diskussionslos. Die Jahresrechnung schliesst mit einem Gewinn von 186'000 Franken. Zu diesem guten Ergebnis haben wesentlich die Kirchensteuern beigetragen, die 121'000 Franken über dem budgetierten Wert liegen. «Wir stehen finanziell gut da», sagte Kirchenpräsident Valentin Arnold. Der Gewinn wird für zusätzliche Abschreibungen am Kirchgemeindehaus verwendet (90'000 Franken). Für Reinigung und Risssanierung der Kirche werden 60'000 Franken zurückgestellt. 35'000 Franken werden für Internetverbindung und eine Videoanlage mit Kameras für Internetübertragung in der Kirche reserviert.

Im laufenden Jahr wird wegen des Covid-19-Einflusses mit weniger Steuereinnahmen gerechnet. Daher hat die Kirchenvorsteherschaft ein Defizit von rund 13'000 Franken budgetiert. Der Steuerfuss bleibt bei 25 Prozent. (stu)