NIEDERUZWIL: Kostbarkeiten am Wegrand

Das Seniorenorchester Uzwil unter der Leitung von Linus Kempter gestaltete gestern den Sonntagsgottesdienst der katholischen Kirche Nideruzwil. Die mit fünf Personen recht kleine Besetzung des Ensembles brachte Vorteile mit sich.

Carola Nadler
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Das Seniorenorchester Uzwil gestaltete den Sonntagsgottesdienst. (Bild: Carola Nadler)

Das Seniorenorchester Uzwil gestaltete den Sonntagsgottesdienst. (Bild: Carola Nadler)

Am gestrigen Sonntag klang bereits zur Vormittagsstunde Musik aus der Niederuzwiler Kirche. «Selige Geister» schwebten da bereits, «auf den Bergen und bei den Büschen», wie es im Libretto zu Christoph Willibald Glucks Oper «Orpheus und Eurydike» heisst, woraus dieser Reigen stammt. Diese Ballettmusik war Bestandteil des Gottesdienstes, der vom Seniorenorchester Uzwil gestaltet wurde. Dieses eher in kammermusikalischer Zusammensetzung musizierende Ensemble wird seit rund vier Jahren von Linus Kempter geleitet. Gegründet und über Jahre hinweg geleitet worden war das Orchester von Hans Bischofberger.

«Zum Teil stammen die Arrangements der Stücke noch von meinem Vorgänger», erklärte Kemptener die Besetzung des Ensembles aus zwei Violinen (Leonie Mäder, Urs Germann), Viola (Hans Hollenstein), Oboe (Rolf Kaufmann) und Klarinette (Albin Kempter). Zum Teil bearbeitet Linus Kempter die Stücke aber auch selber. Das heisst: Er verteilt die Stimmen der Partitur auf die verfügbaren Instrumente seines Ensembles. Er selbst begleitet dabei auf dem Klavier. Oder, wie gestern, auf der Orgel. Ganz im Stil der Ensembles früherer Zeiten bis zum 18. Jahrhundert, als der Leiter eines Orchesters noch von seinem Instrument aus die Einsätze gab.

Charaktere der Instrumente kamen zur Geltung

Diese kleine Besetzung ermöglicht einen transparenten Klang, ein Erleben des individuellen Charakters jedes einzelnen Instrumentes. So konnte beim Menuett aus Wolfgang Amadeus Mozarts Klarinetten-Quintett die Klarinette wunderbar herausgehört werden und im «Ave verum corpus» von Mozart erhob sich die Oboe mit der Melodie über die Begleitinstrumente. Des Weiteren stand zum Einzug ein Trumpet-Voluntary von Henry Purcell auf dem Programm, ebenso der Choral «Jauchzet dem Herrn alle Welt» von Heinrich Schütz. Als Gemeindelieder wurden unter anderem mit «Wohin soll ich mich wenden», dem Gloria sowie dem Sanctus mehrheitlich Teile aus Franz Schuberts «Deutsche Messe» gewählt.

Das Herz ansprechen lassen. Davon handelte auch die Predigt von Klaus Greminger. Ein reicher Händler hatte alles verkauft, um einen Acker zu erwerben, der ihm ins Auge gefallen war, wie das Evangelium berichtet. Gottfried Keller schrieb: «Man erlebt Kostbarkeiten am Wegrand, wenn man nur bereit ist, sie zu sehen.» «Unser flüchtige Blick hetzt oft von einem Ding zum anderen», sagte Greminger. «Fokussieren wir unseren Blick, kann das Gesehene direkt in unser Herz gehen, uns dort berühren, uns bereichern. Dann haben auch wir einen Schatz gefunden.» War man bereit, seine Wahrnehmung ganz auf das Orchester zu fokussieren, so erschlossen sich auch in diesem Gottesdienst Kostbarkeiten, die das Herz berührten.

Carola Nadler

redaktion@wilerzeitung.ch