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NIEDERUZWIL: «Fake» sind nicht nur die News

Er war Sportreporter, TV-Moderator und Showmaster, der «Schnurri der Nation», Beni Thurnheer. Jetzt schreibt er Bücher und tourt durch die Schweiz: Am Donnerstag las, plauderte und signierte er in Niederuzwil.
Andrea Häusler
Angenehme Pflicht am Ende der «Lesung»: das Signieren seines Buches. (Bild: Andrea Häusler)

Angenehme Pflicht am Ende der «Lesung»: das Signieren seines Buches. (Bild: Andrea Häusler)

Andrea Häusler

andrea.haeusler@wilerzeitung.ch

Jetzt wissen wir es: «Im Fernsehgeschäft herrscht ein hemmungsloses Trügen, Tricksen und Täuschen, es wird beliebig geschönt und geschummelt. Dem Zuschauer wird als Realität vorgesetzt, was Illusion ist. Wo und wie gefaked und gemogelt wird, ist unter anderem zwischen den Deckeln von Beni Thurnheers drittem Buch «Hauptsache, es flimmert» gelistet und erläutert. Sechs Jahrzehnte Fernsehgeschichte, gespickt mit Erlebnissen und persönlichen Erfahrungen, machen das Buch zur informativen und zugleich kurzweiligen Lektüre.

Insbesondere dann, wenn man den Autoren kennt. Und das tut (fast) jeder im Land – zumindest vom Radiohören oder Fernsehgucken. Im Wissen darob stellt sich «Beni National» dem Niederuzwiler Publikum betont locker vor: «Nennt mich Beni – ich bin ohnehin mit der ganzen Schweiz per Du.»

Dann blickt er schwadronierend zurück auf die Zeit, in der die Bilder laufen lernten, plaudert zuweilen aus dem Nähkästchen. Fakt ist: Fernsehen war im Hause Thurnheer verpönt. Die Grossmutter bangte um die Gesundheit der Enkel, der Vater befürchtete schlechtere schulische Leistungen. «Ich war 20, als wir das erste Fernsehgerät hatten», sagt Thurnheer. Das war 1969.

Kritisch war und blieb auch er. Der Radio- und Fernsehmann hatte bereits 250 «Tellstar»-Folgen moderiert und in «Benissimo» mehrere Millionen Franken verlost, als er 1995 feststellte: Das Fernsehen wird immer dümmer. Die Meinung habe er noch immer», sagt er und erntet zustimmendes Kopfnicken. Vielleicht steht ja deshalb im Wohnzimmer seines Sohnes kein Fernseher.

Den Quotenrenner «Benissimo» verbindet er mit Dummheit mutmasslich nicht. Aber die eingekauften Sendungen, die sich zunehmend auf den Mattscheiben breitgemacht hätten.

«Tellstar», «Benissimo» – Hunderte Male stand Beni Thurnheer mit den Stars des Musik- und Showbusiness im Scheinwerferlicht, kennen tut er aber die wenigsten. «Die Interviews in der Sendung machten die Hälfte der gemeinsamen Zeit aus.» Weggezappt hätten übrigens die Zuschauer stets dann, wenn auf der Bühne die neusten Songs promotet wurden. A propos Interview: Weshalb wird Fussballern nach dem Spiel stets die banale Frage nach ihrer Befindlichkeit gestellt? «Über die Spieler ist irgendwann fast alles bekannt, der Reporter braucht aber ein Statement. Da bleibt als Top-News nur das aktuelle Befinden.» Mit den ehemaligen Co-Kommentatoren der Sportsendungen verbinde ihn, ein freundschaftliches Verhältnis. Ausser im Fussball, da sind es Bekanntschaften: «So schnell wie der Ball ist, so volatil sind die Beziehungen.»

Beni Thurnheer und der Papst

Rund 120 Augenpaare sind nach wie vor gebannt auf die Bühne im evangelischen Kirchgemeindehaus gerichtet – trotz der vorgerückten Stunde. Das Publikum zeigt Interesse. Insbesondere für die Tricks der Fernsehmacher, die «Beni National» preisgibt. Dass Silvestersendungen im Herbst aufgezeichnet werden, ist kein Geheimnis. Aber die Geschichte mit der Papstwahl verblüfft: «Woher wissen die Korrespondenten auf den Balkonen vor Ort, wer gewählt worden ist? Aus dem Studio in Zürich. Das Bild ist Show.» Betretene Gesichter. Thurnheer grinst: Da ist noch die Sache mit den Einschaltquoten. «Wer nicht mit Zahlen brillieren kann, flüchtet sich ins Reich der Marktanteile und Prozente. Allerdings: 60 Prozent von wenig ist immer noch wenig.»

Die Zeiten, in denen Fernbedienung, die Allmacht über das heimische TV-Programm gab, sind vorbei. Fernsehen über Smartphone ist Alltag, die Konsequenzen des kommerziellen Fernsehens und des Internets wirken nach. Beni Thurnheer, der Jurist, der Fernsehkarriere machte, kennt die Seite des Konsumenten und des Radio- und Fernsehmanns. Sein Haupteindruck ist heute wie damals derselbe: «Hauptsache, es flimmert».

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