NIEDERUZWIL: Die Kirche braucht die Frauen

Die Bischöfin Christine Mayr-Lumetzberger aus Linz war Gast an einem Podium der Seelsorgeeinheit Uzwil. In der Diskussionsrunde ging es um die Gleichberechtigung der Frau in der katholischen Kirche.

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Das Anliegen ist breit: Die katholische Kirche soll die Frauen endlich wahrnehmen und als Gleichberechtigte mitwirken lassen. Zu diesem Thema organisierten Paul Gähwiler-Wick, Präsident des Kirchenverwaltungsrates Henau-Niederuzwil und Präsident des Katholischen Kollegiums, und Rolf Haag, pensionierter Pfarreileiter in Oberuzwil, ein Podium mit Personen, die sich trotz aller Widerstände in der Kirche engagieren.

Auslöser für das Podium war die Pilgergruppe gewesen, die vergangenes Jahr zu Fuss nach Rom marschierte, um darauf hinzuwirken, dass die Männer der Kirche mit den Frauen nachdenken und entscheiden sollen, und nicht über ihre Rolle bestimmen. Als prominenter Gast blickte Bischöfin Christine Mayr-Lumetzberger zu Beginn des Abends auf die Entwicklung der Frauenfrage in der katholischen Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil von 1962 bis 1965 zurück.

Damals hatte Aufbruchstimmung geherrscht. Es entstanden Frauensynoden, die Plattform «Wir sind Kirche» und ein Ausbildungsprogramm «Frauen für Weiheämter», damit die Frauen gerüstet gewesen wären, wenn der Tag der Weihe käme.

Er ist bis heute nicht gekommen. Bekanntlich haben sich im Jahr 2002 dennoch sieben Frauen auf einem Donauschiff zu Priesterinnen weihen lassen. Christine Mayr-Lumetzberger war eine von ihnen. Sie hat danach priesterliche Dienste ausgeführt und wurde exkommuniziert. Inzwischen ist sie zur Bischöfin geweiht worden. Sie bekennt sich noch heute zur katholischen Kirche, weil ihr der eigentliche Auftrag an der Basis wichtig ist. Sie will mit Menschen im Glauben und in der Liebe unterwegs sein.

Barbara Schmid-Federer, CVP-Nationalrätin aus dem Kanton Zürich, moderierte die Gespräche, die alle in eine Richtung zeigten: Die Frauen sollen endlich gleichberechtigt mit den Männern in der Kirche mitwirken dürfen und mitentscheiden. Die Moderatorin selber hatte im Vorfeld der Veranstaltung Drohbriefe erhalten und auch Christine Mayr-Lumetzberger kennt die Drohungen seit Jahren; trotzdem gab es auch im Publikum keine Gegenstimmen. So wurde der Abend zu einem Zeichen, dass es Menschen an vielen Orten ein Anliegen ist, dass sich die Kirchenlehre ändert, dass Kleriker Macht abgeben und sich der Basis zuwenden – zusammen mit den Frauen – dort, wo die Menschen mit ihren Anliegen leben und arbeiten. Als weitere Frauen, die aktiv in der Kirche sind, nahmen am Podium Anita Rothauge, Katechetin in Niederuzwil, und Simone Curau-Aepli, Präsidentin Schweizerischer Katholischer Frauenbund, teil.

Für die Ordination von Frauen

Vor einem Jahr ist Simone Curau gewählt worden. Sie sagte damals in einem Interview: «Ich bin für die Ordination von Frauen. Ich glaube aber auch an das allgemeine Priestertum: Wir alle sind berufen, unsere Charismen in die Kirche einzubringen. Persönlich fühle ich mich in meiner Tätigkeit als eine priesterlich wirkende Frau. Ich spüre, dass Frauen priesterlich wirken, auch wenn sie nicht den Segen der Kirche für dieses Amt haben.» «Wir sind längstens nicht da, wo wir sein wollen», sagte Martin Schmidt, Kirchenratspräsident der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St. Gallen, als einziger Mann in der Runde und meinte damit die Ordination von Frauen.

Er kann sich sogar eine Päpstin vorstellen, weil die Frauen an den gleichen Orten sein sollen wie die Männer. Als Praktikerin plädierte Anita Rothauge dafür, Pastoralassistentinnen und -assistenten zu ordinieren. «Es geht nicht ohne die Frauen. Es muss noch ein enormer Schritt getan werden. Wir sind da und bauen an einem starken Fundament mit», gab sie sich kämpferisch. «Ich verstehe die Arbeit in der Kirche als Dienst und nicht als Amt», sagte die Priesterin Christine Mayr-Lumetzberger, die für ihre Dienste in Gemeinschaften gerufen wird. Sie erfährt, wie Menschen nicht mehr von den offiziellen Seelsorgern betreut werden wollen. Sie ermuntert diese, sich trotzdem in der kirchlichen Gemeinschaft einzubringen.

«Es braucht Mut von allen. Es ist mehr möglich, als wir machen», sagte eine Stimme aus dem Publikum. Das Kirchenrecht müsse den Menschenrechten angepasst werden. «Es muss sich dringend etwas ändern, denn noch tragen die Frauen die Kirche, doch wenn sie davonlaufen, ist sie in Gefahr», waren andere Stellungnahmen an diesem engagierten Gesprächsabend.

Cecilia Hess-Lombriser

redaktion@wilerzeitung.ch