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NIEDERSTETTEN: Skandal-Postauto auf dem Wasser

Zum zehnten Mal nimmt die Gruppe «Postbeiz Algetshausen» am Mammut-Flossrennen teil. Sie erklärt ihr Motto «Bi üs got Post ab» und weshalb sie exakt den vierten Rang belegen möchte.
Angelina Donati
Wollen ihr Postauto übers Wasser gleiten lassen, von links: Reto Wild, Thomas Fraefel und Céline Mösli. (Bild: Angelina Donati)

Wollen ihr Postauto übers Wasser gleiten lassen, von links: Reto Wild, Thomas Fraefel und Céline Mösli. (Bild: Angelina Donati)

Angelina Donati

angelina.donati@wilerzeitung.ch

Täuschend echt präsentiert sich das Oldtimer-Postauto, das derzeit beim Dorfeingang von Niederstetten parkiert ist. Als würde es tatsächlich auf der Strasse fahren, ist es mit Pneus ausgestattet, verfügt über ein Horn und auch ein Nummernschild ist angebracht. Allerdings werden die Räder den Asphalt nie berühren, sondern vielmehr über das Wasser gleiten. Und das nur an einem einzigen Tag: am Mammut-Flossrennen am Sonntag, 27. Mai.

Dieser Tage geben die Macher ihrem Werk den letzten Schliff. Dass das Flossrennen aufgrund des Wetters nun doch nicht morgen Sonntag stattfindet, sondern um zwei Wochen verschoben wurde, macht für Captain Thomas Fraefel und seine Kollegen keinen grossen Unterschied. «Wir sind mit unseren Arbeiten bereits fertig.» Und das, obwohl bei der Gruppe «Postbeiz Algetshausen» so gut wie alles spontan über die Bühne geht. Genauso ad hoc war auch der Einsatz an diesem sonnigen Abend, zu dem sich lediglich Thomas Fraefel, Reto Wild und Céline Mösli trafen. Von den anderen sieben Teamkollegen fehlte jede Spur. «Das macht nichts», sagten sie unisono. Schliesslich lasse sich das Datum der ehrenamtlichen Tätigkeit nicht mit jeder anderen Verpflichtung vereinbaren.

Flussfahrt ist nicht ganz ungefährlich

Begonnen hat alles vor zehn Jahren. Als eine Gruppe von Kollegen die Idee hatte, sich am Flossrennen, das sich auf der Thur und Sitter ab Degenau über Sitterdorf nach Kradolf schlängelt, zu beteiligen. «Inzwischen hörten einige Leute auf, und es kamen neue hinzu. Mittlerweile setzt sich die Gruppe grösstenteils mit Kollegen von Kollegen zusammen», sagt Fraefel. Auch Frauen seien willkommen. So auch Céline Mösli, die sich auf ihre erste Fahrt riesig freut. «Jahrelang habe ich vom Ufer aus zugesehen und ich bin richtig gespannt, wie es sich auf der anderen Seite anfühlt.» Sie war es, die das Motto «Bi üs got Post ab» einbrachte und damit sofort alle Kollegen auf ihrer Seite hatte. Der Umzugswagen soll mit einem Augenzwinkern an den Postauto-Betrug mit den mysteriösen Umbuchungen erinnern. Dazu malte Céline Mösli das aus Holz konstruierte Fahrzeug im unverkennbaren Gelbton an und zauberte Geldsäcke mit Noten in die Fenster. Ausserdem fertigte sie für das Publikum haufenweise mit Schoggi und Guetzli gefüllte Päckli und Kuverts an. «Im Grunde genommen ist das Flossrennen wie ein Fastnachtsumzug auf dem Wasser.» Gerade wegen den herausfordernden Bedingungen auf dem Fluss sei die Teilnahme mit dem 1,5 Tonnen schweren Gefährt nicht ungefährlich, wie die drei Kollegen erzählen. An den Wehren in Sitterdorf, Bischofszell und Schönenberg-Kradolf kommt es zu spektakulären Passagen. «Das Ab- und Aufsteigen ist nicht Ohne», sagt Fraefel. «Diese brenzligen Situationen sind nicht zu unterschätzen.» Auch schon habe sich bei der Fahrt ein Kollege das Bein gebrochen. Und ein weiteres Mal wurde – wieder derselbe – bewusstlos und später sei eine Gehirnerschütterung diagnostiziert worden. «Wir sind auf die Sicherheit aber sehr bedacht», sagt Reto Wild.

Sobald die heiklen Stellen bewältigt sind, geht es nämlich äusserst friedlich zu und her. Vor allem auch die Zurufe und das Miteinbeziehen der Zuschauer machen den Tag auf dem Wasser so besonders. Mit dem vierten Rang wäre die Gruppe glücklich, konnte sie sich diesen schon dreimal sichern. Chancen auf das Podest malt sie sich hingegen keine aus: «Damit würde uns das schlechte Gewissen plagen», sagt Thomas Fraefel. «Andere Gruppen geben sich viel mehr Mühe mit ihrem Sujet. Wir hingegen haben nur einen viereckigen Klotz.» Dennoch flossen in das Skandal-Postauto bis zu 300 Stunden in die Arbeit und rund 1000 Franken in die Herstellung.

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