NIEDERSTETTEN: Der «Fladentag» war legendär

Der Parkplatz des Restaurants Landhaus soll mit einem Doppeleinfamilienhaus überbaut werden. Das Gasthaus wird umgebaut und künftig voraussichtlich als Wohnhaus genutzt.

Philipp Stutz
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Visiere deuten auf das Bauvorhaben auf dem Parkplatz des ehemaligen Restaurants Landhaus hin. (Bilder: Philipp Stutz)

Visiere deuten auf das Bauvorhaben auf dem Parkplatz des ehemaligen Restaurants Landhaus hin. (Bilder: Philipp Stutz)

Philipp Stutz

philipp.stutz@wilerzeitung.ch

Niederstetten hat seine ländliche Prägung bis heute bewahrt. Rund 140 Einwohner zählt das Dorf. Dazu kommen zwei Wirtschaften – die «Traube» und das «Landhaus». Während fast sechs Jahrzehnten hat Louise Fraefel das Restaurant Traube geführt, ehe sie sich in den Ruhestand begab. Neue Pächterin ist seit Mitte Mai dieses Jahres Daniela Dietiker («Wiler Zeitung» vom 1. Juni). Die Niederstetter sind froh, dass das Restaurant weitergeführt wird und sie dort weiterhin ihren Treffpunkt haben.

Neubau durch Einsprache blockiert

Anders präsentiert sich die Situa-tion beim Restaurant Landhaus. Es ist seit geraumer Zeit geschlossen. Und auf dem Parkplatz deuten Visiere auf ein Bauvorhaben hin. Die Schönenberger Architekten Immobilien GmbH aus Wil beabsichtigt, auf dem Areal ein Doppeleinfamilienhaus zu erstellen. «Das Gebäude wird im ländlichen Stil gebaut und Minergiestandard aufweisen», sagt Simon Schönenberger, Geschäftsführer der gleichnamigen Firma. Das Gesuchsverfahren laufe – das Bauvorhaben sei allerdings noch durch Einsprachen blockiert. Laut Francesco Rinaldo von der Bauverwaltung der Gemeinde Uzwil wird nach den Sommerferien über die Einsprache entschieden.

Das «Landhaus» ist an einen Handwerker aus der Region ­verkauft worden. Dieser will das Haus im Inneren umbauen und in den Obergeschossen zwei Dreieinhalb-Zimmer-Wohnungen und eine Dachwohnung erstellen. Die Tage des Restaurants dürften damit gezählt sein – aus dem Restaurant wird ein Wohnhaus.

Der FC Niederstetten verfügte im «Landhaus» über Umkleidekabinen und Duschen. Früher beherbergte das Restaurant auch eine Bäckerei. Davon zeugt noch heute ein Backofen aus dem Jahr 1896, wie Laurenz Wirth, ein «Ur-Niederstetter», erklärt. «Einerseits ist es schade, wenn das Restaurant nicht mehr weitergeführt wird», sagt Wirth. Doch aus ökonomischen Gründen sei es heute schwierig geworden, einen Gastwirtschaftsbetrieb rentabel zu betreiben. Der Strukturwandel habe der Gastronomie zugesetzt. Das «Landhaus», das auch über Gästezimmer verfügte, dürfte ums Jahr 1750 erbaut worden sein. Wirth erinnert sich an «Fladentage», an denen Gästen Käse- und Zwiebelfladen angeboten wurden. «Diese Tage waren legendär und äusserst beliebt», erinnert sich Laurenz Wirth.

Helene Hiltbrunner hat während zwanzig Jahren auf dem «Landhaus» gewirtet und den «Fladentag» ins Leben gerufen. Sie hatte das Lokal gepachtet. «Ich habe gerne dort gearbeitet und die meisten Gäste persönlich gekannt», erinnert sie sich. Das «Landhaus» sei ein Treffpunkt der Dorfbevölkerung gewesen, und auch die Vereine seien gerne eingekehrt. Vieles habe sich ­geändert. «Die Zeit bleibt nicht stehen», resümiert Helene Hiltbrunner, welche das «Landhaus» in guter Erinnerung behält. In den vergangenen Jahren erlebte das Restaurant dann mehrere Wirtewechsel, ehe der Betrieb eingestellt wurde.