Niederhelfenschwiler Stiftung sagt Gebärmutterhalskrebs in Tansania den Kampf an

In Tansania sterben Frauen oft an Gebärmutterhalskrebs. Die Screening-Aktion der Stiftung Endamarariek initiiert von Anja Hohl hat Erfolg.

Zita Meienhofer
Drucken
Teilen
Anja Hohl – deren Grosseltern Marie und Jakob Giger in Wil wohnen – mit den Mitarbeitenden im EMHC.

Anja Hohl – deren Grosseltern Marie und Jakob Giger in Wil wohnen – mit den Mitarbeitenden im EMHC.

Bild: PD

«Es war letztlich trotz einiger lokalpolitischer und personeller Konflikte ein sehr gutes Jahr», zieht Sales Huber, Niederhelfenschwil, Bilanz. Er spricht die Ereignisse im Endamarariek Health Center (EMHC) in Tansania an. Das Spital wird von der Stiftung Endamarariek mit Sitz in Niederhelfenschwil unterstützt. Diese finanziert das jährliche Defizit von rund 60 Prozent. «Mit wenig Geld konnten wir enorme Verbesserungen erreichen», so Huber. Die Patientenzahlen sind dank neuer tieferer Behandlungskosten – diese wurden den Staatsspitälern angepasst – unerwartet stark angestiegen.

Urs Germann (links) und Sales Huber, beide Ärzte im Ruhestand, besuchen oft das Health Center in Endamarariek. Auf dem Bild mit der Köchin Otilia.

Urs Germann (links) und Sales Huber, beide Ärzte im Ruhestand, besuchen oft das Health Center in Endamarariek. Auf dem Bild mit der Köchin Otilia.

Bild: PD

Eine zweite positive Wende bringt das neue Wasserprojekt. Eine Wasserleitung aus dem 20 Kilometer entfernten Regenwald wurde zwar vor rund 30 Jahren erstellt. Diese versiegt jedoch in der Trockenzeit. Dann muss das Waschwasser aus der Zisterne und das Trinkwasser mit Tanklastwagen zugeführt werden. Nach einer ergebnislosen Bohrung (finanziert durch eine Schweizer Stiftung) hat das Bohrunternehmen einen zweiten, kostenlosen Bohrversuch angeboten. Dieser war erfolgreich. Die Stiftung Endamarariek wird den Tank, die Anschlüsse und die Pumpe finanzieren.

Allerdings musste das Spital auch einige Tiefschläge hinnehmen. Einerseits die Entlassung des Master-Chirurgen, in den die Stiftungsmitglieder grosse Hoffnungen gesetzt hatten. Er brachte Unruhe ins Spital und in das Dorf. Anderseits war es der Unfall mit dem einzigen Ambulanzwagen. Die begleitende Mutter des kranken Kindes starb, der Wagen hatte Totalschaden.

Schweizer Hilfe gegen medizinische Unterversorgung in Tansania

Das Endamarariek Health Center im Norden Tansanias wurde in 1980er-Jahren von einer schweizerisch-katholischen Bruderschaft gegründet. Sales Huber, langjähriger Arzt in Niederhelfenschwil und heute im Ruhestand, besuchte damals zufällig die eben erbaute Klinik und beschloss, nach seiner Rückkehr der medizinischen Unterversorgung entgegenzuwirken. Er, seine Frau Marianne und der 3.-Welt-Verein Wittenbach unterstützten das EMHC und die Schulen auf privater Basis.

Im Jahr 2007 wurde dann die Stiftung Endamarariek gegründet. Dem Stiftungsrat gehören Marianne und Sales Huber, Urs Germann, Wil, Claudio Lehmann, St.Gallen, und Tanja Schadegg Müllhaupt, Wängi, an. Es bestehen enge Kontakte mit den 3.-Welt-Freunden Wittenbach, die jährlich einen grossen Spendenbeitrag leisten.

Ein Screeningzimmer im Endamarariek Health Center.

Ein Screeningzimmer im Endamarariek Health Center.

Bild: PD

Im Gesundheitszentrum sind nur Einheimische angestellt. Die Stiftung bietet einzig jungen Medizinstudentinnen und Medizinstudenten sowie Krankenschwestern aus der Schweiz die Möglichkeit, während eines oder zweier Monate dort ihr Wissen zu vertiefen. Reise und Unterkunft müssen sie selbst berappen.

Das Leistungsangebot des EMHC umfasst Basisversorgung in Geburtshilfe, allgemeiner Medizin, einfacher Chirurgie und Pädiatrie in einem Einzugsgebiet von rund 20000 Menschen. Gewisse Vorsorgeleistungen wie vorgeburtliche Vorsorgeuntersuchungen, Tuberkulose- und HIV-Impfungen und einige wichtige Medikamente stellt der Staat dem Spital gratis zur Verfügung.

Bis anhin fehlte eine Möglichkeit zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs – einer Krebsart, an der viele Tansanierinnen sterben. Die Stiftungsmitglieder hofften jedoch, diese fehlende Dienstleistung ebenfalls anbieten zu können. Der Zufall wollte es, dass sie auf die Berner Ärztin Anja Hohl stiessen, die sich dieser Arbeit annahm. Sie verfasst nun ihre Dissertation zum Thema «Aufbau und Dokumentation eines Screening-Programms im ländlichen Tansania».

Methode an «Humanitärem Kongress» in Berlin vorgestellt

«Anja Hohl war ein Glücksfall für uns», sagen Sales Huber und Urs Germann. Die beiden Ärzte im Ruhestand besuchen und kontrollieren regelmässig das Gesundheitszentrum in Endamarariek. Die Screening-Aktion für die Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs wurde 2018 erfolgreich gestartet und konnte 2019 ebenso erfolgreich weitergeführt werden. Anja Hohls Philosophie war, ein einfaches und effizientes System einzuführen, welches finanziell keinen grossen Aufwand mit sich bringt.

Sie entschied sich in Absprache mit dem Chirurgen in Endamarariek sowie der Uni Bern für den Essigsäuretest und die Behandlung mit Thermoablation. Vorerst hatte sie mit Ärzten und Hilfsorganisationen Kontakt aufgenommen, die ebenfalls diese einfache Methode anwenden. Anja Hohl wird das Programm weiterhin persönlich überprüfen und steht dauernd im Kontakt mit der einheimischen Verantwortlichen, die es mit weiteren Mitarbeitenden in Eigenverantwortung durchführt. «Es klappt ganz wunderbar», sagt die Schweizer Ärztin.

Anja Hohl ist es gelungen, viele Tansanierinnen der Region für das Screening zu motivieren: Rund 500 Frauen wurden 2018 in den Dörfern untersucht, bei 35 verdächtigen Patientinnen wurde gleichzeitig eine Thermoablation durchgeführt. Das sind 7,4 Prozent. Ein Wert, der dem Durchschnitt in Entwicklungsländern entspricht. Bei keiner Frau konnte eine fortgeschrittene Krebserkrankung festgestellt werden.

2019 weilte Anja Hohl wieder in Tansania, um den Fortschritt ihres Projekts zu beobachten. Die Screening-Aktionen, die viermal jährlich in verschiedenen Dörfern der Region stattfinden, konnten wegen starker Niederschläge nur dreimal durchgeführt werden. 411 Frauen wurden 2019 untersucht.

Erfreulich war für Anja Hohl, die als Assistenzärztin am Institut für Pathologie im Unispital Bern arbeitet, die Tatsache, dass sie die Methode am «Humanitären Kongress» in Berlin vorstellen konnte. Dort diskutieren zahlreiche Expertinnen und Experten aus Theorie und Praxis mit über 850 Teilnehmenden über aktuelle Herausforderungen der medizinischen und nichtmedizinischen Basishilfe.

Untersuchungen im Gesundheitszentrum und in den Dörfern

Anja Hohl, die inzwischen Swahili, die Sprache der Einheimischen, gelernt hat, berichtet auch von Schwierigkeiten, die das Massen-Screening mit sich brachte. Mitte 2019 stellte sie einen kurzen Einbruch der Untersuchungen fest. Woran das gelegen hatte, darüber kann die Schweizer Ärztin nur spekulieren. «Oft ist es das Unwissen über das Vorgehen des Screenings», sagt sie. «Ich habe aber auch von Gerüchten gehört, bei denen von einem schmerzhaften Untersuch die Rede war.»

Die Aufgabe des Teams an Ort sei es nun, noch mehr Aufklärung zu betreiben, die Frauen detaillierter zu informieren. Anja Hohl plant deshalb, mit Briefen an die örtlichen Kirchgemeinden aktiv zu werden, und allenfalls die Möglichkeit wahrzunehmen, Vorträge zu halten.

In diesem Jahr sollen wieder Massen-Screenings durchgeführt werden. Es ist geplant, im Gesundheitszentrum jede zweite Woche einen Tag für das Screening an Ort festzulegen. Anja Hohl ist sich dennoch bewusst, dass die Dörfer besucht werden müssen, denn die Strassen sind vor allem in der Regenzeit sehr schlecht. Für 20 Kilometer wird bis zu einer Stunde Fahrzeit benötigt. Die grösste Schwäche der Screening-Aktion ist die vollzählige Nachkontrolle jener Frauen, die eine positive Diagnose hatten und behandelt wurden. «Daran müssen wir arbeiten», sagt Anja Hohl.

Hinweis
www.endamarariek.ch