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NIEDERHELFENSCHWIL: Trolls Humor, Suters spitze Feder

Die Lesewanderung der Bibliothek Sproochbrugg führte zum Weiler Dägetschwil. Im Gepäck viele Geschichten von Thaddäus Troll und eine von Martin Suter – zur Erheiterung und zum Nachdenken.
Zita Meienhofer

Zita Meienhofer

zita.meienhofer@wilerzeitung.ch

Geschichten faszinieren. Geschichten zum Schmunzeln. ­Geschichten zum Sinnieren. ­Geschichten, die das Leben so schrieb. Thaddäus Troll und Martin Suter gehören zu jener Gattung, die es versteht, solche ­Geschichten zu schreiben. Alltägliche Geschichten. Skurrile Geschichten. Andreas Tylla hatte diese in seinen Rucksack gepackt und nahm sie sowie eine etwa 25-köpfige Schar mit auf die Lesewanderung von Niederhelfenschwils Dorfmitte Richtung ­Dägetschwil. Tylla, der eine Ausbildung als Märchenerzähler absolviert hat, hat seit der ersten Lesewanderung der Bibliothek Sproochbrugg die Rolle des Lesers, des Erzählers übernommen.

Ironie und Ernsthaftigkeit zwischen Sonne und Regen

Das satte Grün der umliegenden Wiesen und der schon auf Kopfhöhe gewachsenen Maispflanzen inspirierte Andreas Tylla wohl zur ersten Geschichte mit dem Titel «Lob des Gärtners». Er las vom friedlichen Gärtner mit grüner Schürze, der mit der nährenden Giesskanne, dem ordnenden Rechen, der lockernden Hacke, dem grundlichen Spaten, der zähmenden Gartenschere die Welt zu verschönern, zu kultivieren, das Paradies wiederherzustellen versucht. Der in seiner eigenen Welt lebt, nach seinen eigenen Regeln, seiner eigenen Perfektion seinen Garten hegt und pflegt. Wunderbar herrlich beschreibt Thaddäus Troll – mit bürgerlichem Name Hans Bayer, ein schwäbischer Mundartdichter und Schriftsteller – das Tun seines Protagonisten, fast prosaisch, humorvoll und witzig skizziert er die Tätigkeiten – und vergisst auch die typisch Troll’schen, zynischen Zwischentöne nicht.

Die Wanderung – oder der Spaziergang – führte zum Wald, der nun Schutz vor dem plötzlichen Nass von oben hätte bieten sollen. Andreas Tylla las von Bender, der in einem Fitnesscenter in die Pedale eines Crosstrainers tritt, der gedanklich ganz zufrieden ist mit sich selber. «Ergometer» von Martin Suter endet wie viele von seinen Geschichten: abrupt und ironisch – bei den Zuhörenden blieb sichtlich mehr als ein Lächeln zurück.

Das anfängliche Nieseln entwickelte sich zu Regen. Deshalb wurde die Lesewanderung verkürzt, die weiteren Geschichten wurden im Trockenen gelesen. Während Andreas Tylla vom geisteskranken Roboter las, der das Leben der Familie Dubelstein rosa färbte, wurde es dann auch am Himmel wieder bunter. Der Regen liess nach, die Sonne strahlte und es bildete sich ein Regenbogen.

Im Freien statt in geschlossenen Räumen

Seit 2009 lädt die Bibliothek Sproochbrugg zur Lesewanderung. Antonia Schmid, die Leiterin der Gemeinde- und Schulbibliothek, fand damals, dass Geschichten auch woanders als in geschlossenen Räumen erzählt werden könnten, eben während des Wanderns. Zu Beginn waren es Märchen, die erzählt wurden, einmal fand der Anlass im Dunkeln statt – mit «dunklen» Geschichten, an einem Muttertag waren es die Mütter, von denen die Geschichten handelten. Am Sonntag waren es vor allem Texte von Thaddäus Troll. Neben den bereits erwähnten las Andreas Tylla auch «Vom Schlafen», «Lob der Kurzsichtigkeit» und «Der himmlische Computer».

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