NIEDERBÜREN: Fertig mit «Lätsch» ziehen

Vor fünf Jahren glaubte kaum jemand an den Erfolg des Rock- & Pop-Museums. Nun empfing Gründer «Tschiibii» die 1000. Gruppe und überraschte die Besucher mit dem zum Leben erwachten Elvis.

Angelina Donati
Drucken
Teilen
Das muss natürlich auf dem Handy festgehalten werden: der Überraschungsbesuch von Elvis Presley. (Bilder: Angelina Donati)

Das muss natürlich auf dem Handy festgehalten werden: der Überraschungsbesuch von Elvis Presley. (Bilder: Angelina Donati)

Angelina Donati

angelina.donati

@wilerzeitung.ch

Die Liste ist endlos, ob Marvin Gaye, Rolling Stones oder Blues Brothers – «Tschiibii» hat sie alle. Seine Sammlung umfasst 7000 Unterschriften und 200 Awards, alles original versteht sich. Einen Ehrenplatz gebührt den 45 Platin- und Gold-Schallplatten der Beatles, die in den USA veröffentlicht wurden.

Fasziniert lauschen an diesem Morgen auch die Besucherinnen und Besucher den Erzählungen des Gründers des Rock- & Pop-Museums. Es ist eine Zusammenkunft von ehemaligen Primarschülern aus Rorschach mit dem Jahrgang 1952. «Bis jetzt wurde noch kein einziges Musikstück gespielt, das wir nicht kennen», erzählt Paul Müller, der den Besuch nach Niederbüren organisiert hat. Da werden Erinnerungen wachgerufen. Dass «Tschiibii» zwischen den Erzählungen gerne Videos der Künstler einblendet, freut Müller ganz besonders: «Früher hatten wir keinen Fernseher und konnten uns die Künstler darum nur auf Platten anhören.» Ohnehin erzählt «Tschiibii» von vielen Anekdoten der Musiker, die den einen oder anderen zum Staunen bringen. So hat denn Paul Müller nach dem Museumsbesuch einen ganz anderen Eindruck vom damaligen Frauenschwarm Tom Jones. Denn den Männern war dieser sozusagen ein Dorn im Auge.

Eine kleine Gemeinde plötzlich ganz gross

Wie eine erste Einschätzung täuschen kann, musste auch Roland Grossenbacher alias «Tschiibii» am eigenen Leib erfahren. Schon lange Zeit geisterte in seinen Gedanken die Idee, mit seiner umfassenden Sammlung ein Museum zu eröffnen. Nebst seiner Frau Uschy und ein paar engen Vertrauten wollte allerdings niemand daran glauben. «Viele dachten, dass ich ein Spinner bin», sagt «Tschiibii». Er liess sich davon nicht beirren und hielt an seinen Plänen fest. «Einfach war es aber natürlich ganz und gar nicht.»

Als grosse Herausforderung darf auch der Umbau der einstigen Textilfabrik-Räume bezeichnet werden. Bei der ersten Besichtigung ging «Tschiibii» richtig ‹der Laden runter›, wie er heute lachend erzählen kann. Nur dank grossem Eifer und einer noch grossartigeren Unterstützung zahlreicher Helfer präsentiert sich das Museum heute so, wie es ist. «Über 1000 Fronstunden wurden hier geleistet», sagt «Tschiibii». Unterstützung und Wohlwollen durfte er von Beginn weg von Niklaus Hollenstein, dem Gemeindepräsidenten von Niederbüren, erfahren. Dieser ist begeistert von der Art und Weise, wie das Museum geführt wird. Durch «Tschiibiis» Museum sei die kleine Gemeinde nun weit herum bekannt geworden und profitiere wirtschaftlich davon.

Nach wenigen Minuten wie verwandelt

Fünf Jahre sind nun vergangen, seit das Rock- & Pop-Museum eröffnet hat und Musikfans magisch anzieht. «In der Schweiz, ja in ganz Europa gibt es nichts Vergleichbares», sagt der Museumsgründer. Und er freut sich über seine begeisterten Besucher. «Hin und wieder kommt es vor, dass Leute in der Gruppe ohne Vorahnung mit einer ‹Zwanzg-ab-achti-Schnorre› zur Türe hereinkommen. Schon wenige Minuten später sind sie wie ausgewechselt und haben eine riesige Freude, wenn sie sich auf den Rundgang aufmachen», schwärmt «Tschiibii».

Dass gleichzeitig zum Besuch der Gruppe aus Rorschach auch der Gemeindepräsident und die Zeitung eingeladen sind, hat seine Gründe. Genau heute kann ein spezielles Jubiläum gefeiert werden. Es ist die 1000. Gruppe, die «Tschiibii» und sein Team empfängt. «Natürlich haben wir eine Überraschung für euch», sagt er und die Besucher trauen ihren Augen nicht: Plötzlich steht der zum Leben erwachte Elvis Presley vor ihnen. «Er lebt eben doch noch», sagt ein Gast augenzwinkernd. Der Elvis-Imitator Marcus C. Held kommt aus St. Gallen und hat sich einen Namen in der Schweiz und auch in Florida gemacht. Für sein Publikum im Rock- & Pop-Museum singt er die berühmten Balladen und rockt die Bühne. Den Besuchern gefällt es: Sie klatschen, wippen mit den Füssen und halten die Legende mit Fotos und Filmen mit ihrem Handy fest. Und auch nach mehreren Stunden, die sie schon im Museum verbracht haben, scheinen sie nicht genug zu haben.