Niederbüren: Eine Gemeinde schert nach rechts aus

Bei Abstimmungen und Wahlen fällt Niederbüren regelmässig als rechts-konservativ auf. Es gibt aber vereinzelte Ausnahmen.

Gianni Amstutz
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Stimmen die Niederbürer ab, so vertreten sie oft rechts-konservative Haltungen.

Stimmen die Niederbürer ab, so vertreten sie oft rechts-konservative Haltungen.

Bild: Christoph Imseng

Niederbüren: Die rechts-konservativste Gemeinde des Kantons St.Gallen? Wer sich die Wahlresultate vom Sonntag anschaut, müsste diese Frage mit Ja beantworten. Laura Bucher, frischgewählte SP-Regierungsrätin, konnte in dieser Gemeinde nicht punkten. Nicht einmal jeder dritte Niederbürer kreuzte sie auf seinem Wahlzettel an. 28,44 Prozent gaben ihr die Stimme.

Deutlich war der Zuspruch hingegen für SVP-Kandidat Michael Götte. 71,8 Prozent der Niederbürer votierten für ihn: der höchste Wert im ganzen Kanton. Einzige Ausnahme war die Gemeinde Tübach (74,8 Prozent), wo Götte als Gemeindepräsident Heimvorteil hatte.

Eine typische Landgemeinde?

Dass ländliche Gemeinden eher konservativ abstimmen und wählen, verwundert wenig und ist nicht nur im ohnehin bürgerlich geprägten Kanton St.Gallen eine Tatsache.

Hinzu kommt, dass Regierungsratswahlen immer auch Personenwahlen sind. Aus Laura Buchers schlechtem Abschneiden und Michael Göttes Glanzresultat zu schliessen, dass Niederbüren eine SVP-Hochburg ist, wird der Sache aber nicht gerecht.

Die Geschichte zeigt ein klares Muster

Auffallend ist aber, dass der vergangene Wahlsonntag keine Ausnahme bildet. Bereits in der Vergangenheit fiel die Gemeinde Niederbüren durch ihr Abstimmungsverhalten auf.

Jüngstes Beispiel ist die Abstimmung über die Erweiterung der Anti-Rassismus-Strafnorm. Dabei ging es darum, den Schutz vor Diskriminierung auch auf die sexuelle Orientierung auszuweiten. Die SVP stellte sich damals im Abstimmungskampf gegen die Vorlage – und die Niederbürer folgten ihr. 62,75 Prozent legten ein Nein in die Urne. Damit belegte Niederbüren die Spitzenposition des Nein-Lagers im Kanton St.Gallen.

Ein ähnliches Bild beim Klanghaus

Ein weiteres Beispiel: Der Bau des Klanghauses Toggenburg war über alle Parteien im Kantonsrat unbestritten. Alle? Nicht ganz. Die SVP lehnte die Vorlage mehrheitlich ab. Bei der Volksabstimmung im Juni 2019  – man ahnt es – resultierte in Niederbüren ein deutliches Nein mit einem Anteil von 61,48 Prozent. Für die Spitzenposition reichte es damals nicht, Rüthi und St.Margrethen stimmten noch deutlicher gegen das Klanghaus Toggenburg.

Ein ähnliches Bild bei der Abstimmung über die erleichterte Einbürgerung für Ausländer der dritten Generation im Februar 2017. Niederbüren hatte hierbei immerhin noch den höchsten Nein-Anteil in der gesamten Region Fürstenland.

Trotzdem keine reine SVP-Hochburg

Ist Niederbüren also nicht bloss rechts-konservativ, sondern eine SVP-Hochburg? Ländlich-bürgerlich käme der Wahrheit wohl näher. So lehnten die Niederbürer die SVP-Selbstbestimmungsinitiative beispielsweise ab, wenn mit 52,54 Prozent auch am wenigsten deutlich von allen Gemeinden des Wahlkreises Wil. Auch die No-Billag-Initiative fand hier keine Mehrheit – wie in allen anderen Gemeinden des Kantons.

Bei Wahlen ist die SVP zwar klar stärkste Kraft in Niederbüren, das ist im Kanton St.Gallen aber ohnehin die Regel. Auch CVP und FDP schneiden in Niederbüren respektabel bis gut ab. Immerhin erzielte auch der neue FDP-Regierungsrat Beat Tinner am Sonntag 64,8 Prozent der Stimmen in Niederbüren.

Grün nur die Wiesen, rot nur die Schweizerfahnen

Keine Hoffnungen auf viel Stimmen können sich linke Parteien jeweils machen. Denn grün sind in Niederbüren einzig die Wiesen rund um die Bauernhöfe, rot nur die Schweizerfahnen, die in so manchem Garten im Wind flattern.

Politisch weht in der Gemeinde hingegen ein anderer Wind. SP und Grüne brachten es bei den Nationalratswahlen im vergangenen Herbst nur auf knapp acht Prozent Wähleranteil – wohlgemerkt zusammen.