NIEDERBÜREN: 450 Flaschen vom Kirchenhügel

Die Trauben sind gelesen. 306 Kilogramm haben die 385 Weinstöcke im Rebberg St. Michael unterhalb der Dorfkirche hergegeben. Der Ertrag verspricht rund 450 Flaschen Cabernet Jura im nächsten Jahr.

Andrea Häusler
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Der Wimmet im Rebberg St. Michael ist jeweils ein gesellschaftlicher Anlass des Vereins Weinfreunde Niederbüren und gleichzeitig ein Familienereignis. (Bilder: PD)

Der Wimmet im Rebberg St. Michael ist jeweils ein gesellschaftlicher Anlass des Vereins Weinfreunde Niederbüren und gleichzeitig ein Familienereignis. (Bilder: PD)

Andrea Häusler

andrea.haeusler@wilerzeitung.ch

Es ist ein kleiner, beschaulicher Rebberg, der sich südwestlich der St. Michaelskirche über den Kirchenhügel zieht. Entstanden ist er 2011 aus der Not. Nachdem die Tannen, die das abfallende Terrain gefestigt hatten, gefällt werden mussten und alternative Massnahmen gegen die Erosion des Bodens gefragt waren.

Mit den 385 Rebstöcken ist das rund 1000 Quadratmeter grosse Grundstück voll belegt, sagt Rebwart Richard Holen­stein, der das Projekt als damaliger Kirchenpräsident mitinitiierte und auch Einsitz hat im Verein «Weinfreunde Niederbüren». 256 Reben gehören privaten Eigentümern, die sich, im Sinne eines Sponsorings, einst einen oder mehrere Stöcke gesichert hatten. 100 stehen im Besitz der Kirche, der Rest in dem des Vereins, in dem 165 «Weinfreunde» Mitglied sind.

Warmer Sommer dürfte bis 82 Oechslegrad bringen

Eben wurden der Wein gelesen. Rund siebzig Personen hatten sich die Arbeit draussen in der Natur geteilt, die Ruhe, die Gemeinschaft und die Geselligkeit genossen. Der Ertrag darf sich sehen lassen. 306 Kilogramm Trauben der Sorte Cabernet Jura hat der Rebberg – trotz der Frostperiode im Frühjahr – hergegeben: «Den zweithöchsten seit Bestehen des Weinbergs», wie Richard Holenstein sagt. Besser sei nur das Weinjahr 2015 gewesen. Damals habe die Ernte 365 Kilogramm eingebracht. Während es im Vorjahr noch lediglich 180 Kilogramm und, 2016, 285 Kilogramm gewesen seien.

Mit Erträgen dieser Grössenordnung werden sich die Niederbürer Weinfreunde langfristig aber kaum zufriedengeben müssen. Auch nicht mit der derzeitigen Qualität. «Je älter der Stock wird, desto geschmeidiger und besser wird der Wein», weiss Richard Holenstein. Beim Cabernet Jura lieferten 11- bis 15-jährige Reben den höchsten Ertrag und die beste Qualität. Obwohl der Wein vom St. Michaelsberg heute schon recht gut abschneide, wie er sich von anderen Rebbauern bei einer Degustation habe attestieren lassen dürfen. Auf 78 Oechslegrad (Zuckergehalt im Traubenmost) habe es der Jahrgang 2016 gebracht. Beim 2017er-Wein rechnet Holenstein aufgrund des warmen Sommers mit 80 bis 82.

Wein gelangt nicht in den Verkauf

Die Trauben wurden bereits dem Kelterungsbetrieb Schmid Wetli in Berneck zugeführt. Rund 450 Flaschen Wein erwartet Richard Holenstein: «Wir lassen Halbliterflaschen abfüllen – das sieht nach etwas mehr aus», sagt er schmunzelnd. In den Verkauf gelangen diese nicht. Der Wein wird unter den Mitgliedern gemäss ihren Rebstockanteilen und dem Arbeitseinsatz verteilt. Allerdings nur für zehn Jahre. Dann gehen die Rebstöcke in den Besitz der Vereins über. So wollen es die Statuten. Ausserdem erhält die Kirche als Grundeigentümerin und Darlehensgeberin jeweils ihren Anteil. Der Rest wird an bestimmten Anlässen wie dem Kirchenfest ausgeschenkt oder anderweitig verteilt.

Aufbessern des Bodens

Man lernt, über das Fachwissen aus dem Weinbaukurs an der Landwirtschaftlichen Schule Salez hinaus, immer Neues dazu, sagt Richard Holenstein nach dem fünften Wimmet. Unter anderem habe man festgestellt, dass die Bodenqualität – aufgrund der Aufschüttung – nicht überall exakt gleich ist. Da gibt es Ecken, die mit Rindermist aufgebessert werden müssen.