Niculìn hat's wieder vermasselt

Das Bündner Multitalent Flurin Caviezel erklärte am Freitag in der «Spurbar» mit einem Augenzwinkern die Welt aus Sicht eines besserwisserischen Machos. In seinem neuen Programm behauptet er keck: «S'isch doch asò!»

Kathirn Meier-Gross
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Kehrt im Programm «S'isch doch asò» den besserwisserischen Macho hervor. Flurin Caviezel, Kabarettist und Musikant. (Bilder: Kathrin Meier-Gross)

Kehrt im Programm «S'isch doch asò» den besserwisserischen Macho hervor. Flurin Caviezel, Kabarettist und Musikant. (Bilder: Kathrin Meier-Gross)

FLAWIL. Exakt sieben Jahre sind vergangen, seit Caviezels letztem Auftritt in der «Spurbar» im Pfarreizentrum von Flawil. Der Mann mit dem roten Hemd und den gleichfarbigen Lackschuhen wird mit herzlichem Applaus begrüsst. Die sympathische Stimme, die eine Zeit lang im Schweizer Radio pointiert Morgengeschichten erzählt hatte, stösst auf viel positive Resonanz.

VBS - viriles Bildungssystem

«Händ Sie än guätä Tag gha oder än verschissnä?» – Caviezel, umgeben von über einem Dutzend Instrumentenkoffern, redet bereits im ersten Lied Klartext. «S'isch doch asò, simmer doch froh!» Niculìn, den Morgengeschichten-Hörende als Freund von Caviezel kennen, lässt per Handy mitteilen, dass er sich verfahren habe und sich darum sein Einsatz als Kontrabassist etwas verzögere. Kein Problem für den Mann auf der Bühne. So kann er ohne Widerspruch sein radikales Schulsystem, das VBS, erklären. VBS, Kürzel für viriles Bildungssystem, würde glattwegs die Kosten halbieren, weil nur die Buben zur Schule dürften. Wenn die Frauen zu Hause blieben, bräuchte es keine Fremdbetreuung, keine Spitex, es gäbe keine Lohnungleichheiten und kaum Scheidungen.

«Aber ehrlich: Ich habe nichts gegen Frauen, das sind auch Menschen. S'isch doch asò!», beteuert der Macho und greift zum Bandoneon. Der Tango «Adios Muchachos» wechselt in einen Schottisch. Polka, Mazurka, Walzer oder Ländler, gespielt auf einem Miniaturhandörgeli, lassen Caviezels musikalische Vielseitigkeit erahnen.

Pommes de Fritz

Als Gehirnproband der ETH hat er sich ausgiebig mit den grauen Zellen befasst. Die linke (SP) Hirnhälfte steht für Rationalität, die rechte (SVP) für Emotionen. Musizieren hilft beim Verknüpfen der Nervenzellen. Und jetzt ist Caviezel definitiv bei der Politik angelangt. «Musikalische Bundesräte sind gut. Leuthard spielt sogar mit ihren Augen.» Worte charmant verdrehend, erklärt er den Röschtigraben. Und wie Bauer Fritz es fertiggebracht hat, dass die Franzosen die «Pommes de Fritz» nach ihm benannt haben. Anhand von fünf melodiös anzuhörenden «Kleinst-Schnuregiigeli» weist Caviezel auf die Vielfalt der fünf Idiome der vierten Landessprache hin. Die grosse Mundharmonika, Symbol für das am 9. Oktober 1982 geborene Retortenkind mit dem Namen Rumantsch Grischun, tönt schrecklich. Fazit: Die Schweiz hat neun Landessprachen.

«S'isch doch asò!»

Dank Caviezel ist nun endlich bekannt, dass 1291 eigentlich vier Herren am Rütlischwur beteiligt gewesen waren. Der Bündner sei leider zu spät gekommen. Als er kurz darauf die drei Kollegen gefunden habe, sei der Schwur nachgeholt worden, was aber von der Geschichtsschreibung ignoriert werde. Die Geschichte der Rätoromanen reiche jedoch viel weiter zurück. Der Kabarettist sagt nur ein Wort: «Rom-anisch!»

Virtuoser Musiker

Niculìn ist immer noch nicht aufgetaucht. Caviezel zückt das Handy und liest: «Warte im «Landhaus». Kommst du bald?» Niculìn hat's wieder vermasselt! Dafür zieht sein Freund nochmals alle Register. Von der Balalaika über das Campingklavier bis hin zum Alphorn reicht das Instrumente-Repertoire. Caviezel ist ein virtuoser Musiker. Sidney Bechet's «Petite Fleur» – «romanisch Flurin» – auf der Klarinette als letzte Zugabe gespielt, unterstreicht diese Behauptung. S'isch doch asò…

Mit der Balalaika in der Hand erklärt Caviezel die russische Sprache zum Rumantsch-Idiom. (Bild: Picasa)

Mit der Balalaika in der Hand erklärt Caviezel die russische Sprache zum Rumantsch-Idiom. (Bild: Picasa)

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