Nicola Spirig auf dem endlosen Weg «from good to better»

Ambitionen, eiserne Disziplin, eine akribische Planung und die richtige Strategie: So werden grosse Ziele erreicht – nicht nur im Sport. Am «Raiffeisen»-Frauenanlass vom Donnerstag gewährte Triathlon-Olympiasiegerin Nicola Spirig Einblick in ihr «volles Leben».

Andrea Häusler
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Wichtiger als der Sport ist Nicola Spirig die Familie: Ehemann Reto Hug, Sohnemann Yannis (Bild) und Töchterchen Malea. (Bild: Andrea Häusler)

Wichtiger als der Sport ist Nicola Spirig die Familie: Ehemann Reto Hug, Sohnemann Yannis (Bild) und Töchterchen Malea. (Bild: Andrea Häusler)

«Die Freude am Sport ist nach wie vor da, der Ehrgeiz Grosses zu leisten ungebrochen», sagt Nicola Spirig. Man nimmt es ihr ab. Wenn die sechsfache Europameisterin, Olympia-Siegerin von London (2012) und Gewinnerin der Silbermedaille in Rio de Janeiro (2016) über ihren privaten und beruflichen Alltag spricht, erlischt nie das Leuchten in ihren Augen, umspielt stets ein Lächeln ihre Lippen. An letzteren hängen am Donnerstag im Flawiler Lindensaal über 300 Augenpaare. Die 36-jährige Spitzensportlerin vermag nicht nur im Wasser, auf dem Velo und der Laufstrecke zu begeistern, sondern versteht es gleichermassen, Menschen mit ihrer Ausstrahlung und ihrem Wissen zu faszinieren. Nicht ansatzweise lässt die Zürcherin durchschimmern, dass für sie der «Event» in Flawil eine Sponsoren-Verpflichtung ist. Die Vergleiche, die sie zwischen Sport und Investment zieht, wirken spontan und nachvollziehbar.

Als Dreifach-Mama nach Peking

Schnell wird klar: Nicola Spirig ist Profi in jeder Beziehung. Diesen Anspruch zu haben, bestätigt sie auch. Die Planung hat dabei einen zentralen Stellenwert: im Sport genauso wie im Privatleben. Wobei sie stets die aktuellen Umstände berücksichtigen und flexibel angepasst werden müsse. Sportlich sei die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele von 2012 eine ganz andere gewesen als jene auf die Wettkämpfe in Rio. Nicht nur, weil im Meer, nicht in einem See, geschwommen wurde. «2016 trat ich als Titelverteidigerin an, war Mutter geworden und hatte mir zudem die Hand gebrochen.» In Peking werde die Situation noch einmal anders sein. Auch deshalb, weil Nicola Spirig nach Yannis und Malea ihr drittes Kind erwartet und an den Spielen im Jahr 2020 Dreifach-Mama sein wird. «Es gibt Dinge, die sich beeinflussen lassen und solche, die einfach passieren», sagt die Athletin mit abgeschlossenem Jus-Studium. Ob und was sich aus neuen Situationen machen lässt, sei allein von einem Selbst abhängig.

Autoritärer Trainer und getauschte Rollen

Eine Medaille in Peking, an ihren fünften Olympischen Spielen, ist Spirigs erklärtes Ziel. «Wer im Spitzensport Erfolg haben will, muss seine Ziele hoch stecken und über lange Zeit eisern verfolgen, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten haben und bereit sein, das eigene Denken immer wieder in Frage zu stellen», sagte Nicola Spirig und ergänzte: «Jede von Ihnen kann mehr leisten, als Sie annehmen.» Wobei die mentale Stärke einer Sportlerin nur ein Mosaiksteinchen sei, eines, das gegen Ende eines Wettkampfs das Zünglein an der Waage spielen könne. Im Hinblick auf Peking stehe ihr noch viel Arbeit bevor. Dass sie diese trotz ihres «volleren Lebens», leisten kann, habe sie der breiten Unterstützung aus ihrem Umfeld zu danken: «Der Bereitschaft meines Mannes, die klassischen Rollen zu tauschen und für Haushalt und Kinder da zu sein, meinem kontroversen und autoritären Trainer Brett Sutton, der 2006 meinen (zu lieben) Vater als Coach ersetzt hat, aber auch der internationalen Trainingsgruppe.» Denn kein noch so talentierter Einzelsportler schaffe es ohne Team an einem grossen Event eine Medaille zu gewinnen.