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Nichts ist mehr wie früher

Einen geliebten Menschen zu verlieren, reisst eine Lücke ins Leben der Hinterbliebenen. Jeder muss seinen eigenen Weg finden, mit der Trauer umzugehen. Die Wiler Zeitung durfte mit zwei Betroffenen ein Gespräch führen.
Monique Stäger

WIL. «Ich trauere jeden Tag», sagt Markus Fust. Im Juni 2011 verunglückte seine damals elfjährige Tochter Isabel beim Spielen im Garten und erlitt tödliche Verletzungen. Seither ist alles anders. Die Lücke, die der Tod des Mädchens ins Leben der ganzen Familie gerissen hat, kann nicht geschlossen werden. «Isabel hat einen Platz in unserem Leben. Wir reden von ihr, wir lachen über sie und wir weinen um sie», erzählt der Vater und gibt mit dieser ehrlichen Antwort den Blick frei in seine Seele und sein Herz. «Wir wollen sie nicht verschweigen und nicht verdrängen.»

Familiengefüge verändert

Für Markus Fust ist der tragische Unfalltod seiner Tochter nicht der erste Schicksalsschlag im Leben. Vor 20 Jahren hatte er, ebenfalls durch einen Unfall, seinen Vater verloren. «Aber das war anders. Der Tod meines Vaters hat mir ein Stück Vergangenheit genommen, das konnte ich verarbeiten. Durch Isabels Tod haben wir ein Stück Zukunft verloren.»

Damals sei das ganze Familiengefüge durcheinander geraten, die zehnjährige Tochter Melanie wurde plötzlich zur ältesten und einzigen geschwisterlichen Bezugsperson für den damals achtjährigen Gregor. Doch die Familie musste lernen, den Verlust zu akzeptieren und mit der Trauer umzugehen. «Wir müssen lernen, wieder Freude zu empfinden und zu lachen.» Wie man das lernen kann? «Mit Selbstdisziplin, ohne Selbstmitleid zu haben und indem man seine Verantwortung wahrnimmt», erklärt Markus Fust. «Kinder trauern anders als Erwachsene. Sie weinen, sind traurig und können kurze Zeit später lachen. Unsere Kinder haben uns das vorgemacht und wir haben es ihnen in winzigen Schritten abgeschaut, Tag für Tag ein kleines bisschen mehr», erklärt Markus Fust. «Isabel hat ihren Platz in unserem Tag, genauso wie auch Melanie und Gregor. Es sind nicht nur Schmerzgefühle da, sondern wir halten uns fest an den schönen Erinnerungen.»

Austausch in kleinem Rahmen

Bei der Bewältigung der Trauer haben Gaby und Markus Fust Hilfe im Trauerseminar von André Böhning gefunden. In ihrer Gruppe waren noch andere Eltern, die um ein Kind trauerten. «Es hat uns geholfen, in einem kleinen und geschützten Rahmen mit Menschen sprechen zu können, die in einer ähnlichen emotionalen Verfassung gewesen sind. Wir haben gelernt, Gefühle wie Wut, Trauer, Hilflosigkeit, Angst und auch Schuldgefühle zu unterscheiden, zu akzeptieren und damit zu leben.» Es sei ihnen der Zugang zu Literatur geöffnet worden und sie hätten Bücher zu diesem Thema gelesen. Auch über den Glauben sei in diesen Kursen gesprochen worden. «Ich kann dieses Seminar jedem empfehlen», ist Markus Fust überzeugt.

Schuldgefühle hat der Vater heute keine mehr. «Ich weiss, dass wir alles getan haben, was wir konnten.» Doch Verlustängste bleiben zurück.

Wie lange die Trauerarbeit dauert, das kann er nicht sagen. Für ihn als Geschäftsleiter sei es hart gewesen, kurz nach der Beisetzung wieder in die Firma zurückzukehren und an die Arbeit zu denken. Aber er habe sich gezwungen, vor die Mitarbeitenden zu treten und Stärke zu zeigen. «Es war wichtig, dass das Team wusste: Es geht weiter, weiter mit unseren Visionen und Plänen.» Es habe gut getan, die Loyalität und das Mitgefühl der Mitarbeitenden und auch vom ganzen Umfeld, den Freunden und im Dorf zu spüren.

Zwiegespräche mit der Tochter

Die Zeit heilt Wunden, sagt der Volksmund. Markus Fust ist unsicher: «Ja, die Zeit mag helfen, doch die Heilung wird noch dauern.» Zum Tagesritual von Markus Fust gehören frühmorgendliche Besuche auf dem Grab seiner Tochter. Geht er allein hin, dann gehört diese Zeit nur ihm und Isabel. «Wenn ich dann mit ihr spreche, spüre ich, wie ich Kraft bekomme: Durch ihre Lebensfreude, ihren Charme, ihre Intensität, mit der sie gelebt hat.»

Der Garten wurde in der Zwischenzeit zwar umgestaltet, doch Isabels Zimmer ist noch unberührt. «Ein Blumensträusschen, das sie zwei Wochen vor dem Unfall bekommen hatte, liegt dort, ein Lollipop, ihre grossen Ohrringe – wir sind ganz einfach noch nicht so weit.»

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