Nicht zu alt für Raub und Sex

In der Tonhalle Wil waren Raub- und Diebstahldelikte angesagt. Erst liess sich das Publikum von der Polizei über Banküberfälle informieren, dann knisterte es auf der Bühne vor krimineller Energie und Erotik.

Beatrice Oesch
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Bei einem Banküberfall werden die alten Damen zu Opfern, bald danach zu Täterinnen. (Bild: Beatrice Oesch)

Bei einem Banküberfall werden die alten Damen zu Opfern, bald danach zu Täterinnen. (Bild: Beatrice Oesch)

WIL. Wozu Geldmangel führen kann, wurde am vergangenen Samstagabend in der Tonhalle gleich doppelt aufgezeigt. In der Krimikomödie «Jetzt oder nie – Zeit ist Geld» zeigten drei von krimineller Energie sprühende alte Damen, dass die Raublust genau wie die Erotik keine Altersgrenze kennt. Carla (Dinah Hinz), Lilli (Diana Körner) und Meta (Hannelore Droege) hatten jahrelang für ihren Lebenstraum gespart: eine gemeinsame Kreuzfahrt. Wegen altersbedingter Zeitnot besserten sie ihre Einkünfte durch Ladendiebstähle auf. Doch als sie ihr «Erspartes» auf der Bank einzahlen wollten, fand ein Raubüberfall statt, und sie waren ihr ganzes Geld im Nu wieder los. Nun wurden sie ihrerseits aktiv und begingen einen Bankraub – und bald schon den nächsten. Das Ensemble der Hamburger Kammerspiele unter der Regie von Michael Bagdanov liess es ordentlich krachen, und die sympathischen-schrulligen Seniorinnen sorgten für ausgelassenes Gelächter im Publikum.

Raub wird schwer bestraft

Vor der Krimikomödie informierte Hanspeter Krüsi, Leiter Kommunikation der Kantonspolizei St. Gallen, über Banküberfälle früher und heute. «Bei einem Raubdelikt kommt es zum direkten Kontakt zwischen dem Täter und dem Opfer. Das ist ein schwerer Eingriff in die Persönlichkeit des Opfers, weshalb Raub immer eine massive Strafe nach sich zieht», erklärte er. Die Zeit der grossen Bank- und Postüberfälle der Sechziger- bis Achzigerjahre sei dank verbesserter Sicherheitsstandards vorbei.

Immer raffiniertere Täter

«Heute wird die Täterschaft immer raffinierter. Geld wird auf andere Weise beschafft», sagte Krüsi. «Raubüberfälle auf der Strasse haben stark zugenommen. 133 waren es im vergangenen Jahr allein im Kanton St. Gallen», fügte er hinzu. Zusätzlich seien Einbruchdiebstähle und Internetkriminalität stark angestiegen. Oder es würden mit der «Aktion Lasso» gleich ganze Bancomaten ausgerissen und abtransportiert. Auch Tankstellenshops seien beliebte Ziele der Täter. Auf Fragen aus dem Publikum antwortete er: «Fälle von Schutzgelderpressungen in Restaurants sind mir bekannt. Die Dunkelziffer ist vermutlich hoch.» Und er fügte an: «Täter finden sich in allen Schichten – Junkies, Schweizer, Ausländer.»

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