«Nicht müssen, dürfen» als Leitidee

Der Zukunftsworkshop «60plus – Bewegen und Begegnen in Jonschwil und Schwarzenbach» fand beim Zielpublikum, der älteren Bevölkerung, regen Anklang. Unter anderem kamen einige Vorschläge für ein attraktives Angebot zusammen.

Bettina Bellmont
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Über 100 Seniorinnen und Senioren beteiligten sich am 60plus-Workshop, diskutierten das aktuelle Angebot und tauschten Zukunftsideen aus. (Bilder: Bettina Bellmont)

Über 100 Seniorinnen und Senioren beteiligten sich am 60plus-Workshop, diskutierten das aktuelle Angebot und tauschten Zukunftsideen aus. (Bilder: Bettina Bellmont)

JONSCHWIL. «Wir stehen vor einer gewaltigen Veränderung», eröffnete Gemeindepräsident Stefan Frei den Workshop der rund 105 angemeldeten Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Heute schon mache der Anteil der über 65-Jährigen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung in der Region rund ein Viertel aus. Eine Zahl, die in den nächsten Jahren unweigerlich steigen werde. Um dieser demographischen Entwicklung auch mit genügend Begegnungs- und Bewegungsmöglichkeiten gerecht werden zu können und den Seniorinnen und Senioren den Puls zu fühlen, hatte die Gemeinde Jonschwil zu einem Meinungsaustausch ins Oberstufenzentrum geladen.

Zu neuer Lebensfreude

Jonschwil gehört neben Buchs und Lichtensteig zu den drei St. Galler Pilotgemeinden, die sich am nationalen Projekt VIA beteiligen. «Der Zukunftsworkshop bildet dabei den wichtigsten Teil des Projekts», erklärte Projektleiterin Barbara Züger vom kantonalen Amt für Gesundheitsvorsorge. VIA möchte die Selbständigkeit, Gesundheit und Lebensqualität älterer Menschen fördern und so zu neuer Lebensfreude und Gemeinschaft beitragen. Unter der Leitung von Moderator Stefan Tittmann starteten die Teilnehmer in kleinen, durchmischten Gruppen eine Art «Bestandesaufnahme». Was läuft in der Gemeinde bezüglich Leben im Alter gut? Wo besteht Verbesserungspotenzial?

Kommunikation verbessern

«Da gibt es ja mehr, als ich wusste», liess sich zwischen den Gesprächen öfters heraushören. Viele Besucherinnen und Besucher wünschen sich vor allem ein grösseres Angebot an gemeinsamen Anlässen – seien es sportliche Ausflüge, Kurse, Wandergemeinschaften oder eine Jassgruppe. Dass bereits einige solche Angebote existieren, aber kaum genutzt werden, warf die Frage auf, wie kommuniziert werden muss, damit die Bevölkerung erreicht werden kann. Ob WhatsApp-Gruppe, Internet-Plattform, Verknüpfung mit bestehenden Seiten der IG Aktives Altern oder als Rubrik im Gemeindeblatt; die Seniorinnen und Senioren bewiesen einmal mehr, dass sie weitaus moderner und technikversierter unterwegs sind, als so manch Junger ahnt.

Wohnraum schaffen

In einer Vertiefungsphase kristallisierten sich neben dem Wunsch nach einem breiteren, für die 60plus-Gruppe tagsüber durchgeführten Angebot auch andere wichtige Diskussionspunkte heraus. Altersgerechte, zahlbare Wohnungen beispielsweise seien dünn gesät – ein Problem, dessen sich die Gemeinde annehmen müsse. Als Pendant zum Jugendarbeiter wurde auch ein «Eventmanager für Senioren» angedacht. Und der Leitgedanke «Nicht müssen, dürfen» fand einige Unterstützung.

Mitwirken und Mittragen

Die Organisatoren des Workshops zeigten sich sehr begeistert und überrascht von der regen Beteiligung der Senioren. In einem nächsten Schritt, so berichtete Stefan Frei, werden die Vorschläge in einer Auswertungssitzung am 27. April besprochen und dann in einem ersten Netzwerktreffen im Juni angegangen. Beide Termine sind für die Bevölkerung offen, Interessierte und allenfalls engagierte Mitwirkende sind eingeladen, sich bei der Gemeinde zu melden.