Nicht allen gefällt der neue Name

REGION. Ab dem 1. Juni heisst der Gemeindeammann auch im Thurgau Gemeindepräsident. Die Gemeindeoberen aus dem südlichen Thurgau haben zur Namensänderung geteilte Meinungen. David Zimmermann findet sie eine «Lachnummer».

Kristian Filipovic
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David Zimmermann, Gemeindeammann Braunau. (Bild: pd)

David Zimmermann, Gemeindeammann Braunau. (Bild: pd)

Der Thurgauer Kantonsrat hat vergangenes Jahr entschieden, dass der Gemeindeammann neu Gemeindepräsident heissen wird. Damit schliesst man sich der Schweizer Standard-Bezeichnung für diese Funktion an. Mit diesem Namenswechsel erfolgt jedoch keine Veränderung der Position.

Sinnvoller Namenswechsel

Die gegenwärtigen Gemeindeammänner aus dem südlichen Thurgau haben unterschiedliche Meinungen zur Namensänderung. Bruno Lüscher, Gemeindeammann von Aadorf, steht dahinter, weil der Begriff Gemeindepräsident in der ganzen Schweiz bis auf den Aargau verwendet wird. Mit dem neuen Namen gibt es nach Lüscher keine Verwechslungen in anderen Kantonen, wie zum Beispiel in den Zürcher Nachbargemeinden: «Wenn ich mich in der Region Zürich als Gemeindeammann vorstelle, dann denken die Leute, ich sei vom Betreibungsamt.» Aus diesem Grund erachtet auch Kurt Baumann, Gemeindeammann von Sirnach, die Namensänderung als sinnvoll. Ausserdem ist nach ihm die neue Bezeichnung fairer für Frauen, die dieses Amt ausüben und künftig Gemeindepräsidentin anstatt Frau Gemeindeammann heissen. Baumann sagt, er verwende auf seiner Visitenkarte den Begriff Gemeindepräsident jetzt schon, um Verwechslungen zu vermeiden.

Willy Nägeli, Gemeindeammann aus Fischingen, sagt: «Ich bin prinzipiell für die Namensänderung, aber nicht mit Herzblut.» Er teilt die Meinung, dass dieser Wandel die Verwechslungsgefahr zu einem Betreibungsbeamten in Zürich beseitigen würde und der neue Begriff für Frauen besser wäre. Clemens Dahinden, Gemeindeammann von Bettwiesen, findet die Änderung zeitgemäss: «Der Thurgau ist bis jetzt immer ein Exot gewesen. Es ist an der Zeit, dass eine Vereinheitlichung zur übrigen Schweiz geschieht, weil zum Beispiel in Zürich ein Gemeindeammann eine andere Funktion ausübt und somit immer eine Ergänzung nötig war.» Guido Grütter, Gemeindeoberhaupt von Münchwilen, betrachtet die Anpassung als unproblematisch: «Ich sehe die Namensänderung neutral bis positiv. Nun ist der traditionelle Begriff mit der Mehrheit der übrigen Schweiz harmonisiert.» Ivan Knobel, Gemeindeammann aus Rickenbach, hat eine neutrale Haltung zur neuen Namensgebung: «Für mich ist es egal, welcher Begriff gültig ist, ich kann mit beiden arbeiten.» Robert Meyer, Gemeindeammann aus Eschlikon, fügt an: «Beim Begriff Gemeindeammann wird man zum Teil komisch angeschaut, weil die Leute nicht wissen, um was es sich dabei handelt. Man hätte diesen traditionellen Begriff jedoch durchaus behalten können. Ich habe aber auch nichts gegen den neuen und modernen Ausdruck.» Benno Storchenegger und Anton Stäheli, die Gemeindeammänner aus Wängi und Tobel-Tägerschen, haben ebenfalls eine neutrale Haltung.

Tradition geht verloren

Nicht alle nehmen den Wechsel vom Gemeindeammann zum Gemeindepräsidenten mit Begeisterung hin. Kurt Enderli, Gemeindeoberhaupt aus Wilen, sagt: «Ich finde es schade, dass man dem Mainstream folgt. Der Begriff Gemeindeammann ist mehr als nur Tradition, es ist der Ausdruck einer Funktion, die wir mit unserem Amt ausführen. Mit dem neuen Begriff wird Verwässerung betrieben.» Auch Hanspeter Gantenbein, Gemeindeammann aus Wuppenau, ist klar gegen die neue Namensgebung, mit der aus seiner Sicht eine Gleichmacherei erfolgt: «Der Begriff Gemeindeammann ist etwas Spezielles. Und alles, was speziell ist, ist besser. Ich denke dabei an den Kanton Appenzell-Innerrhoden. Dort bewahren sie ihre Traditionen und die sind gerade im Trend.» Für David Zimmermann, Gemeindeammann aus Braunau, ist die neue Namensgebung eine «Lachnummer». Er sagt: «Der Begriff Gemeindeammann ist etwas typisch Thurgauisches. Man muss an seinen Traditionen festhalten.» In einem Punkt sind sich aber alle Gemeindeammänner einig; der neue Name wird keinen Einfluss auf ihre Ausübung in dieser Funktion haben. Lediglich «der Schriftzug an der Türe zu meinem Büro und die Stempel müssen ersetzt werden», sagt stellvertretend Beat Weibel, der Gemeindeammann von Bichelsee-Balterswil.

Bruno Lüscher, Gemeindeammann Aadorf. (Bild: pd)

Bruno Lüscher, Gemeindeammann Aadorf. (Bild: pd)

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