Neulinge mitten in die Weltspitze

RAD. Der 20jährige Stefan Küng aus Wilen und sein Bahnpartner Théry Schir (20) sorgten bei ihrer ersten Teilnahme als Profis an den Sixdays in Zürich für Aufsehen. Sie überzeugten bei ihrem Début mit Schlussrang 4.

Dominik Moser
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Stefan Küng (rechts) und Théry Schir liessen sich am Freitag als Sieger der 100-Runden-Americaine feiern. (Bild: CuPNet Peter Mettler)

Stefan Küng (rechts) und Théry Schir liessen sich am Freitag als Sieger der 100-Runden-Americaine feiern. (Bild: CuPNet Peter Mettler)

Im vergangenen Jahr dominierte das Duo Küng/Schir das Nachwuchsrennen im Zürcher Hallenstadion nach Belieben und konnte im Spätsommer 2013 beim Prolog der Sixday-Nights in Grenchen sogar einen Sieg verbuchen. Um sich optimal auf ihren ersten Einsatz als Profis an den Sixdays in Zürich vorzubereiten, verbrachten die beiden fünf Wochen mit rennmässigem Training in Neukaledonien und Neuseeland. Das harte Training machte sich bezahlt.

Inmitten der Weltelite

Beide stehen sie in ihrem ersten Profijahr und waren das jüngste Team im Profifeld. Dabei trafen sie auf starke internationale Konkurrenz. Für einmal war es aber nicht Seriensieger Franco Marvulli, der aus Schweizer Sicht die Kohle aus dem Feuer holte. Der 23jährige Aargauer Silvan Dillier konnte gemeinsam mit seinem erfahrenen belgischen Partner Iljo Keisse den Vorjahressieger Kenny De Ketele quasi auf der Ziellinie noch abfangen und so seinen ersten Gesamtsieg an den Sixdays feiern. Auch Stefan Küng und Théry Schir haben bei ihrem Profidébut im Zürcher Hallenstadion einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Bereits am zweiten Abend gelang es den jungen Schweizern, in der Américaine über 100 Runden ein erstes Ausrufezeichen zu setzen. Sie gewannen das Kriterium mit einem Rundenvorsprung. Der hart erkämpfte Rundengewinn war ein Kraftakt über 25 Runden. Im anschliessenden Siegerinterview zeigte sich Küng locker und meinte schmunzelnd, noch keine schweren Beine zu haben. Fortan waren die Favoriten vor dem jungen Schweizer Duo gewarnt.

Respekt verschafft

Doch die starke Leistung liess bei den arrivierten Teams schon früh die Alarmglocken läuten. Schnell hatten sich Küng/Schir den Respekt bei den grossen Teams verschafft. Dies hatte aber nicht nur Vorteile: «Jedes Mal wenn wir einen Vorstoss wagten, haben die Spitzenteams hinten im Feld zusammengespannt und das Tempo forciert. Das machte es nicht einfacher für uns.» Doch das Duo liess sich deswegen nicht unterkriegen und konnte auch in der Freitagnacht die kleine Jagd über 100 Runden für sich entscheiden.

Auch wenn die Sixdays in Zürich nicht mehr wie einst über sechs, sondern nur noch über vier Tage ausgetragen werden, ist das Programm der Profis happig. Wie der Thurgauer erklärt, seien sie in dieser Hinsicht im Vergleich zu den Nachwuchsrennen in einer anderen Welt angekommen: «Das Programm bei den Profis ist umfangreicher und verlangt ganz verschiedene Einsätze. Bei den Amateuren wurde vom Anfang bis zum Schluss einfach volle Pulle gefahren.

Auch Lehrgeld bezahlt

So mussten die Neulinge auch die Erfahrung machen, dass man nicht immer nur auf Angriff fahren kann, sondern abschätzen muss, wann ein Vorstoss erfolgversprechend ist oder wann sich ein Effort eben nicht lohnt. So mussten die beiden zwischenzeitlich auch etwas Lehrgeld zahlen, etwa als drei Versuche auf einen Rundengewinn fehlschlugen und sie dabei zu viel Energie verpufften.

Plötzlich im Rampenlicht

An den Sixday-Nights in Zürich wird traditionsgemäss nicht nur grosser Sport geboten, sondern auch viel Show. Weil Stefan Küng/Théry Schir ihre Runden auf der eingebauten 200-m-Holzbahn in Oerlikon wild, unerschrocken, manchmal allerdings auch etwas zu ungestüm drehten, verpassten ihnen die beiden Radsportkommentatoren Georges Lüchinger und Kurt Betschart (früherer Sixdays-Partner von Bruno Risi) den Übernamen «die roten Teufel» und das Zürcher Publikum feuerten die Schweizer Nachwuchshoffnungen bei jedem Vorstoss lautstark an. «Klar, der Schritt von den Amateuren zu den Profis ist nicht nur sportlich ein grosser. Als Profi rückt man automatisch mehr ins Rampenlicht und erhält mehr Aufmerksamkeit», gab Küng zu. Doch der Rummel um seine Person scheint dem 20jährigen nichts auszumachen. Das Zürcher Publikum jedenfalls schien Gefallen an den jungen Schweizern gefunden zu haben. «Ich glaube, das Publikum in Zürich hat uns gern. Es ist toll, wenn dich die Zuschauer auf den Rängen zusätzlich pushen und für Hühnerhaut-Erlebnisse sorgen», meinte Küng zur Atmosphäre im Hallenstadion.»