Neues Stück des Wiler momoll-Theaters: Es winkt ein perfekter Preis

Jeden Frühling führt das momoll-Jugendtheater ein Stück mit jugendlichem Approach auf. Diesmal hat es die Wiler Autorin Bettina Scheiflinger für das Textbuch beigezogen. Ort der Handlung ist ein «Adventure Room». Es kommt anders als man denkt.

Michael Hug
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Das Ensemble bei der Probenbesprechung auf der Baustelle des «Adventure Rooms». Bilder: Michael Hug

Das Ensemble bei der Probenbesprechung auf der Baustelle des «Adventure Rooms». Bilder: Michael Hug

Gemeinsam einsam. Nur sechs Jugendliche dürfen am «GAME TIME» teilnehmen. Sie sind auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen, doch gewinnen kann am Ende nur einer oder eine. Die Aufgaben und Rätsel, die im Game zu lösen sind, sind so angelegt, dass es nur miteinander geht, doch die errungenen Punkte kriegt jeder einzelne auf sein Konto.

Es braucht Geschicklichkeit, Kraft und Köpfchen. Es braucht aber auch persönlichen Einsatz mit Teamgeist, Leistungsbereitschaft und Durchhaltewillen. Wie in einem Team von Arbeitern – deshalb ist der «Adventure Room» eine Baustelle. In jeder Runde fliegt ein Teilnehmender raus – der oder die letzte bekommt den «perfekten Preis». So heisst der Titel des Stücks. Das Publikum ist stets live dabei im «Adventure Room» und zittert mit den Kandidaten mit.

Adoleszenz als Baustelle

Doch warum das alles? Dafür gibt es viele Gründe, sagt die Autorin des Textbuchs von «Der perfekte Preis»: «Es geht im Grunde um Leistung und Wettbewerb und die Motivation dazu. Was kann ich aus mir herausholen, zu wie viel bin ich bereit, auch wenn ich etwas für jemand anderen tue. Dabei merken die Teilnehmenden, was sie eigentlich für sich selbst wollen.»

Caroline Nef, 18, spielt «Ivy»

Caroline Nef, 18, spielt «Ivy»

«Ich finde es psychologisch interessant, die Person, die ich spiele, in Situationen zu beobachten, in denen ich bestimmt nicht so reagieren würde.»

Die Adoleszenz als Baustelle. Ein interessanter Aspekt dabei ist, dass es nicht Geld zu gewinnen gibt, sondern Spass. Scheiflinger: «Der Veranstalter des Spiels verspricht nur einen einzigen Preis, sagt aber auch: ‹Ihr könnt viel Spass haben dabei.›» Den haben sie, und der Veranstalter hat auch was er will. Nämlich das, um was es ihm beim Ganzen geht. Doch das wird erst am Schluss des Stücks offenbart.

Enge Zusammenarbeit

«Der perfekte Preis» ist eine enge Kollaboration des momoll-Jugentheaters mit der Autorin. Die Idee dazu hatte Regisseurin Claudia Rüegsegger: «Es wird langsam schwierig, nach einem Dutzend Szenarien für Jugendstücke noch etwas neues zu finden.» Doch sie hat etwas gefunden: den «Adventure Room».

Mattia Leonetti, 18 Jahre, spielt «Dani»

Mattia Leonetti, 18 Jahre, spielt «Dani»

«Ich finde es schön, dass man sich in einen anderen Charakter versetzen kann und ich stelle fest, dass man dabei auch etwas über sich selber lernen kann.»

Das Setting bildete sich nach mehreren Gesprächen mit der Autorin und den Jugendlichen im Vorstand des momoll-Jugendtheaters heraus. Für Bettina Schweiflinger ist es das erste Textbuch: «Ich habe noch nie ein Theaterstück geschrieben, das war schon etwas ganz Neues.» Im Gegensatz dazu sei das Schreiben eines Buchs eine recht einsame Sache, bei einem Theaterstück sei es Zusammenarbeit mit anderen: «Doch schreiben muss man es dann doch allein!»

Vom Stück überraschen lassen

Eine neue Erfahrung für Scheiflinger sei auch, dass sie jetzt, wo das Stück in der Lokremise erstmals im Durchlauf geprobt wird, sehe, was aus ihrem Text geworden ist: «Es ist für mich sehr speziell, dass aus meinem Text etwas gemacht wird. Es ist, als würde etwas lebendig, es bekommt soetwas wie einen Mehrwert.» Sie werde aber bei weiteren Proben nicht mehr dabei sein, sondern erst wieder bei der Premiere. «Ich möchte mich vom fertigen Stück überraschen lassen.»

Leonie Tobia, 18, spielt «Alexa»

Leonie Tobia, 18, spielt «Alexa»

«Es gibt Situationen, die man im echten Leben noch nicht erlebt hat oder nie erleben wird, da kann man sich selbst mal abschalten und jemand anders sein.»

Wie gewohnt proben die neun Jugendlichen des Ensembles mit ihrer Regisseurin Rüegsegger in der Lokremise, die um diese Jahreszeit nicht beheizt wird. Das ist besonders jetzt bei den Endproben etwas frostig, wo es in der Lokremise noch kälter ist als im Freien. Bemerkenswert ist auch, dass die jungen Laiendarstellenden sehr viel Freizeit und die Ferien dafür hergeben. So proben sie auch an Karfreitag und Ostersamstag –doch an den beiden Osterfeiertagen haben auch sie dieses Jahr frei.

Hinweis

Die Premiere von «Der perfekte Preis» findet statt am 4. Mai 2019 um 20:15 Uhr, weitere Vorstellungen am 7., 9., 10., 14., 16. und 17. Mai in der Lokremise Wil. Tickets: www.momoll-theater.ch oder an der Abendkasse.