Interview

Neues Jahrzehnt, neue Präsidentin: Die Frauengemeinschaft Degersheim blickt optimistisch in die Zukunft

Die Frauengemeinschaft Degersheim hat eine neue Präsidentin – und auch sonst Gründe, sich zu freuen.

Interview: Tobias Söldi
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Esther Kopp (rechts) ist die neue Präsidentin der Frauengemeinschaft. Sie hat das Amt von Priska Filliger Koller übernommen.

Esther Kopp (rechts) ist die neue Präsidentin der Frauengemeinschaft. Sie hat das Amt von Priska Filliger Koller übernommen.

Bild: Tobias Söldi

Esther Kopp, Sie sind vor einigen Wochen zur neuen Präsidentin der Frauengemeinschaft (FG) Degersheim gewählt worden. Wie sind Sie ins Amt gestartet?

Kopp: Sehr gut. Die Hauptversammlung haben wir noch gemeinsam im Vorstand vorbereitet, nach der Wahl habe ich dann übernommen. Da ich davor ein Jahr lang als Vizepräsidentin tätig war, musste ich nicht mehr umfassend instruiert werden.

Was hat Sie motiviert, das Amt zu übernehmen?

Kopp: Das hat verschiedene Gründe. Ich finde die Frauengemeinschaft eine sehr gute Sache. Zudem besteht der Vorstand aus aufgestellten Frauen – da wollte ich gerne dazugehören. Und nicht zuletzt möchte ich dem Verein etwas zurückgeben, schliesslich bin ich seit etwa 20 Jahren Mitglied der FG.

Priska Filliger Koller, Sie treten nach knapp sieben Jahren als Präsidentin der FG zurück. Warum?

Filliger Koller: Mit 50 Jahren habe ich mich gefragt: Was will ich sonst noch in meinem Leben erreichen, was ist sonst noch möglich? Ich wollte mir etwas Freiraum schaffen. Darum habe ich den Vorstand bereits vor eineinhalb Jahren über meinen Rücktritt informiert. Das kam zwar überraschend, weil es sehr früh war, hat dem Vorstand aber auch die Möglichkeit gegeben, die Nachfolge gut aufzugleisen.

Wie schauen Sie auf Ihre Amtstätigkeit zurück?

Filliger Koller: Mit Freude und Dankbarkeit, aber natürlich auch mit Wehmut. Ich habe viel Herzblut in die FG gesteckt.

Was hat Sie an der Gemeinschaft begeistert?

Filliger Koller: Mich haben vor allem die vielen Begegnungen beeindruckt. Auch die Vielfalt der Frauen und die Offenheit der Gemeinschaft im Umgang mit dieser Vielfalt haben mich immer fasziniert. Wir haben junge und alte Mitglieder, Mütter, Einheimische und Zugezogene und sind ökumenisch offen. Auch der Vorstand ist gut gemischt.

Von anderen Vereinen hört man eher das Gegenteil – dass sie damit zu kämpfen haben, den Vorstand zu besetzen.

Kopp: Wir haben für den Vorstand immer gute, engagierte und auch junge Leute finden können. Für einen vakanten Vorstandsposten hat sich kürzlich spontan ein Mitglied gemeldet. Das war eine schöne Überraschung.

Was macht die Frauengemeinschaft denn anders?

Filliger Koller: Bei uns gilt das Prinzip der Begeisterung. Vorstandsmitglieder sind mit Herzblut dabei, wenn sie eine Idee, einen Anlass, einen Kurs umsetzen – weil sie wollen, nicht weil sie müssen. Zudem ist die Last so auf mehrere Schultern verteilt. Die Präsidentin muss und kann auch nicht alles machen. Und nicht zuletzt gibt es bei uns keinen Druck. Wenn jemand etwas nicht machen will oder kann, muss sie nicht. Wir respektieren Grenzen.

Warum braucht es heutzutage überhaupt noch eine Frauengemeinschaft?

Kopp: Die Frauengemeinschaft bietet Frauen eine Möglichkeit, in ihrer Freizeit hier in Degersheim zusammenzukommen, Kurse und Anlässe zu besuchen und gute Gespräche zu führen. Ich finde es schön und auch erstaunlich, dass so viele Frauen unsere Anlässe nutzen – trotz des grossen Angebots, das es heute gibt. Wir mussten nur selten einen Kurs absagen.

Filliger Koller: Für mich geht es auch um die Frage der Beheimatung, darum, wo wir in einer globalisierten und digitalen Welt leben. Die Frauengemeinschaft bietet Menschen eine Heimat und einen Boden, egal woher sie kommen. Ich selbst zum Beispiel bin hier in Degersheim eine Zugezogene, und durch die Frauengemeinschaft sind viele Begegnungen und Beziehungen entstanden, die mir eine Heimat gegeben haben.

Mit welchen Herausforderungen ist die Gemeinschaft konfrontiert?

Filliger Koller: Wir haben so viele Ideen, dass wir darauf achten müssen, uns nicht zu übernehmen. Wir müssen unsere Kräfte gut einteilen, zu uns als Team Sorge tragen.

Esther Kopp, was haben Sie für Pläne mit der Gemeinschaft?

Kopp: Jetzt gilt es zunächst, das Jahresprogramm gut über die Bühne zu bringen. Ansonsten läuft es eigentlich so gut zurzeit, dass ich fast nicht wage, etwas zu ändern.

Der Verein

Die Frauengemeinschaft (FG) Degersheim bietet Frauen – unabhängig von Alter, Zivilstand, Herkunft und Interessen – ein vielfältiges Jahresprogramm. Dabei stehen Begegnung, Gemeinschaft, Unterstützung, Vernetzung, Austausch, Spass und Spiritualität im Zentrum. Einige Anlässe richten sich auch an Kinder und ihre Mütter. Die FG ist in der Jakobus-Pfarrei beheimatet und ökumenisch offen. Der Vorstand besteht aus acht Leuten, insgesamt hat der Verein 250 Mitglieder. (pd)