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Neuer Kinderarzt in Zuzwil: «Sehe es als Aufgabe, nicht als Job»

In der Ostschweiz mangelt es an Kinderärztinnen und Kinderärzten. Zuzwil wirkt dem Trend entgegen: Gestern hat im Ärztezentrum ein neuer Kinderarzt seine Arbeit aufgenommen.
Tobias Söldi
Von Salzburg nach Zuzwil: Kinderarzt Mitra Peter Ramkissoon praktiziert seit Anfang Woche im Ärztezentrum Zuzwil. (Bild: Tobias Söldi)

Von Salzburg nach Zuzwil: Kinderarzt Mitra Peter Ramkissoon praktiziert seit Anfang Woche im Ärztezentrum Zuzwil. (Bild: Tobias Söldi)

Seine Arbeit hat ihn bereits um die halbe Welt geführt: Der Kinderarzt Mitra Peter Ramkissoon kam in Trinidad in der Karibik zur Welt; durch seine Ausbildung und Arbeit hat er zeitweise in England, Irland, Deutschland und zuletzt in Salzburg in Österreich gelebt. Seit kurzem praktiziert der 60-Jährige nun im Ärztezentrum in Zuzwil.

Mitra Peter Ramkissoon, Sie sind seit August in der Schweiz. Wie haben Sie die Zeit bis jetzt verbracht?

Geplant war es eigentlich, die Arbeit im Ärztezentrum bereits am 1. August aufzunehmen. Dann kam es aber zu Verzögerungen bürokratischer Art. Die Schweiz ist nicht die EU. Sie hat eigene Regeln und Modalitäten, die einzuhalten sind, damit man die Berufsbewilligung für die Schweiz erhält. Das hat etwas Zeit gebraucht. Seit gestern empfange ich offiziell Patienten.

Konnten Sie die Region bereits ein wenig kennenlernen?

Ich bin Anfang August nach Zuzwil gezogen. Wenn es das Wetter zulässt, bin ich oft mit dem Rad unterwegs. Die Landschaft ist wunderschön, die Luftqualität sehr gut, der Bodensee nur ein Katzensprung entfernt. Ich kann mich nicht beklagen.

Die Stadt war keine Option?

Ich bevorzuge offene Landschaften, auch weil ich in der Stadt, in Manchester, aufgewachsen bin.

Die Region leidet unter Kinderärztemangel. Sind Sie sich dessen bewusst?

Davon habe ich natürlich schon gehört, es herrscht eigentlich fast überall ein Ärztemangel. Offenbar ist die Situation hier aber besonders extrem.

Rechnen Sie mit einem grossen Ansturm?

Ich bin auf jeden Fall gespannt und nehme es, wie es kommt. Alle Patientinnen und Patienten sind herzlich willkommen.

Was sind ihrer Meinung nach die Gründe dafür?

Die Ausbildung dauert sehr lange und ist sehr intensiv, ausserdem ist sie schwierig mit dem Familienleben zu vereinbaren. Es überrascht darum nicht, dass die Scheidungsrate bei Ärztinnen oder Ärzten so gross ist. In Deutschland und Österreich lässt auch die Entlohnung zu wünschen übrig.

Die Arbeit eines Kinderarztes gilt auch als Knochenjob.

Ja, aber ich sehe es nicht als Job, sondern als Aufgabe. Es muss einem schon ein Anliegen sein, die Lebensqualität der Patienten zu erhöhen. Der Aufwand ist dann doch zu gross, die Arbeit als blossen «Job» zu sehen. Wenn etwas länger braucht, weil ein Kind zum Beispiel ängstlich ist, dann wird der Arbeitstag halt länger. Das Problem ist die Vereinbarkeit mit dem Familienleben.

Was mögen Sie an der Arbeit?

Es ist faszinierend zu sehen, wie ein Kind sich entwickelt, wie es die Welt entdeckt. Die Interaktion ist eine ganz andere als mit einem Erwachsenen. Es ist auch sehr wichtig, sich direkt mit dem Kind zu unterhalten. Früher war das anders, da hat man nur mit den Eltern geredet.

Was ist im Umgang mit den Kindern zu beachten?

Am wichtigsten ist es, den Stress für das Kind auf einem Minimum zu halten. Jedes Stechen, Punktieren oder Spritzen ist eine Belastung, die möglichst vermiedenen werden muss. Auch bei der medikamentösen Behandlung gilt: So wenig wie möglich, so viel wie nötig. Ich will begleiten, nicht im Wege stehen. Familien mit einem kranken Kind sind sowieso schon sehr gestresst. Die meisten Probleme von Kindern sind zudem nicht akuter, sondern sozialmedizinischer Art, zumindest hier in Europa. Wichtig sind darum auch Vergleichsdaten, die zeigen, in welche Richtung sich ein Kind entwickelt.

Welche Rolle spielen die Eltern in Ihrer Arbeit?

Eine sehr wichtige. Die Aufklärung der für das Kind verantwortlichen Person ist absolut notwendig. Fühlt sich zum Beispiel die Mutter nicht wohl, dann fühlt sich auch das Kind nicht wohl.

Welche Themen beschäftigen die Kinderärzte von heute?

Die «Naturwelle» ist sicher ein Thema. Eine vegane Ernährung mag schön und gut sein für eine erwachsene Person, aber nicht für Kinder. Es fehlen dann gewisse Eiweissstoffe, die für das Wachstum notwendig sind. Eine einseitige, zu extreme Ernährung ist grundsätzlich problematisch für Heranwachsende.

Hyperaktivität ist ebenfalls in aller Munde.

Ja. Hier ist es besonders wichtig festzustellen, ob das Kind wirklich hyperaktiv ist, oder ob statt internen externe Faktoren wirken, etwa die Reizüberflutung durch Videogames.

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