Neue Wendung in der Kathi-Frage: Auch die Grünen Prowil lancieren einen Antrag zur Rettung der Mädchenschule

Die Grünen Prowil wollen die Mädchensekundarschule St. Katharina in Wil erhalten. Die Bedingungen im Rückweisungsantrag der Bildungskommission, die das gleiche Ziel verfolgt, lehnen sie jedoch ab. Dies, weil dabei die Interessen der Stadt weitgehend ausser Acht gelassen würden.

Gianni Amstutz
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Wie geht es mit dem Kathi weiter? Die Grünen Prowil werden an der Sitzung des Stadtparlaments am Donnerstag einen eigenen Rückweisungsantrag vorbringen. (Bild: PD)

Wie geht es mit dem Kathi weiter? Die Grünen Prowil werden an der Sitzung des Stadtparlaments am Donnerstag einen eigenen Rückweisungsantrag vorbringen. (Bild: PD)

Nun gibt es also noch einen weiteren Vorschlag zur Oberstufenstruktur der Stadt Wil. Mit dem neusten Entwurf der Grünen Prowil existieren inzwischen deren fünf. Vier davon wollen das Kathi weiterhin als Teil der Oberstufen Wils erhalten. So auch die Lösung der Grünen Prowil. Einzig der Vorschlag des Stadtrats plant ohne das Kathi.

Die Grünen Prowil machen sich wie die Bildungskommission des Stadtparlaments für eine Rückweisung des Geschäfts an den Stadtrat stark. Ihre Forderungen unterscheiden sich allerdings in wesentlichen Punkten von jenen der Bildungskommission. Diese seien nicht durchdacht und zeugten von «fehlendem politischem Verantwortungsbewusstsein». Der Rückweisungsantrag der Kommission sei einseitig darauf ausgelegt, die Forderungen der Stiftung Schule St. Katharina zu verwirklichen, und lasse dabei die städtischen Interessen weitgehend ausser Acht.

Die Forderungen der Grünen Prowil

Der wohl grösste Unterschied in den Forderungen der Grünen Prowil zum Rückweisungsantrag der Bildungskommission und allen bisherigen Oberstufenmodellen: Anstatt entweder das Kathi oder eine der städtischen Oberstufen - namentlich die Oberstufe Sonnenhof - zu schliessen bzw. in eine Primarschule umzuwandeln, sollen alle vier Schulen erhalten werden.

«Selbst wenn eine Reduktion der Anzahl Oberstufen ökonomisch vorteilhaft wäre, ist es politisch ungeschickt und unsensibel, sie zum heutigen Zeitpunkt realisieren zu wollen», schreiben die Grünen Prowil. Eine nüchterne, konsensorientierte Klärung der Oberstufenfrage sei unmöglich, wenn die Schulen von der Politik in einen Überlebenskampf gedrängt würden. Zudem könne der kantonale Richtwert für die minimale Grösse von Oberstufenzentren auch ohne die Reduktion eingehalten werden. Mehr noch: Überschaubare Schuleinheiten seien einfacher zu führen und böten in sozialer Hinsicht Vorteile.

Wie im Vorschlag der Bildungskommission ist auch in jenem der Grünen Prowil die Möglichkeit für das Kathi enthalten, geschlechtergetrennte Klassen zu führen. Einzige Bedingung ist, dass das Geschlechterverhältnis an der Schule ausgewogen sein muss. Dass die Stadt dem Kathi zusätzlichen Schulraum zur Verfügung stellen muss, wie das die Bildungskommission verlangt, lehnen die Grünen Prowil jedoch ab. Das sei schlicht nicht Aufgabe der Stadt.

Eine vollständige räumliche Trennung von Mädchen und Knaben, wie sie von der Stiftung Schule St. Katharina vorgesehen ist, soll nicht ausgeschlossen sein. Das Kathi müsse aber selbst die baulichen Voraussetzungen dafür schaffen. «Es ist nicht Aufgabe der Stadt Wil, Infrastruktur für eine ‹Seedukation in Reinkultur› bereitzustellen», schreiben die Grünen Prowil.

Kathi soll besser eingebunden werden

Als weiteren Punkt in ihrem Forderungskatalog wollen die Grünen Prowil eine stärkere Einbindung der Schule in die städtische Oberstufenstruktur. Das Kathi sei ungeachtet seiner privatrechtlichen Trägerschaft eine öffentliche Schule. Es erscheine zwingend, dass die Stadt Wil in der privaten Trägerschaft ein Mitspracherecht habe und dass sich das Kathi künftig als Teil der öffentlichen Oberstufen verstehe. Erreicht werden soll dies mit einer wechselseitigen Einbindung. Will heissen: Die Stadt Wil nimmt mit mindestens zwei Vertretern Einsitz im Stiftungsrat der Schule St. Katharina. Im Gegenzug nimmt die Schulleitung der Schule St. Katharina Einsitz in der städtischen Schulleitungskonferenz.

Auch die letzte Forderung im Rückweisungsantrag dürfte zu reden geben. «Die Stadt sichert sich ein Nutzungsrecht an den Räumlichkeiten der Schule St. Katharina für den Fall, dass die Stiftung den Leistungsauftrag der Stadt nicht mehr erfüllen kann oder will», heisst es dort. Die Stadt Wil könne nicht das Risiko eingehen, innert weniger Jahre ein neues Oberstufenzentrum planen und realisieren zu müssen, falls die Stiftung dereinst nicht mehr gewillt oder dazu in der Lage wäre, das «Kathi» zu führen, begründen die Grünen Prowil.

Ausgang völlig offen

Neben der Kommissionsmehrheit - das Stimmenverhältnis betrug dort 4:3 - machen sich nun also auch die Grünen Prowil für eine Lösung mit Kathi stark. Obwohl aufgrund des Kommissionsgeheimnisses nicht geklärt werden kann, wer dort für die Rückweisung an den Stadtrat und damit für den Erhalt des Kathi gestimmt hat, dürften die vier Stimmen von der CVP und der SVP kommen. Somit dürften 25 (10 CVP, 9 SVP, 6 Grüne Prowil) von 40 Stadtparlamentariern eine Oberstufe mit Kathi befürworten. Ob sich eine Mehrheit finden lässt im Parlament, ist trotzdem offen. Dies deshalb, weil zwar mehr als die Hälfte der Volksvertreter das Kathi retten will, die Frage nach dem Wie aber unterschiedlich beantwortet wird.

Die Grünen Prowil machen in ihrem Statement klar, dass der Rückweisungsantrag der Bildungskommission für sie keine Option darstellt. Um eine Mehrheit dafür zu finden, brauchen die SVP und CVP aber zwingend die Unterstützung einer anderen Fraktion. Gleiches gilt - in noch stärkerem Ausmass - für den Rückweisungsantrag der Grünen Prowil. Ohne Zutun anderer Fraktionen wäre auch dieser zum Scheitern verurteilt.

Die Frage wird sein, ob sich die drei Fraktionen auf eine gemeinsame Lösung festlegen werden. Andernfalls drohen beide Anträge zu scheitern. Die Konsequenz wäre, dass der Antrag des Stadtrats im Parlament verhandelt werden würde. Das Problem dabei: Dieser scheint ebenfalls keine Mehrheit im Parlament zu überzeugen. Es scheint deshalb unausweichlich, dass die Kathi-Befürworter unter den Parlamentariern bis Donnerstag eine gemeinsame Lösung finden.