Neue Verordnung ist umfassender

Zurzeit läuft die Auflagefrist für die überarbeitete Schutzverordnung der Gemeinde Uzwil. Ziel der Revision war, nur noch zu schützen, was auch schützenswert ist. Rund 45 Kultur- und 40 Naturobjekte stehen unter Schutz.

Urs Bänziger
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Neu als Ortsbildschutzgebiete dazu gekommen sind ehemalige Arbeitersiedlungen wie im Bild die Kobelhöhe. (Bild: Donat Beerli)

Neu als Ortsbildschutzgebiete dazu gekommen sind ehemalige Arbeitersiedlungen wie im Bild die Kobelhöhe. (Bild: Donat Beerli)

UZWIL. Ein historisches Zentrum wie Wil oder Bischofszell hat Uzwil nicht zu bieten. Dennoch gibt es auch im Industrieort Objekte und Gebiete, die sich lohnen, der Nachwelt zu erhalten. Die Gemeinde hat deshalb in den 1980er-Jahren eine Schutzverordnung erlassen, die jetzt überarbeitet worden ist. Unter dem Strich gibt es nach dieser Revision nicht mehr Objekte, die unter Schutz stehen. Wesentlicher Bestandteil der Änderungen sei gewesen, näher und präziser hinzuschauen, was überhaupt schützenswert sei und was nicht, erklärt Verwaltungsleiter Thomas Stricker.

Genauer definiert

Im Zuge der Revision sind sämtliche der geschützten Einzelobjekte von Fachleuten inventarisiert und neu beurteilt worden. «Jetzt wissen die Grundeigentümer genau, was an ihren Häusern und Grundstücken schutzwürdig ist und was nicht», sagt Stricker. Nicht nur die Hausbesitzer, sondern auch die Baubewilligungsbehörden haben mit der überarbeiteten Schutzverordnung bessere Grundlagen für ihre Beurteilung.

Die Gemeinde hat die Revision in Zusammenarbeit mit Ortsplanern, Denkmalpflegern und Kunsthistorikern ausgeführt. Die betroffenen Grundeigentümer wurden mit einbezogen, indem sie Anfang Mai zu einer Informationsveranstaltung eingeladen wurden und im Sommer eine Vernehmlassung stattgefunden hat. Zudem hatten sie die Möglichkeit für individuelle Orientierungen und persönliche Gespräche mit den involvierten Fachleuten.

Während es bei der Vernehmlassung keine Reaktionen gegeben hat, nutzten einige Grundeigentümer das Angebot für individuelle Besprechungen. Einige Unklarheiten hätten dabei aus dem Weg geräumt werden können, sagt Stricker.

Kleinere Ortsbildschutzgebiete

Nebst der Einordnung, was an den aufgelisteten Einzelobjekten schützenswert ist, sind die bestehenden Ortsbildschutzgebiete überarbeitet worden. Wesentliche Änderung dabei: Bisher waren die Schutzgebiete mit den Dorfkernzonen identisch. Praktisch in allen Dörfern in der Gemeinde seien im Zuge der Revision die Ortsbildschutzgebiete reduziert worden, erklärt Stricker. «In der alten Verordnung gab es Abgrenzungen, die inhaltlich nicht stimmten. Die neue konzentriert sich auf die Liegenschaften, die für das Ortsbild tatsächlich bedeutend sind.» Weil es keine schützenswerte Bauten gibt, wurde der Stolzenberg ganz aus der Verordnung gestrichen.

Neben den schützenswerten Bauten in den Dörfern wurden neu die ehemaligen Arbeitersiedlungen an der Ziegelgasse, Neuheim und der Kobelhöhe als Schutzgebiete eingestuft. Die Parkanlagen und Villen der ehemaligen Firmenpatrons bilden heute einen Grüngürtel in Uzwil. Auch dieser ist jetzt geschützt. «Mit der alten Verordnung hatte die Gemeinde kein wirkliches Instrument, um die Grünflächen als Einheit zu schützen. Die neue Verordnung ist flächendeckender und schützt nicht nur einzelne Bäume oder Hecken», erklärt der Verwaltungsleiter.

Die Schutzverordnung beinhaltet ein Reglement, ein Verzeichnis und einen Plan. Zur Anwendung kommt sie dann, wenn Grundeigentümer Veränderungen an ihren Liegenschaften vornehmen wollen. Thomas Stricker ist überzeugt, dass die neue Verordnung ein Gewinn ist. «Die Betroffenen haben zwar strengere Auflagen, anderseits aber auch ein Gütesiegel dafür, dass ihre Häuser etwas Wertvolles sind.»