Neue Abteilung zeigt Wirkung

Vor einem Jahr hat die Gemeinde Rickenbach ein Krankenkassen-Case-Management ins Leben gerufen. Die neue Abteilung hilft säumigen Prämienzahlern, ihre Rechnungen zu begleichen. Bereits wurden erste Erfolge verbucht.

Ursula Ammann
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Wer Arztrechnungen und Krankenkassenprämien nicht bezahlt, überwälzt diese Kosten auf die öffentliche Hand. Ziel des Krankenkassen-Case-Managements ist es, säumige Prämienzahler bei der Begleichung der Ausstände zu unterstützen und die Kosten für die Allgemeinheit zu senken. (Bild: Themenbild: Ralph Ribi)

Wer Arztrechnungen und Krankenkassenprämien nicht bezahlt, überwälzt diese Kosten auf die öffentliche Hand. Ziel des Krankenkassen-Case-Managements ist es, säumige Prämienzahler bei der Begleichung der Ausstände zu unterstützen und die Kosten für die Allgemeinheit zu senken. (Bild: Themenbild: Ralph Ribi)

RICKENBACH. Prävention spart Kosten. Dieses Prinzip gilt auch, wenn es um die Bezahlung der Krankenkassenprämien geht. Je pünktlicher ein Versicherter diese begleicht, desto weniger entstehen zusätzliche finanzielle Aufwände durch Bearbeitungs- und Betreibungsgebühren sowie Verzugszinsen. Hier setzt das Krankenkassen-Case-Management an, eine Abteilung, die in Rickenbach vor einem Jahr neu geschaffen wurde. Sie unterstützt säumige Prämienzahler dabei, ihre Rechnungen zu begleichen, bevor Folgekosten entstehen. Diese Art von Prävention zahlt sich aus, ist es doch die öffentliche Hand, welche Verlustscheine aus Krankenkassenforderungen berappen muss (siehe Infokasten). Während die Gemeinde Rickenbach im vergangenen Jahr noch rund 100 000 Franken für ausstehende Krankenkassenprämien und Arztrechnungen von Einwohnern aufwenden musste, wurden in diesem Jahr nur noch knapp 88 000 Franken in Rechnung gestellt. Dies bedeutet vor allem auch gegenüber dem budgetierten Betrag von 150 000 Franken eine massive Verbesserung.

Rückzahlung vereinbart

Seit 2007 werden im Kanton Thurgau Personen, die ihre Krankenkassenprämien und Arztrechnungen trotz Betreibung nicht begleichen, in einem Datenpool erfasst. Wer auf dieser schwarzen Liste ist, erhält nur noch im Notfall medizinische Versorgung. Aus der Gemeinde Rickenbach waren im September vergangenen Jahres 145 Personen eingetragen. Mittlerweile haben 78 Personen ihre Ausstände selber oder mit Hilfe des Krankenkassen-Case-Managements bezahlt und wurden damit vom Leistungsstop befreit. «In den meisten Fällen haben wir den geschuldeten Betrag übernommen und mit dem säumigen Prämienzahler eine zinslose Rückzahlung vereinbart», erklärt Ivan Knobel, Gemeindepräsident von Rickenbach.

Die grosse Mehrheit der Personen sei dankbar für die Hilfestellung, die das Krankenkassen-Case-Management biete, sagt Ivan Knobel. Dass man jemanden unterstützen könne, setze aber voraus, dass er oder sie zum Gespräch erscheine. Sechs Personen blieben trotz Einladung fern. Sie wurden verzeigt.

Administrativ überfordert

Bei den säumigen Prämienzahlern handle es sich oft um Working Poor oder Personen, die im administrativen Bereich überfordert seien, erklärt Ivan Knobel. Viele hätten sogar Anspruch auf eine individuelle Prämienverbilligung. «Diese können sie dann aber nicht einfordern, weil sie ihre Steuererklärung nicht ausfüllen.» Auch die Unterstützung hierbei gehört deshalb zu den Aufgaben des Krankenkassen-Case-Managements.

Noch 112 Personen erfasst

Derzeit befinden sich 112 Personen aus Rickenbach auf der schwarzen Liste.

Oberstes Ziel der Gemeinde ist es, die Anzahl der Registrierten zu minimieren und damit die Kosten für die Allgemeinheit zu senken.