Neubau in Abklärung

Die Zukunft des katholischen Pfarrhauses in Degersheim ist noch ungewiss. Kürzlich hatten die Kirchbürgerinnen und Kirchbürger die Möglichkeit, das Haus zu begutachten.

Melanie Graf
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Sanieren oder Neubau? Das Pfarrhaus darf nicht verkauft werden. (Bild: mg.)

Sanieren oder Neubau? Das Pfarrhaus darf nicht verkauft werden. (Bild: mg.)

degersheim. An der Friedbergstrasse 4 in Degersheim hätte das katholische Pfarrhaus abgebrochen werden und Garagen und Parkplätzen weichen sollen. An der letztjährigen Kirchbürgerversammlung regte sich dagegen Widerstand. Daraufhin ging der Kirchenverwaltungsrat über die Bücher und reichte Ende Januar dem katholischen Administrationsrat in St. Gallen ein ausführliches Gutachten zur Liegenschaft ein.

Der Kirchenverwaltungsrat lud nun die Kirchbürgerinnen und Kirchbürger ein, sich nach dem Gottesdienst selbst ein Bild vom Zustand des Hauses zu machen. Die Kirchenverwaltungsräte Markus Stäheli, Jochen Velinsky und Stefan Müller öffneten den zahlreich erschienenen Interessierten das Haus und zeigten ihnen die Möglichkeiten auf.

Feucht und kalt

Eine Immobilienfirma hat das Haus auf rund 100 Jahre geschätzt. Das Haus sei in den letzten Jahren durch sanfte Renovationen ständig unterhalten und in einem «von aussen» anschaulichen Zustand erhalten worden, sagte Projektleiter Stefan Müller. Er zeigte die Zimmer im Erdgeschoss und auf zwei Etagen, die mit Platten oder Holztäfer verkleidet sind und teilweise über Parkettböden verfügen. Die Einbauküche ist über dreissigjährig. Die Gasheizung mit dem Baujahr 1987 wird nicht mehr abgenommen.

Das Dach der Garage ist undicht. Das Bruch- oder Sandsteinmauerwerk im Keller bröckelt. Der Keller selbst ist feucht und hat keine Entwässerung. Die Feuchtigkeit steigt auf. Die Isolationen sind schlecht oder kaum vorhanden. Kälte dringt ungehindert ins Haus. Die letzten Mieter sind deswegen ausgezogen. Am liebsten hätte die Kirchenverwaltung das Haus verkauft, sagte Müller. Doch der Verkauf der Liegenschaft wurde von der katholischen Administration in St. Gallen abgelehnt.

Sanieren wird teuer

Das Haus wird auf einen Verkehrswert von 442 000 Franken geschätzt. Die Kirchenverwaltung rechnet bei einer Grobsanierung im Bereich Keller, Fassade, Dach, Fenster, Garage, Heizung und Küche mit rund 209 000 Franken. Bei einer kompletten Energie-Sanierung, bei der zusätzlich die Zargen, die Innenwände, alle sanitären Anlagen, elektrischen Installationen und Decken hinzukommen, würde die Kirchenverwaltung rund 480 000 Franken berappen müssen. Dabei können die Räume nicht neu eingeteilt werden.

Gemäss Kirchenverwaltung, würden die Kosten der Sanierung kaum durch Mietzinseinnahmen gedeckt werden können. Müller brachte es auf den Punkt: «Das Haus wäre total saniert, und man hat trotzdem ein altes Haus». Die Kosten für Abbruch und Neubau sind derzeit noch in Abklärung.

Verkauf nicht sinnvoll

Auf Anfrage der Wiler Zeitung beim katholischen Administrationsrat in St.

Gallen, warum denn die Liegenschaft nicht verkauft werden könne, wurde folgende Auskunft erteilt: In der Eigenschaft als Aufsichtsbehörde über die Kirchgemeinden müsse der Administrationsrat die Entscheide über das Pfarrhaus aufsichtsrechtlich genehmigen. Der Administrationsrat habe im Dezember 2007 in einer einfachen Anfrage des Kirchenverwaltungsrates Degersheim seine Bedenken gegenüber einem Verkauf angemeldet. Das Grundstück liege unmittelbar neben der Kirche.

Ein Verkauf sei deshalb und ebenfalls im Hinblick auf zukünftige Bedürfnisse, beispielsweise Landreserven, nicht sinnvoll. Der Administrationsrat habe den Entscheid des Kirchenverwaltungsrates Degersheim, das Pfarrhaus abzubrechen und einige Parkplätze anzulegen genehmigt und die damalige Haltung des Kirchenverwaltungsrates unterstützt, wonach die Renovationskosten des Gebäudes in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen würden.

Die Kirchgemeinden seien autonom, die Bürgerschaft habe diesen Antrag des Kirchenverwaltungsrates damals nicht unterstützt und ihn beauftragt, ein neues Pfarrhaus zu projektieren. Der Administrationsrat hat dem Projekt am 24. Februar dieses Jahres seine aufsichtsrechtliche Genehmigung erteilt.

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