Fernwärmenetz
Arbeiten liegen im Fahrplan: Im Frühjahr 2022 fliesst Fernwärme von Bazenheid nach Kirchberg

Nach einer Bauzeit von gut acht Monaten sind die Rohre des ersten Teilstücks des Kirchberger Fernwärmenetzes Ende November fertig verlegt. Gebaut wird das Fernwärmenetz im Auftrag des Regionalwerks Toggenburg (RWT).

Beat Lanzendorfer
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Im Dorfteil Wolfikon wurden in diesem Jahr die Fernwärmerohre verlegt. Kommendes Jahr geht es im Kirchberger Zentrum weiter.

Im Dorfteil Wolfikon wurden in diesem Jahr die Fernwärmerohre verlegt. Kommendes Jahr geht es im Kirchberger Zentrum weiter.

Bild: Beat Lanzendorfer

Das erste Teilstück der Fernwärme Kirchberg geht im Frühjahr 2022 in Betrieb. Dieses hat eine Länge von 2850 Metern ab Fernwärmenetz Bazenheid. Es endet auf der Höhe der Elektro Zweifel & Co. AG in Kirchberg. Die Bauarbeiten dafür werden noch in diesem Monat abgeschlossen. Die hier erstellte Netztrennung wird für das zweite Teilstück benötigt, das ab kommendem Frühjahr gebaut wird.

Leitungen werden gespült und gereinigt

Laut Auskunft von RWT-Geschäftsleiter René Rüttimann handelt es sich bei den ersten 2850 Metern Leitungen, die ab ZAB und via Wolfikon nach Kirchberg verlegt worden sind, um einen verlängerten Arm des Bazenheider Fernwärmenetzes. Er sagt:

René Rüttimann, RWT-Geschäftsleiter.

René Rüttimann, RWT-Geschäftsleiter.

Bild: Beat Lanzendorfer
«Ab der Netztrennung werden wir ab nächstem Frühjahr ein ‹zweites› Fernwärmenetz bauen, das die Gähwiler-, Husen-, Neudorf- und Florastrasse sowie die neue Zentrumsüberbauung einschliesst.»

Das Gebiet, in dem dann Leitungen von einer Länge von 2150 Metern verlegt werden, umfasst rund 60 Liegenschaften.

Bevor aber der erste Netzteil freigegeben werden kann, wird er gespült und gereinigt und mit dem richtigen Wasser bestückt. Anschliessend werden die Leitungen warm gemacht. «Ab diesem Zeitpunkt können die Bezüger damit beginnen, ihre Heizung umzurüsten. Sie haben dann bis zum Beginn der neuen Heizperiode Zeit, ihre Liegenschaften an das Fernwärmenetz anzuschliessen», erklärt Rüttimann. Die Anwohner des zweiten, des «Kirchberger Netzes», können mit Start der Heizperiode im Herbst 2022 ihre Liegenschaft ebenfalls mit Fernwärme heizen.

Bisher keine nennenswerten Probleme aufgetreten

Beim Bau seien bisher keine Schwierigkeiten aufgetreten, alles verlief planmässig. «Die RWT musste sich aber an die vom Kanton auferlegten bodenbegleitenden Massnahmen halten. Dabei geht es darum, den landwirtschaftlich genutzten Boden zu schützen», sagt Rüttimann.

Die direkt betroffenen Anlieger hätten wegen der Baustellen teilweise Einschränkungen in Kauf nehmen müssen. «Wir sind auf sehr viel Verständnis seitens der Liegenschaftsbesitzer und der Anwohner gestossen.» Das kommende Jahr, wenn mitten im Dorf Kirchberg gebaut wird, dürfte für alle Beteiligten eine weitere Herausforderung werden.

«Das jetzige Teilstück ist im Grunde genommen abgeschlossen», sagt Rüttimann auf die Frage, ob man weiterhin auf den Fernwärmezug aufspringen könne. Man müsse bei Interesse nun jeden Fall einzeln anschauen.

Dasselbe gelte auch für Liegenschaften, die nicht unmittelbar am Fernwärmenetz liegen. «Es muss wirtschaftlich und technisch sinnvoll sein. Für einen Einzelnen in einem Quartier ist das kaum der Fall. Fernwärme ist ein Gemeinschaftswerk. Fernwärme ist eine zentrale Heizung für mehrere Nutzer.»

Weitere Ausbaupläne in den Jahren 2023 bis 2025

Beim Kirchberger Fernwärmenetz werden zurzeit alle Anstösser angefragt, ob sie jetzt oder zu einem späteren Zeitpunkt bei der Fernwärme mitmachen möchten. Dies sei im Besonderen bei der Gähwilerstrasse von Bedeutung: «Sie ist eine Kantonsstrasse, die wir nur einmal öffnen dürfen. Dafür erhalten wir eine Sonderbewilligung. Dabei müssen wir den Nachweis erbringen, dass wir vorgängig alle Hausbesitzer kontaktiert haben, um ihr Interesse an der Fernwärme zu eruieren.»

Die Entscheide müssen bis Ende Jahr gefällt werden, weil danach die Feinplanung beginnt. Das ist bereits jetzt nötig, denn der Beginn der zweiten Bauetappe ist um Ostern 2022 vorgesehen.

Der jährliche Bedarf an Fernwärme bei den ersten zwei Etappen entspricht ungefähr 4000 Megawattstunden, was in etwa dem Fahrplan entspricht. Die Kosten der beiden Netze werden mit sechs Millionen Franken veranschlagt. Dazu erklärt Rüttimann: «Ein Laufmeter Fernwärme wird mit rund 1000 Franken veranschlagt.» Mit weiteren Ausbauetappen in den Jahren 2023 bis 2025 möchte das Regionalwerk Toggenburg den jährlichen Absatz in Kirchberg auf rund 6000 Megawattstunden erhöhen.

Macht Fernwärme wirtschaftlich Sinn?

Bei den aktuell «explodierenden» Preisen für Öl und Gas stellt sich die Frage, ob es wirtschaftlich Sinn macht, fossile durch alternative Energie zu ersetzen. Einmal abgesehen vom ökologischen Aspekt.

Wer sich dazu entschliesst, auf Fernwärme zu setzen, bezahlt in der Gemeinde Kirchberg 10.7 Rappen pro Kilowattstunde (exklusiv Mehrwertsteuer). Dieser Preis ist während der nächsten 24 Jahre festgeschrieben.

Um einen Vergleich mit Öl/Gas zu erhalten, werden die sogenannten Wärmegestehungskosten errechnet, was eine Öl-/Gasheizung im selben Zeitraum kostet. Diese Berechnungen ergeben: Bei einem Öl- und Gaspreis von 84 Franken ist die fossile Energie gleich teuer wie Fernwärme.

Aktuell liegt der Gaspreis knapp unter 80 Franken, derjenige des Öls liegt über der 100-Franken-Marke. Anhand dieser Zahlen ist erkennbar, dass die Fernwärme nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll ist. (bl)

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