NECKERTAL: Zimmerarbeiten für Schwindelfreie

In den vergangenen Wochen leisteten Soldaten und Kader des Katastrophenhilfebataillons 4 (Kata Hi Bat 4) ihren Fortbildungskurs im Toggenburg. Dabei stellten sie in zwei Schreinereien die Bauelemente für den Baumwipfelpfad Neckertal her.

Urs M. Hemm
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Als Abstandhalter werden Gummiplatten auf die Gehroste geklebt.

Als Abstandhalter werden Gummiplatten auf die Gehroste geklebt.

Urs M. Hemm

urs.hemm@toggenburgmedien.ch

In der Holz Keller AG in Hemberg und der Egli Zimmerei AG in Oberhelfenschwil blieb in den vergangenen Wochen kein Stamm auf dem anderen. Überall wurde gesägt, gehobelt, gebohrt und geschraubt. Nicht aber von Angestellten der beiden Firmen, sondern von Angehörigen des Kata Hi Bat 4, welche während ihres Fortbildungskurses die Bauteile für den Baumwipfelpfad herstellen. Ihr Verbindungsoffizier zu den Gemeinden ist Hauptadjutant Marcel Brüngger, Führungshilfe des Kommandanten der Territorialregion 4 (Ter Reg 4) sowie Chef Unterstützungsleistungen der Armee für die Ter Reg 4. Er erklärt, warum es zu diesem Einsatz gekommen ist und wo der Nutzen für die Bevölkerung, aber auch für die Soldaten bei solchen Einsätzen liegt

Was genau stellen die Angehörigen der Armee (AdA, Kader und Soldaten) her?

Zurzeit werden durch unsere AdA die Stützen abgebunden. Das bedeutet, dass diese für den Einbau auf die Richtplatten, auf den Fundamenten, vorbereitet werden. Dies geschieht bei der Firma Holz Keller in Hemberg. Alle Gehwegelemente werden bei der Firma Egli Zimmerei in Oberhelfenschwil für den Einbau vorfabriziert, etwa 700 Stück.

Brauchten sie dafür eine besondere Einweisung?

Unsere Soldaten arbeiten grundsätzlich unter der Führung unserer eigenen Kader, also unserer Wachtmeister. Dabei werden sie von Fachpersonal der Holzbaufirmen technisch angeleitet. Sobald die Rettungssoldaten die Arbeitsabläufe verinnerlicht haben, arbeiten die Teams in der Regel selbstständig weiter.

Aus welchen Berufsgattungen rekrutiert die Armee hauptsächlich für die Katastrophenhilfe?

Den Genie- und Rettungstruppen werden hauptsächlich alle Arten von Handwerkern zugeteilt. In unserem Fall sind dies insbesondere holzbearbeitende Berufe wie Schreiner, Zimmerleute und Forstwarte. Es wird natürlich auch immer ein stattlicher Anteil an zukünftigen Akademikern in die Katastrophenhilfe-Formationen hinein rekrutiert.

Wie viele AdA sind zurzeit in den jeweiligen Schreinereien im Einsatz?

Bei der Firma Holz Keller sind ein Wachtmeister und fünf Rettungssoldaten im Einsatz. Bei der Firma Egli Zimmerei sind es ein Wachtmeister und sieben Soldaten. Total sind es 14 AdA.

Wie kam der Kontakt zwischen der Genossenschaft Baumwipfelpfad Neckertal und der Schweizer Armee zustande?

Die Genossenschaft Baumwipfelpfad Neckertal hat bei der Territorialregion 4 ein «Gesuch um Unterstützungsleistung der Armee» eingereicht. Dieses Gesuch wurde durch den Gemeinderat der Gemeinde Neckertal unterstützt. Aufgrund der idealen Ausbildungsvoraussetzungen für unsere beiden Kata Hi Bats im Bereich Holzbau hat Divisionär Hans-Peter Kellerhals, Kommandant der Ter Reg 4, den Antrag ebenfalls bewilligt und die angefragte Unterstützungsleistung unterstützt. Im weiteren Verlauf habe ich die Verantwortlichen der Genossenschaft und der Gemeinde kontaktiert und die Umsetzung der Unterstützungsleistung eingeleitet.

Was geschieht nachher mit den Holzelementen?

In einer zweiten Phase werden die Stützen am Einbauort in Mogelsberg mit einem Kran auf die Fundamente gesetzt und mit den Richtplatten verschraubt. Es werden die Längsbalken montiert und anschliessend die Gehwege aufgesetzt und verschraubt. Diese Arbeiten geschehen allesamt in schwindelerregenden Höhen. Ausgeführt werden sie während des Fortbildungsdienstes des Kata Hi Bat 23.

Leistet die Armee oft Einsätze für die Zivilbevölkerung?

Die Kata Hi Bat sowie die restlichen Genieformationen leisten auf Anfrage der öffentlichen Hand gelegentlich Unterstützungsleistungen. Dies sind vorwiegend kleinere Bauarbeiten, oft gepaart mit Einsätzen von Baumaschinen, Genie- und Rettungsgeräten. Alle Einsätze werden mit den regionalen Baumeisterverbänden abgesprochen. Um den Soldaten während ihren Kursen wertvolle Erfahrungen vermitteln zu können, müssen wir anspruchsvolle Arbeiten ausführen dürfen. Diese werden meist von den Kommunen zur Verfügung gestellt.