Naturkinder besuchen Schafzüchter

Der Natur so nahe sein, dass man ihren Herzschlag spürt: Zwei Lämmer sorgten bei den Kindern der Naturkindergruppe Fischingen für pochende Herzen.

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FISCHINGEN. Die Begrüssung in Buhwil fällt kurz aus und die sieben Kinder sind froh, ins Trockene zu kommen, während die andere Hälfe der anwesenden Kinder dem Schafzüchter Fabian Klaus in den Stall folgt. Es sind alles Buben, die den Stall vorziehen und für die Fabian Klaus noch einiges zu tun hat: aufräumen und bei den Schafen neues Stroh einstreuen.

Sauerkraut zum Zmittag

Für die zehn Mutterschafe ist der Kinderbesuch ungewohnt. Auch haben sie Hunger und möchten ihr Futter bekommen. Fabian Klaus bringt eine weisse, runde Kugel Silofutter und erklärt den Kindern, dass die Schafe am heutigen Tag zum erstenmal Silofutter kriegen und dass sie bis jetzt immer noch draussen waren und Gras gefressen haben. Justin ist erstaunt, dass Schafe dieses stinkige Futter, das fast so riecht wie Sauerkraut, gerne mögen. «Ich zumindest habe Sauerkraut nicht gern», sagt er. Der Schafzüchter, der früher mal Landwirt war, später aber auch noch Gärtner lernte und heute eine eigene Gartenbaufirma betreibt, erzählt den Kindern, dass seine zehn Dorperschafe aus Südafrika stammen und erst seit ungefähr zehn Jahren in der Schweiz gezüchtet werden. Im Thurgau gebe es nur wenige von ihnen. Diese Schafe gedeihen in extensiv bewirtschafteten Gebieten gut und der Fleischgeschmack sei nicht so ausgeprägt wie bei heimischen Schafen. Die Dorperschafe haben alle einen schwarzen Kopf und einen hellen Körper.

Welches Herz pocht schneller?

«Ich höre sein Herz schlagen», sagt Alissa leise und drückt das erst einige Wochen alte Lämmchen an sich. «Es pocht viel schneller als mein Herz», erzählt sie ihren Freundinnen, die sich nicht getrauen, das Lamm zu halten, das ihnen Fabian Klaus hinhält. Schön habe es zugenommen, sagt er, und mit ihm auf die Waage. Er notiert ins Zuchtbuch 15 Kilo. Für etwa fünf Monate lässt er die Lämmer bei ihren Müttern. Später entscheidet er, welche zum Metzger müssen und welche bei ihm in Buhwil bleiben können.

Filzige Sterne als Geschenk

Im Stübli, oben in der Scheune, ist es gemütlich warm. Auf dem Tisch liegen Schafwolle in vielen Farben, Guezli-Ausstecher, Nadeln, Faden und Perlen. Die Kinder lauschen gespannt, wie ihnen Sabrina Klaus, die Leiterin der Naturkindergruppe Fischingen, erklärt, wie man aus Schafwolle einen Schlüsselanhänger oder Christbaumschmuck bastelt. Filzen heisst das Zauberwort, und schon sind die Kinder emsig am Stechen und verzieren die filzigen Sterne und Herzen mit glänzenden Perlen. (rb.)