Schwarzfahrer aufgepasst! Auch Wil Mobil macht bei der nationalen Datenbank mit

160'000 Personen sind in der Schweiz täglich ohne Ticket unterwegs: Wie Wil Mobil mit der Problematik umgeht.

Gianni Amstutz
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Die meisten ÖV-Nutzer auf dem Streckengebiet von Wil Mobil haben einen gültigen Fahrausweis.

Die meisten ÖV-Nutzer auf dem Streckengebiet von Wil Mobil haben einen gültigen Fahrausweis.

Bild: Archiv

Schwarzfahrer müssen sich warm anziehen. Durch die Einführung einer nationalen Datenbank können sie im Wiederholungsfall härter bestraft werden. Auch Wil Mobil macht bei der nationalen Datenbank mit, bestätigt Hans Koller, Leiter Markt, auf Anfrage.

Doch was bedeutet die Änderung für Passagiere konkret? Wer beim Schwarzfahren in Genf erwischt wird, erhält einen Eintrag in der Datenbank. Wird dieselbe Person auch in Wil ohne gültiges Billett kontrolliert, gilt sie als Wiederholungstäter – und solche werden härter bestraft.

«Es gibt neu eine einheitliche Staffelung der Bussen», sagt Koller. Das erste Vergehen kostet 100 Franken, das zweite 140 und Dreifachtäter bezahlen 160 Franken. Zwei Jahre nach einer Schwarzfahrt werden die Daten wieder gelöscht und man startet mit einer reinen Weste.

2,5 Prozent haben kein gültiges Billett

Die Praxis, dass Schwarzfahrer in einer Datenbank registriert werden, ist indes nicht neu. Der Tarifverbund Ostwind habe bereits vorher eine gemeinsame Datenbank geführt, sagt Hans Koller. Nun werde das eben auf nationaler Ebene gemacht.

Ansonsten ändert sich nichts an der gängigen Praxis der Kontrollen auf den Linien von Wil Mobil. Auf diesen sei Schwarzfahren ein verhältnismässig kleines Problem. So können bei den Kontrollen nur rund 2,5 Prozent aller kontrollierten Fahrgäste kein gültiges Billett vorweisen.

«Jeder fünfte von diesen 2,5 Prozent ist aber eigentlich kein Schwarzfahrer, sondern hat beispielsweise sein Abonnement vergessen», sagt Koller. Für diese habe die neue Praxis keine Auswirkungen. Wenn sie ihr Abo innerhalb von zehn Tagen an einem Schalter vorweisen, kommen ihre Daten nicht in die Schwarzfahrerliste.

Die Kontrollen führt Wil Mobil nicht selbst durch. Das übernehmen Angestellte der Regionalbahn Thurbo. Die Zweierteams sind pro Jahr während rund 2000 Stunden im Einsatz in und um Wil.

Wo und zu welchen Zeiten besonders häufig Billettkotrollen stattfinden, will Hans Koller aus naheliegenden Gründen nicht preisgeben. Nur so viel:

«Stellen wir fest, dass auf einer Strecke oder an bestimmten Tagen viele Schwarzfahrer unterwegs sind, werden die Kontrollen verstärkt.»

Anderseits achte man auch auf eine ausgeglichene Verteilung der Kontrollen, sodass kein klares Schema erkennbar sei.

Bereits Fünfjährige landen in der Datenbank

Für Kritik an der Erfassung der Personalien in der nationalen Datenbank sorgte der Umstand, dass auch Kinder darin landeten, genauso wie ältere Personen oder Touristen, die ein falsches Ticket gelöst hatten. Hans Koller sind auf dem Streckennetz von Wil Mobil keine solchen Fälle bekannt.

Er sagt: «Gerade was Kinder angeht, sind die Kontrolleure natürlich angehalten, Kulanz zu zeigen.» Dass, wie in Schaffhausen geschehen, bereits Fünfjährige als Schwarzfahrer in der Datenbank registriert werden, widerspreche dem gesunden Menschenverstand wie auch dem Ziel des Systems, sagt Koller. Dabei habe es sich sehr wahrscheinlich um eine «unglückliche Situation» gehandelt, die so nicht vorkommen sollte, sagt Koller.

«Bei der neuen Datenbank geht es um notorische Wiederholungstäter und nicht um einmalige Schwarzfahrer.» Kunden von Wil Mobil, die sich bei Kontrollen ungerecht behandelt fühlten, hätten zudem die Möglichkeit, ihren Fall dem Service Center zu schildern. Das führe oftmals zu einer Lösung.

Kontrolleure haben nur begrenzte Rechte

Für die Kontrolleure selbst ist es hingegen schwierig, einfach mal ein Auge zuzudrücken. «Grundsätzlich müssen sie die Regeln durchsetzen», sagt Koller. Polizisten seien sie deswegen aber nicht – schon aus rechtlicher Sicht. Rennt beispielsweise ein Schwarzfahrer bei einer Haltestelle kurzerhand davon, müssen ihn die Kontrolleure wohl oder übel ziehen lassen. Ein Festhalterecht gebe es nicht, so Koller.

Auch die Bussen, die für Schwarzfahrer ausgestellt werden, sind eigentlich keine im rechtlichen Sinn. Vielmehr handelt es sich dabei um Zuschläge, die das Transportunternehmen erhebt. Bezahlt werden müssen sie indessen trotzdem.

Der Unterschied liegt darin, dass das Geld in die Kassen der Transportunternehmen fliesst. Eine goldene Nase verdient sich Wil Mobil damit aber nicht, wie Koller sagt. Im Gegenteil: Die Ausgaben für die Löhne der Kontrolleure und die Administration übersteigen die Einnahmen. Trotzdem lohnen sich die Kontrollen in der Gesamtbetrachtung für Wil Mobil.

Der Grund ist einfach: «Würden wir gar keine Kontrollen durchführen, würde wohl bald niemand mehr für sein Billett bezahlen», sagt Koller.