NAMENSVETTER: Ein Dorf lässt die Stiefel fliegen

Münchwilen gibt es auch in klein: Dieses liegt im Kanton Aargau. Der Gemeindeammann erzählt, wieso es sich in seiner Gemeinde gut leben lässt, und berichtet vom regen Kontakt mit dem «grossen Münchwilen».

Jonas Manser
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Die im Jahr 1110 erbaute Kapelle St. Ursula ist das Wahrzeichen von Münchwilen AG. (Bild: PD)

Die im Jahr 1110 erbaute Kapelle St. Ursula ist das Wahrzeichen von Münchwilen AG. (Bild: PD)

Jonas Manser

jonas.manser@wilerzeitung.ch

«Klein und fein in Münchwilen daheim». So lautet der Werbespruch der Gemeinde Münchwilen im Kanton Aargau. Der Namensvetter des «grossen Münchwilen» ist tatsächlich klein: Gemäss aktuellster Volkszählung sind 915 Personen in der Gemeinde am Nordfuss der Jurakette zu Hause. «Angesiedelt mitten im Fricktal, sehen wir uns als Bindeglied zwischen den angrenzenden Bezirken. Bis vor 50 Jahren hätte man unser Münchwilen noch als Bauerndorf bezeichnet. Mittlerweile sind wir zu einem Industriedorf geworden», stellt Gemeindeammann Willy Schürch seine Gemeinde vor. Der Wechsel sei von den vielen grossen Chemieunternehmen hervorgebracht worden, welche sich in Münchwilen niedergelassen hätten.

Wahrzeichen der Gemeinde ist die Kapelle der St. Ursula, welche mit der Gründung der Gemeinde um 1110 in Verbindung gesetzt wird. Der genaue Ursprung des Dorfes sei nicht klar, heisst es auf der offiziellen Homepage des kleinen Münchwilen. Aber bereits den Römern und Alemannen sei das Gebiet bekannt gewesen.

Mit den Deutschen pflege die Gemeinde eine gute Beziehung, sagt Schürch. Nicht zuletzt auch wegen des «Einkaufstourismus’», den die Einwohner beinahe gezwungenermassen auf sich nehmen. «Wir haben bei uns seit sechs Jahren keinen Dorfladen mehr. Die Einwohner erledigen Einkäufe unter anderem in Deutschland», so der Gemeindeammann. Allgemein sei das Verhältnis ein wenig speziell: «Wir haben viele Grenzgänger, welche bei uns in der Gemeinde arbeiten und in Deutschland wohnhaft sind.»

Stiefelweitwurf und das Vereinsleben

Münchwilen im Aargau bezeichnet sich selbst als «Dorf, in dem es sich leben lässt». Tatsächlich scheint in der Gemeinde einiges los zu sein. So wird diesen Sommer zum ersten Mal ein Stiefelweitwurf-Wettkampf von der ­lokalen Feuerwehr organisiert. «Die Idee, einen solchen Wettkampf zu veranstalten, war eine reine Stammtischangelegenheit», sagt Schürch. Was das Vereinsleben anbelange, so haben der örtliche Turnverein, der Frauenchor und die Schützengesellschaft die meisten Mitglieder. «Bei uns läuft immer etwas, das Dorfleben ist intakt», beschreibt Schürch die Lebensqualität seiner Gemeinde. «Die Aussicht ist wunderbar, man ist nahe am Wald, Fluglärm haben wir keinen.» Auch politisch gesehen sei es ruhig bei ihnen. Ausser ein paar Altlasten, die in den 60er-Jahren beim Strassenbau entstanden, würde sich der Gemeinderat vor allem mit überkantonalen Themen befassen.

Mit dem «grossen Münchwilen» verwechselt

«Verwechslungen gibt es immer wieder», erzählt Schürch. Es habe zum Bespiel einen Fall gegeben, wo ein Lastwagen am Freitagabend in Münchwilen ankam und seine Waren abladen wollte – leider im falschen Kanton. Oder Anfragen für ein Altersheim, wovon es in der Aargauer Gemeinde keine gibt. Um solche Missverständnisse zu verhindern, wurde eigens eine gemeinsame Internetseite beider Münchwilen aufgeschaltet. Wer im Webbrowser www.münchwilen.ch eintippt, kommt zuerst an eine «Weggabelung», wo zwischen den beiden Münchwilen ausgewählt werden kann: Links ist das Münchwilen im Thurgau mit Wappen und Gerichtshaus abgebildet, rechts das Wappen des Münchwilen im Aargau mit der Kapelle St. Ursula. Darüber hinaus herrsche regelmässiger Kontakt zwischen den gleichnamigen Gemeinden. So würden oft ­Seniorenausfahrten ins «grosse Münchwilen» gemacht, sagt Schürch.