Nachhilfe für die digitalen Immigranten

Für die elegant gekleidete Dame mit markant aufgetragenem Lippenstift ist der Handykurs bereits vorbei, bevor er überhaupt begonnen hat. Ihr Manko: Sie besitzt das falsche Smartphone.

Donat Beerli
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Kursleiter Andy Breda und die Teilnehmer Beat Lütolf und Ursula Frei diskutieren über die Vorzüge eines elektronischen Kalenders. (Bild: Donat Beerli)

Kursleiter Andy Breda und die Teilnehmer Beat Lütolf und Ursula Frei diskutieren über die Vorzüge eines elektronischen Kalenders. (Bild: Donat Beerli)

Für die elegant gekleidete Dame mit markant aufgetragenem Lippenstift ist der Handykurs bereits vorbei, bevor er überhaupt begonnen hat. Ihr Manko: Sie besitzt das falsche Smartphone. An diesem Morgen werden in den Räumen der Pro Senectute in Uzwil nur Probleme von Android-Benutzern (Google-Handys) besprochen. Pech für die iPhone-Käuferin (Apple), hinzu gelernt hat sie aber trotzdem: Ein iPhone ist zwar ein Smartphone, was aber nicht heisst, dass jedes Smartphone auch ein iPhone ist.

Die Hürde dieser kniffligen Terminologie haben die anderen Smartphone-Senioren schon länger übersprungen. Messaging-Dienste wie What's app, das Handling der Kamera, die SBB-Applikation für den Fahrplan, das alles ist bei ihnen in den letzten eineinhalb Jahren Usus geworden. Doch Technologie entwickelt sich weiter. «Da weiss man mal, wie die Grundlagen funktionieren, und dann kommt schon wieder die nächste Entwicklung», sagt Teilnehmer Beat Lütolf. Sein Ziel am heutigen Tag ist die Installation einer QR-Code-Applikation. Mit dieser App kann ein Handynutzer einen speziellen Barcode scannen, anhand dessen er dann direkt auf eine Internetseite weitergeleitet wird. Die SBB arbeiten zum Beispiel mit solchen Codes. «Bevor ich nicht weiss, wie das geht, gehe ich nicht weg», sagt Lütolf.

Andy Breda, ehemaliger Informatiker und heutiger Kursleiter, kennt sich bestens aus. Er hat den Bildschirm seines Tablets mit einem Beamer an die Wand projiziert und geht mit den Teilnehmern die notwendigen Schritte durch. Lütolf schaut konzentriert auf die Leinwand und versucht, die Schritte gleichzeitig auf seinem Smartphone nachzumachen. Es folgen ein paar erfolglose Versuche, aber nur fünf Minuten später ist die App auf seinem Smartphone. Sofort wird sie angewendet – der Barcode auf einem Brief der Technischen Betriebe wird gescannt. «Genial, es funktioniert», sagt der Pensionär, lacht und fügt an: «Die Lösung ist immer einfach, man muss nur wissen, wie.»

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