Nachhaltigkeit ist unbestritten

Gestern traf der Tour-de-Suisse-Tross in Biel ein und wird heute nach Düdingen weiterfahren. Die sechste Etappe startete gestern in Wil und die vierte Etappe endete vor drei Tagen mit einer Ankunft in Schwarzenbach.

Urs Nobel
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Von diesen Fahrern wissen am Abend wahrscheinlich nur noch wenige, wo sie gestartet sind. (Bild: Urs Nobel)

Von diesen Fahrern wissen am Abend wahrscheinlich nur noch wenige, wo sie gestartet sind. (Bild: Urs Nobel)

WIL. In der Region wird die Etappenankunft vom Dienstag in Schwarzenbach oder der gestrige Start bei der Camion Transport AG in Wil noch eine Weile in Erinnerung bleiben. Über 5000 Zuschauer waren in Schwarzenbach zugegen, rund 2000 – inklusive der 470 am Rahmenprogramm teilnehmenden Kinder – bevölkerten den Startort. Hinzu kommen mehrere tausend Kiebitze, die sich am Dienstag auf der Zusatzschlaufe verteilten und für eine grossartige Stimmung sorgten.

In den Bergen abgeschaltet

Das Organisationskomitee der Etappenankunft in Schwarzenbach weilte gestern geschlossen am Startort. Alle trugen gelbe T-Shirts und unterschieden sich fast nicht von den rund 160 Helfern auf dem Camion-Areal. Helfen musste das OK aber nicht. Dessen Präsident Stefan Frei gab sich deshalb entspannt. Nichts deutete mehr auf den Stress hin, den er an «seinem» grossen Tag hatte. «Ich ging am Mittwochabend in die Berge und absolvierte einige Höhenmeter. Dies hat mir geholfen, herunterzufahren und heute die Veranstaltung zu geniessen.»

Alle leisteten einen Beitrag

Stefan Frei konnte auch bereits eine Bilanz der Etappenankunft ziehen. Dem Veranstalter sei alles gelungen, was er sich vorgenommen habe. Ein Riesenglück sei gewesen, dass es trocken blieb und die Temperaturen mild gewesen seien. Reklamationen, dass Schwarzenbach den ganzen Tag für eine Zu- oder Durchfahrt gesperrt gewesen ist, seien ausgeblieben. «Alle haben gesehen und miterlebt, was wir für ein Volksfest feierten, und waren sogar etwas stolz, dass sie dazu etwas beigetragen haben.» Einen grossen Beitrag zum Gelingen haben vor allem die Mitglieder von 16 Dorfvereinen geleistet. Frei zeigte sich beeindruckt über diese Solidarität und meinte, dass ein derartiger Zusammenhalt ein Grund sei, bei einer anderen Gelegenheit wieder einmal einen schönen Dorfanlass zu organisieren.

Unbezahlbare Präsentation

Nach derartigen Veranstaltungen wie der Etappenankunft in Schwarzenbach oder dem Startort in Wil hofft man selbstredend auf eine gewisse Nachhaltigkeit, auf dass auf irgendeine Weise etwas zurückkommt. Stefan Frei und die Wiler Stadtpräsidentin Susanne Hartmann sind sich einig, dass vor allem die Region profitiert: «Am Dienstag konnte sich unsere Gegend rund 100 Minuten im Fernsehen präsentieren. So etwas ist unbezahlbar.» Susanne Hartmann war gestern auf der Anlage der Camion Transporte AG erstaunt und erfreut, wie diszipliniert sich die 470 Kinder, welche am Velotag teilnahmen, gaben. Sie war aber auch beeindruckt, welche Infrastruktur der Veranstalter bereitstellte und wie er die Logistikprobleme gelöst hatte. Die Stadt Wil sei von den Tour-de-Suisse-Veranstaltern auch angefragt worden, ob sie interessiert sei, einen Etappenstart zu organisieren. Die Stadt wäre aber nicht in der Lage gewesen, den Aufwand einer derartigen Grossveranstaltung selber zu stemmen. «Wir haben der Camion Transport AG aber immerhin mit personellen Ressourcen und einem Kostenbeitrag geholfen.»

Leistungsfähige Festwirtschaft

Waren die Kinder die Hauptakteure des gestrigen Morgens, so zog in der Folge immer mehr der etwas zu früh eintreffende Tourtross das Interesse der Zuschauer auf sich. Zeitweise ging es auf dem Areal wie in einem Bienenhaus zu und her. Als kurz vor Mittag leichter Regen einsetzte, konnte auch die Festwirtschaft im grossen Zelt ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen. Zunehmend galt das Interesse aber wieder dem, was draussen passierte. Gegen 13.20 Uhr setzte sich der Begleittross in Bewegung, ehe sich kurz darauf auch die Pedaleure auf die 193,1 Kilometer lange Strecke nach Biel machten.

Viele fröhliche Kinder

Damit war die Arbeit des Organisationskomitees und der Helfercrew aber noch nicht beendet. Sofort machten sich alle daran, die Infrastruktur wieder zurückzubauen, damit die eintreffenden eigenen, aber auch fremden Lastwagen wieder ent- oder beladen werden konnten.

Franz Meienhofer erledigte noch die schöne Aufgabe der Rangverkündigung des Velotages für die Kinder, bevor auch er alles wieder etwas ruhiger nehmen und eine erste Bilanz ziehen konnte: «Wir konnten am Velotag viele fröhliche Kinder erleben, die etwas Spezielles erlebt haben. Die Fahrzeuge des Tourtrosses kamen zwar früher als geplant, und es galt, etwas zu improvisieren. Meine Crew hat das aber mit Bravour erledigt. Unser Organisationsplan ist gegen 95 Prozent so aufgegangen, wie wir es vorgesehen haben.» Meienhofer dementierte das Gerücht, dass die Camion Transporte AG diesen Anlass mangels anderer geeigneten Veranstalter gratis habe übernehmen können. «Obwohl wir schon seit zehn Jahren Camions für die Tour de Suisse zur Verfügung stellen, haben wir dasselbe bezahlt wie andere auch.» Er sieht die Nachhaltigkeit nicht zuletzt wegen des Velotags der Kinder darin, dass mit dem gestrigen Anlass die Lastwagenbranche ihr etwas angekratztes Image aufpolieren konnte.