Nach Zwangsferien in der Schweiz: Der «Chinese» ist wieder zu Hause

Walter Herzog musste wegen des Coronavirus in der Schweiz Zwangsferien verbringen. Nun ist er wieder in China.

Michael Hug
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Walter Herzog anlässlich seiner Ferien in der Schweiz Anfang Februar.

Walter Herzog anlässlich seiner Ferien in der Schweiz Anfang Februar.

Bild: Michael Hug

«Wir sind wieder in China», schreibt Walter Herzog per E-Mail. Endlich, meint der Auswanderer, könne er seinen Betrieb wieder hochfahren und Umsatz erwirtschaften. «Es ist klar, dass das Geschäft nicht die Zahlen ausweist, die budgetiert waren. Wir werden jedoch das Virus überleben, davon bin ich überzeugt.»

Walter Herzog und seine Familie verbrachten gerade zwei Monate Zwangsferien in der Schweiz – eigentlich waren zwei Wochen geplant. Als die Familie Mitte Januar in die Schweiz flog, verliess sie China im Ausnahmezustand. Mit der Ausrufung des ausserordentlichen Zustands in der Schweiz flog man sozusagen vom Regen in die Traufe.

Standort für asiatischen Markt

Walter Herzog zog vor 13 Jahren nach Ningbo im Osten Chinas, um dort einen Zweigbetrieb der Herzog AG aufzubauen: «Wir beliefern von China aus den asiatischen Markt. In der Marktnische, in der wir uns bewegen, ist es wichtig, nahe bei den Kunden zu sein», sagt der von seinen Freunden «der Chinese» genannte älteste der drei Herzog-Brüder. Die Herzog AG in Flawil ist nach eigenen Angaben Marktführer im Zubehörgeschäft für Spritzgussmaschinen und beliefert alle namhaften Hersteller weltweit.

Jedes Jahr im Januar, jeweils zur Zeit des chinesischen Neujahrs, steht der Betrieb wie alle anderen Unternehmen in China für zwei Wochen still. Das war heuer genau zu der Zeit, als die Coronaepidemie in China ihrem Höhepunkt zusteuerte. Die Betriebsferien verlängerten sich dadurch um drei auf fünf Wochen.

Als die Familie Herzog Mitte Januar in Shanghai abflog, gab es noch keine Reiserestriktionen. Doch Tage bevor Herzog, seine Frau und der zehnjährige Sohn wieder zurückwollten, stellte die Swiss und andere Airlines ihre Flüge nach China ein.

Seit drei Wochen wird im Betrieb wieder gearbeitet

«Vor drei Wochen haben unsere Mitarbeiter den Betrieb wieder aufgenommen», sagt Walter Herzog, «die Coronaepidemie ist in China seit einer Weile am Abebben.» Nun, zwei Wochen später, ist es Herzog gelungen, für sich und seine Familie einen Flug nach Ningbo zu buchen: «Aber wir wurden vom Flugzeug direkt nach Hause in die Quarantäne gefahren.» Die Quarantäne daure im besten Fall drei Wochen, berichtet Herzog: «Heute hat ein Doktor reingeschaut und von uns Speichelproben für den Virustest entnommen. Ist der Test negativ, dann können wir raus und uns frei bewegen.» Jedoch nur mit Mundschutz, das sei immer noch Pflicht, so der Rückkehrer.

Begegnungen nur mit Abstand

Herzog sagt zur Lage in China: «Die Schulen bleiben weiterhin geschlossen. Läden, Shoppingcenter, Restaurants sind wieder offen. Aber – Begegnungen, das Sprechen miteinander nur im Virusabstand.» Die Schulkinder werden weiterhin online unterrichtet. Nun hofft «der Chinese», als Chef und Letzter im Betrieb mit 20 Mitarbeitenden, die Arbeit bald wieder aufnehmen zu können. Es gelte, das Geschäft wieder zum Laufen zu bringen, auch wenn er weiss, dass der für dieses Jahr vorgesehene Umsatz wohl nicht erreicht werden kann. Doch, und damit meint Herzog nicht nur die vom Virus durchgeschüttelte Gesellschaft Chinas, sondern auch seinen Betrieb: «Wir werden das Virus überleben, davon bin ich überzeugt.»