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Nach Ruedi Schärs Rücktritt aus dem Wiler Stadtparlament: Die Kultur kann weiter auf ihn zählen

Während mehr als einem Dutzend Jahre sass Kulturförderer Ruedi Schär für die CVP im Stadtparlament. Nun ist er zurückgetreten. Aber aus der Öffentlichkeit verschwinden wird er deswegen noch lange nicht.
Richard Clavadetscher
Ruedi Schär in der Oberen Bahnhofstrasse in Wil: Die Ferne hat ihn durch all die Zeit nie gelockt. (Bild: Richard Clavadetscher)

Ruedi Schär in der Oberen Bahnhofstrasse in Wil: Die Ferne hat ihn durch all die Zeit nie gelockt. (Bild: Richard Clavadetscher)

Es war lediglich ein Rücktritt – kein Abschied. Als Ruedi Schär an der letzten Sitzung des Stadtparlaments bekannt gab, nicht mehr der kommunalen Legislative angehören zu wollen, wussten alle im Raum, dass sie «den Ruedi» deswegen künftig nicht weniger oft sehen würden. Denn der 66-Jährige, der da während dreizehneinhalb Jahren mit ihnen zusammen politisierte und sich vorab in der Bau- und Verkehrskommission sowie in der Kulturkommission engagierte, ist in Wil omnipräsent. Dies insbesondere, wenn es um die Kultur und den Tourismus geht. Wer entsprechende Veranstaltungen besucht, tut sich schwer, nicht auf Ruedi Schär zu stossen.

Unermüdlicher Organisator

Ob es nun um das Classic Open Air, die Altstadtserenade, den 30 Kilometer langen und von sportlich Ambitionierten geschätzten Weg rund um Wil, den Wiler Turm oder um weitere Aktivitäten und Attraktionen geht, stets stösst man auf den Namen Schär, stets hat er eine Sache initiiert oder mindestens mitgeprägt und gefördert. Und stets tat er dies auf die ihm eigene bescheidene Art. Eitelkeit geht ihm ab.

So dürfte Ruedi Schär denn die Stirn gerunzelt haben, als die Medien aus Anlass seines Rücktritts, sein kulturelles und touristisches Engagement lobend, ihn reichlich ungelenk, aber wohlmeinend als «Stück Wiler Kulturgut» und als «Stadtoriginal» bezeichneten. Stadtoriginal ist Schär aber gerade nicht: Das Seltsame, das Kauzige, das Skurrile, das Exzentrische – all dies geht ihm ab.

Hingegen darf man sagen, dass der Mittsechziger für die Stadt Wil Gold wert ist. Ohne ihn, den unermüdlichen Organisator und Motivator, wäre das kulturelle Leben der Äbtestadt heute zweifellos ärmer.

Ob es am zweiten Vornamen liegt?

Woher aber kommt dieser unbedingte Wille, sich in diesem Bereich für die Stadt zu engagieren? Schär hat eine augenzwinkernde Begründung: «Im Unterschied zu meinem älteren und meinem jüngeren Bruder, denen die Eltern ganz normale zweite Vornamen gaben, lautet meiner Pankraz.» Nun sei Pankraz bekanntlich der Stadtheilige von Wil. Vor diesem Hintergrund verwundere es ja wohl nicht weiter, wenn sich ein Rudolf Pankraz Schär für die Stadt einsetze.

Über den Namen Pankraz hinaus gibt es indes auch handfestere Gründe für Schärs Engagement zum Wohl der Stadt: Er ist im Hof aufgewachsen, wo seine Eltern das Museum betreuten. Dieses Museum habe ihn schon als Bub interessiert: «Wenn andere Karl May lasen, ging ich ins Museum und stöberte in den Büchern, die es dort gab.» Nach dem Tod der Eltern führte Schär dann lange Zeit das Museum. So «erstöberte» sich Schär erst als Bub und später als Erwachsener viel Wissen über die Stadt – Wissen, das ihm auch heute noch dienlich sei, wenn er Stadtführungen mache.

Den Kontakt mit der Kultur im engeren Sinn und insbesondere zur klassischen Musik verdankt Ruedi Schär jedoch einem Schlüsselerlebnis: Sein älterer Bruder habe ihn zu einem Vortrag des damaligen Musikdirektors Max Wirz mitgenommen. Wirz habe Smetanas Moldau erklärt – und den jungen Ruedi damit begeistert. Die Begeisterung hält bis heute an.

Die Liebe zum Theater wiederum entdeckte er eher zufällig – als Statist bei szenischen Aufführungen an einem Studentenfest. Da stellte sich Schär offenbar so geschickt an, dass er es dann bei der Theatergesellschaft zum Regieassistenten und Inspizienten brachte.

Er kann nicht Nein sagen

Ins Kulturleben sei er nach und nach hineingewachsen, sagt Schär rückblickend. Und er meint dabei das Kulturleben von Stadt und Region Wil. Stets war es Freizeit, die der gelernte Radioelektriker für seine Passion investierte. Er könne halt nicht Nein sagen, meint er mit Blick auf seinen noch heute vollen Terminkalender, und er sieht dies nicht als Charakterschwäche – im Gegenteil: «Wer nie Nein sagt, kriegt selber auch kein Nein, wenn er einmal etwas von andern will.» Bei seinem kulturellen Engagement hat Schär die Ferne nie gelockt – das ganze Leben lang nie. Ein Engagement als Regieassistent in Wien hat er vor Jahren ausgeschlagen. Wien sei ihm zu abgelegen, scherzt er. Schär lobt stattdessen das für eine Kleinstadt sehr vielfältige Wiler Kulturleben, und er verweist nicht ohne Stolz darauf, dass hier Entstandenes andernorts aufgenommen und weiterentwickelt worden ist. Als Beispiel nennt er die St. Galler Festspiele, die sich von Wil hätten inspirieren lassen.

Wer so viel Engagement und Treue zeigt, entkommt auf die Dauer auch einer Auszeichnung nicht: Ruedi Schär erhielt vor zwei Jahren den mit 10000 Franken dotierten Wiler Kulturpreis. Die Bedeutung dieser Vergabe erschliesst sich aus dem Umstand, dass der Preis zuvor fast ein Jahrzehnt nicht mehr ausgelobt worden ist.

Agenda bald schon wieder voll

Wer sich in Wil über Ruedi Schär erkundigt, erfährt schnell, dass «der Ruedi» ein netter und friedliebender Mensch sei, der mit allen könne. Schär selber sieht sich auch so. Umso mehr muss ihn der Knatsch um die Neuausrichtung beim Tourismus getroffen haben, wo er sich plötzlich im Zentrum der Auseinandersetzung zwischen der Stadt und dem entsprechenden Verein befand. Nun, nach zwei Jahren, grüsse man sich wenigstens wieder, sagt Schär, der damals als Interimspräsident des Vereins zurücktrat und heute als Angestellter der Stadt im entsprechenden Infocenter mit einem Teilpensum arbeitet.

Wenn nun die zeitliche Belastung durch das Stadtparlament wegfällt, gewinnt Ruedi Schär etwas mehr Freizeit, kann er es ruhiger angehen. Das sei auch dringend nötig, sagt er. In den vergangenen drei Wochen etwa habe er nämlich nicht einen einzigen Abend zu Hause verbracht: Sitzungen und nochmals Sitzungen. Nun habe er wieder Zeit für neue Ideen und Projekte, so Schär.

Geht es um Freizeit und Musse, stellen jene, die ihn kennen, Ruedi Schär allerdings keine gute Prognose: «Die leeren Stellen in der Agenda wird Ruedi im Nu wieder gefüllt haben. Er fühlt sich sonst nicht wohl.»

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