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Nach mehreren Jahrzehnten wird Tag der Frau in Wil wieder zelebriert: Doch der Weg zur Gleichstellung ist noch lang

Erstmals seit den 80er Jahren wird in Wil am 8. März der Tag der Frau wieder zelebriert. Denn die Probleme, mit welchen sich die Frauen vor 30 Jahren konfrontiert sahen, existieren indes noch immer.
Gianni Amstutz
Das OK des «Wiler Tag der Frau», von links: Doris Scheiflinger, Monika Paminger, Erwin Sulzer, Renata Ruggli, Marianne Mettler, Miriam Schildknecht, Anja Bernet und Mirta Sauer. (Bild: Gianni Amstutz)

Das OK des «Wiler Tag der Frau», von links: Doris Scheiflinger, Monika Paminger, Erwin Sulzer, Renata Ruggli, Marianne Mettler, Miriam Schildknecht, Anja Bernet und Mirta Sauer. (Bild: Gianni Amstutz)

Am 8. März ist Tag der Frau. Ein Tag mit einer über hundertjährigen Tradition, der symbolisch für den Kampf für die Gleichstellung von Frau und Mann steht. Seit 1981 ist diese zwar in der Schweizer Verfassung verankert, doch die Realität sieht fast 30 Jahre später immer noch anders aus. Daran änderte auch das Gleichstellungsgesetz von 1996 wenig.

Letztmals wurde der Tag der Frau in Wil in den 80er Jahren zelebriert. Eine, die bereits damals dabei war und auch im OK des diesjährigen Anlasses mitwirkt, ist Renata Ruggli. Zwar habe sich die Situation für die Frauen in den vergangenen 30 Jahren verbessert, viele der Probleme beschäftigten die Frauen aber nach wie vor, sagt sie.

Lohnunterschiede nur zu Teilen erklärbar

Es geht um Themen wie Lohngleichheit, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie den Sexismus, der im Alltag vielerorts anzutreffen ist. Erstere ist wohl der am besten messbare Unterschied zwischen den Geschlechtern. Rund 1500 Franken weniger verdienen Frauen in der Schweiz pro Monat, wie Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) belegen. Die unterschiedliche Bezahlung lässt sich nur zu 56 Prozent mit sogenannt objektiven Faktoren wie berufliche Stellung, Dienststellung und Ausbildungsniveau erklären. Die restlichen 44 Prozent «sind potenziell lohndiskriminierend aufgrund des Geschlechts, heisst es beim BFS. Ein Zustand, den es zu ändern gilt, sind sich die OK-Mitglieder einig.

Sexismus ist immer noch Alltag

Darüber hinaus komme Sexismus aber auch im Alltag häufig vor. Sexuelle Belästigung oder gar Übergriffe seien keine Seltenheit, wie die Debatte um #MeToo gezeigt habe, sagt OK-Mitglied Mirta Sauer. Häufig sei der alltägliche Sexismus aber kein Straftatbestand. Es gehe dabei um Dinge, die in den Köpfen vieler als Selbstverständlichkeit gelten würden, ohne dass dabei ihr diskriminierender Charakter wahrgenommen werde. «In Familien ist die gesellschaftliche Erwartung immer noch, dass die Frau für die Erziehung der Kinder zuständig ist», sagt Miriam Schildknecht, die ebenfalls Mitglied des OK ist. Gerade dies sei ein Thema, das auch die Männer direkt betreffe. Denn auch von ihnen würde erwartet, vorgegebenen gesellschaftlichen Rollenbildern zu entsprechen.

«Dabei sollte eigentlich jede und jeder die freie Wahl haben.»

Männer sollen sich mit Thema auseinandersetzen

Am Wiler Tag der Frau seien deshalb nicht nur Frauen, sondern auch Männer willkommen, sagt OK-Mitglied Marianne Mettler. Schliesslich gehe das Problem alle etwas an. Der Abend im Cinewil soll die Leute vor allem zum Nachdenken anregen. Obwohl die Mitglieder allesamt der SP angehören, sei der Anlass überparteilich. So seien auch alle anderen Parteien eingeladen worden sowie die evangelische, katholische und muslimische Frauengruppen.

Am Abend selbst steht neben der Dokumentation «Female Pleasure» und einem geselligen Teil mit Essen, Getränken, Musik und einer Ausstellung des Stadtarchivars Werner Warth über Wiler Frauen im Laufe der Zeit auch ein Podium auf dem Programm. An diesem werden Nationalrätin Barbara Gysi, Fussballerin Cinzia Zehnder, Wirtin Isabel Dionisio, die leitende Bankangestellte Susanne Alfermann und die pensionierte Lehrerin Renata Ruggli über die Stellung der Frauen in unserer Gesellschaft diskutieren. Mit der Hoffnung, dass die Gleichstellung nicht weitere hundert Jahre auf sich warten lässt.

Hinweis

Tag der Frau, Freitag, 8. März, Cinewil, 18 Uhr Vorführung «Female Pleasure», 19 Uhr Essen, Musik und Ausstellung, 20.15 Uhr Podium.

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