Nach Kantersieg gegen Herisau: Weshalb der EC Wil zu Hause eine Macht ist

Der EC Wil bezwingt Herisau im letzten Spiel dieses Jahres 9:2. Das Team hat in zehn Heimspielen noch keinen Punkt abgegeben. Wie haben die Wiler das geschafft?

Tim Frei
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Matteo Schärer (links) und Dominik Senn bejubeln einen Treffer – das konnten die Wiler gegen Herisau oft tun.

Matteo Schärer (links) und Dominik Senn bejubeln einen Treffer – das konnten die Wiler gegen Herisau oft tun.

Bild: Michel Canonica

Eine Heimmacht? Hätte es noch einen Beweis dafür gebraucht, der EC Wil hat ihn im 1.-Liga-Spiel gegen den SC Herisau geliefert. Der 9:2-Erfolg in der letzten Partie im 2019 war auch in dieser Höhe verdient. Es war der neunte Heimsieg in der Meisterschaft, einen weiteren erreichten die Wiler vor mehr als einer Woche gegen den oberklassigen EHC Arosa im zweitletzten Qualifikationsspiel für den Schweizer Cup.

Kurz: Wil hat in zehn Heimspielen noch keinen Punkt abgegeben. In der 1. Liga Ost ist nur noch der souveräne Leader Frauenfeld zu Hause unbezwungen.

Letzte Niederlage im Februar

Die Wiler Heimstärke zeigt sich übers ganze Jahr, also saisonübergreifend: In 15 Partien in der Eishalle Bergholz resultierten nur zwei Niederlagen. Die letzte datiert vom 14. Februar, als das zweite Spiel des Playoff-Viertelfinals gegen Bellinzona mit 4:5 nach Verlängerung verloren ging. Die Frage stellt sich unweigerlich: Weshalb sind die Wiler in dieser Saison in Heimspielen bisher nicht zu überwinden?

Wil-Stürmer Andreas Ambühl brachte sein Team gegen Herisau in der zehnten Minute in Führung – mit seinem 21. Treffer im 17. Ligaspiel. Er sagt: «Wir gehen in jedes Heimspiel mit der Gewissheit, dass wir zu Hause noch nie verloren haben.»

Stürmer Matteo Torino erzielte den Treffer zum 8:2.
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Flügelstürmer Elia Mettler bewies seine Klasse beim 6:1.
Mittelstürmer Fabio Högger sammelte drei Assists.
Verteidiger Rico Hungerbühler biegt den Stock wie im Lehrbuch durch.
Torhüter Daniel Schenkel war erneut ein sicherer Rückhalt.

Stürmer Matteo Torino erzielte den Treffer zum 8:2.

Michel Canonica

Zu Hause nur zweimal in Rückstand geraten

Wie so oft im Sport scheint das Selbstvertrauen entscheidend zu sein. Das zeigt sich auch daran, dass die Wiler in acht von zehn Heimspielen den Führungstreffer erzielten und nur zweimal im Rückstand lagen.

Bestes Beispiel ist die Begegnung gegen Herisau. Nach dem ersten Treffer mit dem ersten Abschluss erhöhten die Wiler die Kadenz und dominierten die enttäuschenden Herisauer. Zwei weitere Tore gegen Ende des Startdrittels waren die logische Folge. Ambühl sagt:

«In Wil zeigen wir von Anfang an das Hockey, das in uns drinsteckt.»
Feiern das 3:0 durch Wil-Captain Lars-Kevin Spillmann (Mitte): Simon Steiner (links) und Andreas Ambühl (rechts).

Feiern das 3:0 durch Wil-Captain Lars-Kevin Spillmann (Mitte): Simon Steiner (links) und Andreas Ambühl (rechts).

Michel Canonica

Auf fremden Eis in jedem Spiel mindestens einmal in Rücklage

Auswärts tun sich die Wiler deutlich schwerer mit dem Gewinnen – drei Siege aus zehn Spielen. In sechs der zehn Partien auf fremdem Eis mussten die Wiler den ersten Treffer hinnehmen und gar in allen Spielen lagen sie mindestens einmal im Hintertreffen. Genau deswegen hätten sie mehr Mühe auswärts, sagt Ambühl:

«Nach Rückständen fällt es uns schwer, den Schalter umzulegen und zu unserem Spiel zu finden.»

Gewiss, Wil zeigte gegen Herisau ein völlig anderes Gesicht als noch bei der ersten Begegnung im Oktober. Doch auch die Appenzeller waren im Vergleich zum 5:2-Heimsieg nicht mehr wieder zu erkennen. Sie gewährten den Wilern viel Freiräume. Das Heimteam konnte zwar nicht ans Tempo des Cupspiels gegen Arosa anknüpfen, doch Herisau war zu stark auf den Puck fixiert und vergass oft die Spieler in der zweiten Reihe.

Defensiv kompakt, physische Spielweise

Ganz anders Wil: Die Mannschaft überzeugte mit einer starken Teamleistung. Und das nicht nur aufgrund sieben verschiedener Torschützen. In der Verteidigung spielten die Wiler überraschend kompakt – nicht zuletzt, weil auch die Stürmer ihre defensiven Aufgaben erfüllten.

Ebenfalls auffällig: Die physische Präsenz, die sonst von Wil selten zu sehen ist. Marius Herberger übertrieb es in einem Faustkampf zwar, doch die körperbetonte Spielweise ist ein gutes Zeichen für das Playoff.

Marius Herberger reüssierte zwei Mal aus der Distanz. Wenig später musste der Verteidiger nach einem Faustkampf vom Eis.

Marius Herberger reüssierte zwei Mal aus der Distanz. Wenig später musste der Verteidiger nach einem Faustkampf vom Eis.


Michel Canonica

Der EC Wil bestreitet am 4. Januar sein nächstes Spiel zu Hause gegen den EHC Wetzikon.

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