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Nach 17 Jahren als Schulleiter des Mattschulhauses wechselt Ruedi Blumer zum VCS: «Es war Zeit für eine Veränderung.»

17 Jahre lang war Ruedi Blumer Schulleiter des Primarschulhauses Matt. Nun braucht der Vielbeschäftigte eine Veränderung und widmet sich vermehrt dem Verbandsleben und der Politik.
Annina Quast
Ruedi Blumer blickt mit Freude in seine Zukunft als Politiker und Verbandsmensch. (Bild: Annina Quast)

Ruedi Blumer blickt mit Freude in seine Zukunft als Politiker und Verbandsmensch. (Bild: Annina Quast)

Politik, Wirtschaft und Bildung – genauso vielseitig wie seine Berufserfahrung war sein Job als Schulleiter des Matt-Schulhauses in Wil. Ruedi Blumer arbeitete 17 Jahre als Schulleiter, «jetzt ist wieder Zeit für eine Veränderung», sagt der 61-Jährige. Von einer Frühpensionierung kann hier aber wohl kaum die Rede sein, denn seit vergangenem Sonntag steht fest, dass Blumer das Präsidium des Verkehrs-Clubs Schweiz (VCS) übernehmen wird.

Der mit strammen Schritten durchs Schulhaus laufende Schulleiter wirkt auch nicht so als wäre er kurz vor der Pensionierung. Ein ruhigeres Alltagsleben war anfänglich aber schon der Plan: «Im Dezember 2017 habe ich meine Stelle als Schulleiter bewusst vier Jahre vor der Pensionierung gekündigt. Die Idee war, mir selbst und der Ferienplanung mit meiner Frau wieder mehr Freiraum zu schaffen. Die Möglichkeit, den VCS zu präsidieren, tat sich erst Mitte April auf. Nun habe ich statt eines 100-Prozent-Jobs, einen 40-Prozent-Job plus weiterhin das Präsidium des Mieterverbands Ostschweiz sowie das Amt als SP-Kantonsrat.» Blumer hat also allerhand zu tun; auch wenn er nach den Sommerferien einen Job weniger hat.

Die Schule verändert sich

Das ruhigere Alltagsleben will er zwar mittels vermehrten Velotouren mit seiner Frau geniessen, gleichzeitig ist es aber auch sein Vorhaben, in Zukunft mehr Energie in den Kantonsrat zu stecken, wofür er während seiner Zeit als Schulleiter weniger Zeit hatte. «Schulleiter sein bedeutet, viel Verantwortung zu übernehmen. Das Team, die Eltern und die Schülerinnen und Schüler haben alle ihre Ansprüche. Es ist ein abwechslungsreicher Job, gleichzeitig ist man aber extrem eingebunden. Was ich sehr schätzte, war, dass ich meine Arbeitszeiten selber einteilen konnte.»

Als langjähriger Schulleiter habe er natürlich auch viele Veränderungen mitgemacht, darunter der Wegzug der Oberstufe, der Abbau der Kleinklassen, der Umbau des Schulhauses oder die Änderung der Herkunftsländer der Kinder. «Es waren alles Herausforderungen, die es zu bewältigen galt», sagt Blumer zurückblickend. Bedauern würde er nur den zunehmenden Rutsch des Lehrerberufes in die weibliche Richtung: «Es ist ein guter Beruf, um Teilzeit zu arbeiten. Dies ist bei Frauen beliebter als bei Männern. Dazu kommt, dass es keine grossen Aufstiegsmöglichkeiten gibt.»

Der Kreis schliesst sich

Ruedi Blumer absolvierte in Glarus die Kantonsschule, dann besuchte er die Pädagogische Hochschule, damals noch das Seminar, in Schaffhausen. Doch nach vier Jahren im Glarnerland wollte der junge Lehrer einen Tapetenwechsel. Dabei hat die Liebe wohl auch eine wesentliche Rolle gespielt: Aufgrund seiner damaligen Freundin, seiner jetzigen Frau, zog es ihn nach Gossau, wo er weitere sieben Jahre unterrichtete. Dann hiess es für Blumer erst einmal: Genug unterrichtet. Er widmete sich einem ganz anderen Thema, nämlich der Wirtschaft. Zwölf Jahre hielt es ihn dieses Mal, bevor er merkte: «Es war nicht so meine Welt. Meine Welt ist, wo ich mit Menschen arbeiten kann und nicht mit Maschinen.» Bei der Migros Ostschweiz arbeitete Blumer in der Informatik, bevor er in den Ausbildungssektor wechselte. «Dort merkte ich, wie sehr es mir gefällt, mit Erwachsenen zu arbeiten. So schloss sich der Kreis und ich wechselte zurück in die Schule, diesmal aber als Schulleiter.» Und nun, nach 17 Jahren braucht Blumer wieder eine Veränderung: «Darum gehe ich in meinem Hauptberuf praktisch in Frühpension, um meiner Passion als Verbandsmensch und Politiker nachzugehen. »

Umweltschonende Mobilität fördern

Im September – erstmals ausserhalb der Schulferien – ist der erste Urlaub geplant. Da Ruedi Blumer ein passionierter Velofahrer ist – was sich auch an seinen insgesamt drei stationierten Fahrrädern in Wil, Gossau und St. Gallen zeigt – steht voraussichtlich eine Zweiradtour gemeinsam mit seiner Frau auf dem Ferienprogramm. Die Schweizer Velowege beschäftigen Ruedi Blumer nicht nur im Privaten. Als zukünftiger VCS-Präsident will er die umweltschonende Mobilität fördern, dazu würde er unter anderem gerne die Velowege ausbauen. «Könnte ich direkt jetzt etwas in der Verkehrsbranche ändern, würde ich das Fliegen massiv teurer machen», sagt Blumer. Er selbst besitzt ein GA für sich sowie für sein Fahrrad. Zusätzlich besitzen die Blumers ein Auto. Dieses «Familienmobility» teilt sich das Ehepaar aber mit seinen drei Töchtern, die alle noch in der Umgebung wohnen. «Mein umweltbewusstes Denken hat schon auf unsere Töchter abgefärbt», sagt Blumer nachdenklich.

Mit der Zirkuswoche konnte der Schulleiter ein schönes Abschlussprojekt durchführen. Als diese Woche dann auch noch der Lehrerabschluss stattfand, wurde Blumer schon etwas wehmütig: «Es war eine sehr schöne Zeit. Ich bereue überhaupt nichts. Nun freue ich mich aber auch auf eine Veränderung.»

Bis der Vielbeschäftigte wieder einen Tapetenwechsel im Leben brauchen wird und man ihn auf Hawaii am Strand sehen kann, wird also noch einige Zeit vergehen: Zuerst muss das Kerosin besteuert werden, und die Flüge müssen teurer werden.

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