Mystische Klänge auf der Orgel

Die zweite Wiler Orgelnacht von Toccata Wil fand wieder bei prachtvollem Sommerwetter in der und um die Kreuzkirche herum statt. Acht Musikerinnen und Musiker interpretierten Werke aus verschiedenen Jahrhunderten.

Carola Nadler
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Im Zentrum der zweiten Wiler Orgelnacht stand die Orgel der evangelischen Kreuzkirche. (Bild: Carola Nadler)

Im Zentrum der zweiten Wiler Orgelnacht stand die Orgel der evangelischen Kreuzkirche. (Bild: Carola Nadler)

WIL. «Hoffentlich bleibt es so schön!», meinte Marie-Louise Eberhard im Vorfeld der Wiler Orgelnacht. Die Musikerin war mit ihrem Programm um 23.30 Uhr als Letzte eingeteilt. Mit ihren Stücken, einer Partita über «Der Mond ist aufgegangen» von Jürgen Borstelmann und Louis Viernes «Claire de Lune», hätte Eberhard gerne den Fastvollmond wenn schon nicht angesungen, dann doch bespielt. Sie sollte Glück haben: Ein wolkenloser Nachthimmel spannte sich über das neu gestaltete Areal der Kreuzkirche, wo Zuhörer und die einen oder anderen Passanten gemütlich beisammensassen. Zwischen den knapp halbstündigen Konzerten und in der Pause wurden dort vom Apéroteam der evangelischen Kirchgemeinde Grilladen, Raclette und Getränke angeboten.

Entspannte Stimmung

Drinnen in der Kreuzkirche versammelte sich das aufmerksam lauschende Publikum. Doch die Atmosphäre war deutlich anders als an gewöhnlichen Konzerten: entspannt, ungezwungen, dafür aber nicht minder konzentriert. Stephan Giger, Toccata-Wil-Mitglied und Hauptorganisator der Orgelnacht, freut sich: «Es sollte auch absolut nicht <stiir> sein.»

Die Kurzkonzerte mit Werken aus verschiedenen Jahrhunderten, von acht Wiler und auswärtigen Musikerinnen und Musikern auf der Orgelempore interpretiert, hatten eine fast schon meditative Wirkung: Auch im Altarraum waren Stühle aufgestellt, so dass sich die Zuhörenden gegenübersassen und so die Kreisform der Kirche weiterführten. In ihrer Mitte fand denn quasi das Erleben der Orgelwerke statt.

Zeitgenössisches und Barockes

Am Beginn des Abends spielte Thomas Halter aus Rapperswil-Jona zeitgenössische Stücke mit poppigem Schwung, ihm folgten Ursa Baltensperger aus Wattwil und die Wiler Organistin Monika Bernold-Bissig mit barocken Werken. Stephan Thomas aus Chur schliesslich spielte, quasi als Übergang in die Pause, Volkslieder sowie Variationen über den Schweizerpsalm. In diesem Stil folgten Kurt Pius Koller mit Kurt Maria Staubli, Panflöte, mit einem Schwyzer Ländler, der Steiner Chilbi, dem Köbeli-Walzer sowie einer Suite aus Siebenbürgen, bevor Kaspar Wagner aus Urnäsch Werke von Vivaldi und Händel sowie des libanesischen Komponisten Naji Hakim zum Abschluss führte: Das «Claire de Lune» des Komponisten und Organisten des französischen Impressionismus, Louis Vierne. Lange noch wirkten diese mystischen Klänge nach auf dem Heimweg durch die Nacht. Die in dieser Form sicher nicht die letzte gewesen sein wird.