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Mysteriöses Festival: In Degersheim will sich eine Untergruppe der Anastasia-Sekte treffen

Eine fragwürdige Gruppierung feiert ein dreitägiges Fest im Herrenluftbad bei Degersheim.
Lara Wüest
Die Buchcover der umstrittenen Anastasia-Bücher. (Bild: PD)

Die Buchcover der umstrittenen Anastasia-Bücher. (Bild: PD)

Er sieht fast ein wenig so aus, als wäre er von einem Kind gezeichnet worden, der Flyer, welcher das Fest in der Nähe von Degersheim ankündigt. In der Mitte leuchtet eine gelbe, orange Sonne, umgeben von Symbolen und Worten in krakeliger, kaum lesbarer Schrift. Am Rand stehen Begriffe wie «neue Gemeinschaften», «Raum der Liebe» oder «Visionen». Oben rechts sind das Datum und der Durchführungsort des Festivals angegeben, von heute Freitag bis Sonntag findet dieses im Herrenluftbad statt.

Doch so harmlos der Flyer auf den ersten Blick daherkommt, bei näherem Betrachten macht er stutzig. «Familienlandsitze» hat jemand in kindlicher Handschrift in dessen Mitte gekritzelt, vermutlich sind das die Organisatoren der Feier. Und dabei handelt es sich um eine obskure Vereinigung, die bereits ins Visier von Sekten- und Esoterikexperten geraten ist. Der Grund: «Gruppierungen der Familienlandsitze gehören zum Umfeld der Anastasia-Bewegung», sagt Sektenexperte Hugo Stamm. Eine Bewegung, die von Fachleuten als sektenhaft eingestuft wird.

Russische Bewegung in der Schweiz angelangt

Die Anastasia-Bewegung hat ihren Ursprung in Russland, ist mittlerweile aber auch in der Schweiz angelangt. Ihre Anhänger führen ein naturverbundenes Leben, propagieren die Selbstversorgung und ziehen sich auf sogenannte Familienlandsitze zurück. In ihrer Lebensweise stützen sie sich auf die Anastasia-Bücherreihe, die vom russischen Autor Wladimir Megre verfasst wurde und aus zehn Bänden besteht.

Anastasia, die Hauptfigur der Bücher, die Megre nach eigenen Angaben auf einer Reise getroffen haben soll, verfügt über spirituelle und übersinnliche Fähigkeiten. Neben der Esoterik- und Öko-Szene stossen die Bücher auch in rechtsradikalen und antisemitischen Kreisen auf Begeisterung, denn sie enthalten entsprechendes Gedankengut. Zahlreiche Anhänger der Anastasia-Gruppierung bewegen sich in rechtsextremen Kreisen. Die Fachstelle Infosekta in Zürich stuft die Anastasia-Bewegung deshalb als nationalistisch, verschwörungstheoretisch und rechtsesoterisch und daher als problematisch und sektenhaft ein.

Beide Bewegungen nicht gleichsetzen

Gruppierungen der Familienlandsitze, welche das Fest im Herrenluftbad veranstalten, sagen, dass sie nicht zur Anastasia-Bewegung gehören. Und gemäss dem Experten Hugo Stamm kann man die beiden Bewegungen nicht «eins zu eins gleichsetzen». Der Verein Familienlandsitze Schweiz distanziert sich etwa vom «Anastasia-Personenkult», wie er auf seiner Website schreibt. Doch auch er beruft sich auf die Anastasia-Buchreihe. Im Internet verweist er auf die Bücher und zitiert daraus. Experten sehen das kritisch. «Die Personen, welche sich in den Kreisen der Familienlandsitze bewegen, distanzieren sich zum Teil deutlich zu wenig oder gar nicht von den antisemitischen Passagen in den Büchern», sagt Susanne Schaaf, Stellenleiterin bei Infosekta. Dadurch werde womöglich ein Nährboden für rechtsextremes Gedankengut gebildet. «Man muss die Bewegung kritisch im Auge behalten», so die Fachfrau.

Hugo Stamm sagt: «Nicht alle von Familienlandsitze Schweiz sind rechtsradikal. Doch in diesem Umfeld besteht die Gefahr, dass rassistisches Gedankengut vermittelt wird.» Auch Stamm erachtet es als problematisch, dass der Verein die Anastasia-Buchreihe und die darin enthaltenen Ideologien propagiert.

Verein Familienlandsitze Schweiz «weiss von nichts»

Wer genau hinter dem Festival im Herrenluftbad bei Degersheim steckt, ist allerdings verworren. Auf Anfrage antwortet der Verein Familienlandsitze Schweiz, man wisse nichts von dem Anlass und habe ihn nicht organisiert. Zugleich räumt er ein: Es könne jedoch sein, dass jemand aus ihrer Facebook-Gruppe den Event auf der Seite gepostet habe.

Der freie Journalist Raimond Lüppken aus Winterthur, der sich mit der Familienlandsitzbewegung intensiv befasst und die «Wiler Zeitung» auf das Fest aufmerksam gemacht hat, ist sich jedoch sicher, dass der Verein dahintersteckt. «Die Veranstaltung wurde in der Facebook-Gruppe Familienlandsitze Schweiz angekündigt», sagt er. Zudem hat er von einem Vereinsmitglied per E-Mail einen zusätzlichen Flyer für das Fest erhalten.

Und was halten die Gemeinden davon, dass eine diese Gruppierung in ihrem Gebiet ein Fest feiert? Degersheim sieht sich als nicht zuständig, da das Grundstück auf dem Boden der Gemeinde Neckertal liegt. Und bei der Gemeinde Neckertal war gestern nachmittags niemand für eine Auskunft erreichbar.

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