Musizierlust und Spielfreude

50 Jahre Flawiler Kammerorchester, 100 Jahre Kirche Feld und 100 Jahre Groll-Orgel: Diese Jubiläen wurden am Sonntag mit einem prachtvollen Konzert in der Kirche Feld gefeiert.

Carola Nadler
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Am Sonntag spielte das Flawiler Kammerorchester in der Kirche Feld. (Bild: can.)

Am Sonntag spielte das Flawiler Kammerorchester in der Kirche Feld. (Bild: can.)

FLAWIL. Die Kirche Feld hatte ihr Jubiläumsjahr bereits mit mehreren Konzerten und anderen Anlässen gefeiert. Dass das Abschlusskonzert des Jahres vom Flawiler Kammerorchester gestaltet wurde, hat eine besondere Bedeutung, denn die Anfänge des Orchesters seien eng mit der evangelischen Kirche Feld verbunden gewesen, wie Daniela Zillig-Klaus von der Kirchenvorsteherschaft in ihrer Begrüssung erwähnte.

Ein Glücksfall

Der Groll-Orgel sei eine maximale Bedeutung eingeräumt worden, so Zillig-Klaus weiter. Sie sei noch spielbar, doch in den nächsten Jahren stehe eine Revision an. Das Kammerorchester stellte dafür ausdrücklich die am Konzert eingegangene Kollekte zur Verfügung. «Die Gründer von damals würden heute nicht schlecht staunen, wie frisch und munter und in welch grosser Zahl das Kammerorchester heute noch auftritt», so Orchesterpräsident Jürg Weber. Auch das Ziel, Kammermusik aus allen Jahrhunderten auf hohem Niveau zu spielen, habe man stets verfolgt. Dirigent Paul K. Haug leitet das Orchester bereits seit über 20 Jahren: «Er ist ein grosser Glücksfall», so Weber.

In den Anfängen des Flawiler Kammerorchesters stand Johannes Sebastian Bach mit Sakralwerken im Mittelpunkt. Mit dem Jubiläumskonzert vom Sonntag war man zu diesen Wurzeln zurückgekehrt: Auf dem Programm standen das c-Moll-Konzert für Oboe, Violine, Streicher und Continuo des Barockkomponisten ebenso wie die Ouverture in h-Moll. An der Orgel erklang am Beginn des Konzertes eine Phantasie von Robert Fuchs, einem österreichischen Komponisten, der weitgehend in Vergessenheit geraten war.

Nicht verstaubt

Doch er war Schüler von Anton Bruckner und bildete so namhafte Schüler wie Gustav Mahler und Richard Strauss aus. Mit seiner Phantasie würdigte Organist Stefan Giger die Flawiler Groll-Orgel grossartig. Ebenso prachtvoll Max Regers «Phantasie» über den Bach-Choral «Eine feste Burg ist unser Gott». Leider wurden seine Register zweimal etwas zu früh gewechselt, so dass sich unschöne Effekte ergaben. Bachs c-Moll-Konzert wurde vom Kammerorchester wunderbar frisch und strahlend interpretiert. Zur vollen Geltung kamen die Solisten (Esther Böck-Giger, Violine, und Christian Voss, Oboe) im zweiten Satz, als ihr liebevolles Duett lediglich von den Pizzicati der Streicher untermalt wurde. Am Cembalo begleitete Stefan Giger. Das Flötensolo in Bachs h-Moll-Ouverture schliesslich wurde von Regula Voss gespielt. Trotz aller Pracht und Festlichkeit verlor das Kammerorchester bei diesem Konzert nicht sein Motto aus den Augen: Die Musizierlust und Spielfreude trug zu frischen, keineswegs verstaubten Interpretationen bei.

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