MUSIK: Wenn das Ende auch ein Neubeginn ist

Nach 100 Jahren geht die Ära des Frauenchors Alterschwil zu Ende. Oder doch nicht? Die verbliebenen Sängerinnen nehmen ihren Spirit mit in den Gemischten Chor Egg, dort leben sie die bisherigen Vereinsziele weiter.

Christine Gregorin
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Mit einem weinenden und einem lachenden Auge: Der Frauenchor Alterschwil tritt in würdigem Rahmen von der Bühne ab. (Bilder: Christine Gregorin)

Mit einem weinenden und einem lachenden Auge: Der Frauenchor Alterschwil tritt in würdigem Rahmen von der Bühne ab. (Bilder: Christine Gregorin)

«Wo man singt, da lass Dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder», zitierte Monika Eisenhut in ihrer präsidialen Begrüssung aus einem irgendwann im Verlauf des vergangenen Jahrhunderts verfassten Vereinsprotokoll. Die letzte, noch bis am 28. August amtierende Vorsitzende, führte am Samstag durch den Unterhaltungsabend: In überaus souveräner Manier, die bisweilen von offensichtlich wehmütiger Ergriffenheit begleitete wurde. Was ja durchaus verständlich ist. Wer sonst feiert denn schon gleichzeitig das hundertjährige Bestehen und die kurz bevorstehende Beerdigung.

Diese Tatsache sorgte auch bei den Gratulanten für Verwirrung und Unsicherheit: Sind in einem solchen Fall Glückwünsche oder Beileidsbekundungen angesagt? Und selbstverständlich will Frau oder Mann genauso wenig mit leeren Händen dastehen. Aber ist ein Geschenk zur Beerdigung nicht reichlich deplatziert?

Fragen über Fragen, welche die im katholischen Pfarreizentrum in Flawil persönlich anwesenden Laudatoren Gemeindepräsident Elmar Metzger und Walter Frehner, Präsident Gemischter Chor Egg, sowie Otmar Eisenring, Präsident Männerchor Alterschwil, mit viel Fingerspitzengefühl und einer gehörigen Portion Charme beantworteten. Ergänzt durch etliche mit viel Lokalkolorit versehenen Grussbotschaften per Video – wo sich notabene sogar die Radiolegende Reto Scherrer zu Wort(en) meldete – bildeten letztlich einen insbesondere natürlich dem Jubiläum entsprechenden würdigen Rahmen.

Gelungenes «Adie mitenand»

«Wir treten heute offiziell von der Bühne ab», konstatierte Monika Eisenhut stellvertretend für den Frauenchor Alterschwil und fügte mit einem hoffenden Schmunzeln an, dass sie noch einmal alles geben würden, um sich einen prominenten Platz in den Reminiszenzen der Gäste zu sichern. Und das ebenso ansprechend wie kurzweilig zusammengestellte Programm liess diesbezüglich keinerlei Zweifel aufkommen.

Ein liebevoll fotografisch festgehaltener Rückblick, in Versform gereimte Anekdoten aus der gesamten Vereinsgeschichte sowie einige voll aus dem Sängerinnenleben gegriffene Sketches rundeten den Abschied zu einem gelungenen Ganzen ab. Sowohl der Männerchor Alterschwil unter der Leitung von Esther Stadler als auch der Gemischte Chor Egg unter der Leitung von Eliane Schärli bereicherten überdies musikalisch.

Übrigens sind die letzten neun Mohikanerinnen des Frauenchors Alterschwil neu allesamt Teil des Gemischten Chors Egg, sozusagen als logische Konsequenz der langjährigen Zusammenarbeit. Hier können sie ihren bisherigen Vereinszielen – «Gesang und Geselligkeit im Einklang» – auch weiterhin ausgiebig frönen und getrost frohen Mutes «Danke und Adie mite­nand» sagen.

Christine Gregorin

redaktion@wilerzeitung.ch