Musik von Hochsensiblen: Die Wiler Living Session Band steht gegen 20 Mal im Jahr auf der Bühne

Bei der Wiler Living Session Band ist jedes Konzert ein Unikat. Bald soll die erste CD aufgenommen werden.

Adrian Zeller
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Die Living Session Band in Aktion: 2018 stand die Gruppe gegen zwanzig Mal auf der Bühne.

Die Living Session Band in Aktion: 2018 stand die Gruppe gegen zwanzig Mal auf der Bühne.

Bild: PD

Über vierzig Jahre macht Renato Müller bereits Musik. Früher spielte er in der Begleitband der Walliser Sängerin Sina, heute ist er mit der Wiler Living Session Band aktiv. Als Sechzigjähriger sei er das älteste Mitglied und somit der Bandleader. «Aber wir haben eine demokratische Bandstruktur und bestimmen zusammen, was wie und wo läuft.»

Der Wiler Gitarrist und Videokünstler schwärmt: «Das Projekt macht mir grossen Spass, weil es sehr lebendig ist.» Bei Sina habe man bei jedem Auftritt die gleichen Songs gespielt; bei der Living Session Band herrsche kaum Routine, jedes Konzert sei ein Unikat.

Im Frühling kommt die erste CD

Die Living Session Band hat ihren Ursprung vor rund fünf Jahren im Musikatelier des Living Museums der Psychiatrie St.Gallen Nord. Im Lauf der Jahre haben sich verschiedene personelle Formationen der Band ergeben. Gelegentlich spielen Gastmusiker mit – etwa dann, wenn ein Bandmitglied wegen einer Erkältung bei einem Auftritt passen muss.

Zu Auftritten kommt die Gruppe immer wieder. 2018 stand die Formation gegen 20-mal vor Publikum. Kürzlich trat sie anlässlich der Verleihung der Kulturpreise in der Wiler Tonhalle auf. Sie spielte schon vor einem Match des FC Wil im Bergholz, aber auch in Bern, Luzern, Glarus und an weiteren Orten gab sie schon Konzerte. «Die meisten unserer Auftritte kommen durch Mund- zu-Mund-Propaganda sowie durch Clips auf Facebook zu Stande», erzählt Müller. Weil die Band immer wieder nach Tonträgern gefragt wurde, soll im kommenden Frühjahr die erste CD eingespielt werden; auch, um sich bei Konzertveranstaltern zu empfehlen.

Sensibilität ist wichtig beim Musizieren

«Wir üben regelmässig am Donnerstagnachmittag mit der Grundbesetzung, für ein Konzert auch mal an einem Samstag», erzählt Müller. «Das Musikatelier ist sonst aber auch für Musikerinnen und Musiker offen, welche im Kunst+Medien-Atelier angemeldet sind. Sie können dort alleine ihre Musik spielen und komponieren.»

Zum Teil seien es hochsensible Menschen, die aus ihrer Veranlagung sehr schöpferisch seien, erläutert Renato Müller. Sensibilität ist auch beim gemeinsamen Musikmachen erforderlich. Die Aufforderung zu einem Solo oder auch zur Zurücknahme der Lautstärke funktioniert über Blickkontakt, dies erfordert gegenseitige Aufmerksamkeit.

Silbengesang aus Jazz und Blues

«Unsere Musikstücke entstehen durch Sessions, in welchen improvisiert wird», erläutert der Bandleader. «Wir spielen mehrere Akkorde hintereinander und kombinieren diese mit einem Rhythmus.» Darauf wird eine sogenannte Skatemelodie gelegt, die aus Silben und Lauten besteht. Diese Art von Gesang hat ihren Ursprung im Blues und Jazz.

Bei der Wiler Gruppe wird dieser Silbengesang auch in anderen Stilrichtungen angewendet. «Dadurch ergeben sich bei jedem Konzert andere Melodielinien.» Dies erklärt gemäss Müller auch den Namen der Band: Jede Zusammenkunft im Übungsraum und auf der Bühne ist von lebendigem Improvisieren geprägt.

Das gemeinsame Musizieren hat die Bandmitglieder auch menschlich näher gebracht, wie Müller betont: «Über die Jahre hat sich ein freundschaftlicher Zusammenhalt zwischen uns entwickelt.»