Musik und Violine sind wie die Luft zum Atmen

In der Alten Zwirnerei Mühlau in Bazenheid stehen ab Sonntag, 25. Oktober, wieder Konzerte auf dem Programm. Anne-Maria Bagdasarjanz, Violinsolistin aus Bazenheid, ist dabei eine treibende Kraft. Im ehemaligen Fabrikgebäude predigte sogar einst ihr Grossvater, ein armenischer Flüchtling aus Tiflis.

Peter Küpfer
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Anne-Maria Bagdasarjanz bei den Probearbeiten. (Bild: Peter Küpfer)

Anne-Maria Bagdasarjanz bei den Probearbeiten. (Bild: Peter Küpfer)

Frau Bagdasarjanz, Sie wirken seit vielen Jahren unermüdlich für die Musik in unserer Region. Was bedeutet Ihnen das Musizieren?

Anne-Maria Bagdasarjanz: Musik, insbesondere die Violine, ist meine Seele, die Luft, in der ich atme. Mit einem Wort: Sie ist Teil meiner selbst.

War Ihr Weg zur Musik bereits in jungen Jahren vorgezeichnet?

Bagdasarjanz: Ich besass als dreijähriges Kind eine eigene Achtelgeige und spielte darauf alle mir bekannten Kinderlieder, dem Gehör nach. Erste Violinstunden bekam ich im Alter von vier Jahren, bei der späteren Lehrerin von Anne-Sophie Mutter. Der Rest war viel, viel Arbeit und Fleiss. Das hält man nur durch aus Passion für die Musik und die Geige.

Seit einigen Jahren treten Sie als «Solistin en résidence» mit vielbeachteten Konzerten in der Alten Zwirnerei Mühlau Bazenheid auf. Warum gerade dort?

Bagdasarjanz: Ich zog vor Jahren nach Bazenheid, um in Ruhe mit der Solosopranistin und Chordirigentin Ruth Stolz zusammenzuarbeiten. Auch war die ländliche Stille förderlich für meine eigene weitere musikalische Entwicklung und das Studium der Partituren. Wegen meiner zunehmenden körperlichen Beeinträchtigung war ich gezwungen, auf weite Reisen zu verzichten. Da entdeckte ich zufällig die so schön renovierte Alte Zwirnerei mit dem herrlichen Ulrich-Bräker-Saal. Daraus ergab sich eine konstruktive und inzwischen freundschaftliche Zusammenarbeit mit der Kulturkommission der Stiftung Psychologische Lehr- und Beratungsstelle, welche uns die Räume zu guten Bedingungen zur Verfügung stellt. Der Bräker-Saal bildet ein wunderbares Ambiente für Musik und verfügt über eine ausgezeichnete Akustik. Dann gibt es auch noch einen biographischen Bezug zu meiner Familiengeschichte. Im alten Gebetssaal des ehemaligen Fabrikgebäudes hielt vor vielen Jahren schon mein Grossvater Gottesdienste ab. Er war ja armenischer Flüchtling aus Tiflis in Georgien und Methodistenprediger. Mein Vater hat als Kind oft seine Ferien bei der Familie Bachmann in der Mühlau verbracht.

Sie ziehen oft weitere verdiente Musikerpersönlichkeiten, aber auch jüngere Talente heran. Wie gelingt Ihnen das?

Bagdasarjanz: Bis auf wenige einzelne handelt es sich bei diesen Leuten um Berufsmusiker. Sie stammen zum Teil aus unserer Region, auch aus entfernteren. Es finden sich unter ihnen aber auch jüngere Musikbegeisterte, wie zum Beispiel Martina Bleiker. Sie war schon vor Jahren fortgeschrittene Studentin in meiner ehemaligen Violinklasse und ist heute Primarlehrerin. Aus dem Kreis von Freunden, ehemaligen Kolleginnen und Kollegen und weiteren Musikern gründete ich das Kammerensemble Il piacere. Das heisst ja nicht zufällig «Vergnügen» oder «Wohlgefallen». Wir spielen, um den Mitspielenden und dem Publikum Freude zu bereiten.

Sie mussten eine Pause einlegen, aus gesundheitlichen Gründen. Ist das Konzert vom nächsten Sonntag auch in dieser Hinsicht ein Eröffnungskonzert?

Bagdasarjanz: Ja, es ist nicht nur ein Konzert zur Eröffnung der Saison. Ich möchte die Gelegenheit wahrnehmen, in musikalischer Form auch meinen ganz besonderen Dank abzustatten: in erster Linie meinen durchwegs hervorragenden Ärzten sowie meinen fürsorglichen, äusserst professionell vorgehenden Pflegerinnen und Physiotherapeutinnen. Danken möchte ich aber auch dem ganzen Ensemble Il piacere, das mich in meinen Bestrebungen auch jetzt wieder aktiv unterstützt und begeistert mitmacht. Es war ja nicht vorauszusehen, ob ich überhaupt je wieder auf meiner geliebten Geige würde spielen können.

Bietet das bevorstehende Konzert auch dem normalen Musikfreund Genuss?

Bagdasarjanz: Wir spielen Werke von Albinoni, Bach und Hindemith. Das Programm in der Alten Zwirnerei Mühlau ist nicht nur für musikalisch gebildete Zuhörer zumutbar, sondern kann allen viel Genuss bieten. Albinoni und Bach sind Komponisten aus der Barockzeit. So wie ein schön verzierter Palast oder eine reich ausgeschmückte Kirche kommt auch ihre Musik daher: Bei Albinoni ist sie elegant und gefällig. Bei Bach kommt seine religiöse Tiefe dazu, sie ist tiefergreifend und monumental. Hindemith steht an der Schwelle zur modernen klassischen Musik des 20. Jahrhunderts. Sicher ist seine freie Tonalität oft unerwartet und kühn, aber man kann auch bei ihm die Tradition von Bach herausspüren.

Eröffnungskonzert am Sonntag, 25. Oktober, 16 Uhr