MUSIK: Mehr im Büro als an der Orgel

Ursula Jaggi unterrichtet seit über drei Jahrzehnten Klavier an der Musikschule Flawil. Ab 1. Juni ist sie die neue Musikschulleiterin. Sie freut sich und weiss, welche Herausforderungen auf sie zukommen.

Zita Meienhofer
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Trotz ihrer künftigen Tätigkeit als Musikschulleiterin möchte Ursula Jaggi nicht aufs Unterrichten verzichten. (Bild: Zita Meienhofer)

Trotz ihrer künftigen Tätigkeit als Musikschulleiterin möchte Ursula Jaggi nicht aufs Unterrichten verzichten. (Bild: Zita Meienhofer)

Zita Meienhofer

zita.meienhofer@wilerzeitung.ch

An der Tür im Unterrichtszimmer von Ursula Jaggi hängen viele Zeichnungen. So nimmt man die von Kinderhänden verzierten Blätter auch wahr. Es sind jedoch nicht einfach Zeichnungen, es sind Einladungen zu den jeweiligen Konzerten ihrer Schüler. «Ich liess die Kinder die Einladungen gestalten», erklärt Ursula Jaggi und zeigt auf eine Einladung, auf der aus verschiedenen Sitzstellungen die richtige Haltung während des Klavierspielens erraten werden muss. Ursula Jaggi schmunzelt über die eine oder andere Idee und freut sich sehr über die Fantasie der Gestalterinnen und Gestalter.

Auch wenn sie am 1. Juni die Tätigkeit als neue Schulleiterin an der Musikschule Flawil aufnimmt, ist für sie klar, dass sie weiterhin Klavier unterrichten wird. «Die Arbeit mit den Kindern ist sehr spannend und als Schulleiterin sehr wichtig», erklärt Ursula Jaggi. Und ihre langjährige Erfahrung hat sie gelehrt: «Es lässt sich fast immer ein Weg finden, damit die Kinder auch nach längerer Zeit noch mit Begeisterung ein Instrument spielen.»

Kapazität schaffen für die neue Herausforderung

Die ausgebildete Primarlehrerin absolvierte nach dem «Semi» ein Musikstudium, das sie mit dem Lehrdiplom für Klavier und dem Lehr- und Konzertdiplom für Orgel abschloss. Zurzeit unterrichtet sie Klavier in Flawil und Orgel an der Züricher Hochschule der Künste. Zudem ist sie als Organistin in Winterthur sowie in Sitzberg tätig. Eine neue Herausforderung hat Ursula Jaggi nicht gesucht, hätte sich bei einer allfälligen Ausschreibung für die Musikschulleiterstelle auch nicht beworben. Doch als die Anfrage kam, ob sie die Leitung der Musikschule Flawil übernehmen wolle, sah sie dies als grosse Chance. «In meinem Leben kamen immer wieder Aufgaben auf mich zu. Ich habe gute Erfahrungen gemacht, wenn ich dazu jeweils Ja sagte», erklärt sie.

Um für die neue Tätigkeit, die ein 40-Prozent-Pensum beinhaltet, genügend Kapazität zu haben, hat sie ihre Stelle als Organistin in Winterthur gekündigt. «Dieser Entscheid ist mir schwergefallen. Das Wirken an der Stadtkirche mit ihren wunderbaren Orgeln und ihrem anregenden Umfeld hat mich über lange Jahre erfüllt.» Tägliches Üben ist für Ursula Jaggi auch nach all den Jahren selbstverständlich. «Heute habe ich den ganzen Morgen Orgel geübt, um die Stücke zu erarbeiten, die im nächsten Monat erklingen sollen.»

Ursula Jaggi wird nun die Vorgesetzte ihrer 23 Musiklehrer-Kolleginnen und -Kollegen. Kommen Bedenken auf? Dazu sagt sie: «Ich vertraue darauf, dass ich den guten Umgang, den ich mit meinem Kolleginnen und Kollegen jetzt pflege, auch in meiner neuen Funktion weiterführen kann.» Sie ist überzeugt, dass ihr da ihre zwölfjährige Er­fahrung als Präsidentin des Zürcher Kirchenmusikverbandes hilft.

Freude und Respekt vor neuer Aufgabe

Auf die neue Aufgabe freut sich Ursula Jaggi sehr, hat aber auch Respekt davor, denn ihre Vorgängerin leistet sehr gute Arbeit. Dringenden Handlungsbedarf gebe es deshalb nicht, sagt Ursula Jaggi. «Die Infrastruktur und auch die finanziellen Mittel sind da, auch die Qualität des Unterrichts.» Eine Aufgabe werde wohl sein, mit den Musikvereinen, den Chören und Orchestern im Dorf vernetzt zu sein, gute Verbindungen herzustellen, damit das in der Musikschule Gelernte später Fortbestand habe, erklärt Ursula Jaggi einen Teil ihrer künftigen Arbeit. Ein einfaches Rezept dafür habe sie zwar nicht, erklärt sie. Sie ist jedoch überzeugt, dass eine gute Zusammenarbeit auf allen Ebenen äusserst wichtig ist.

Zusammenarbeit oder Zusammenspiel, Wörter, die sie oft braucht, sei es auch nur, um zu erklären, wie bereichernd und motivierend Kinder und Jugendliche das gemeinsame Musizieren erleben. Davon zeugt auch ein Sujet auf den vielen Konzerteinladungen – jenes vom Vater-Sohn- oder Mutter-Kind-Konzert.